Euro-Krise rückt wieder in den Fokus

16. Januar 2012 0

EFSF verliert Top-Bonität, Linde-Chef denkt über Euro-Austritt nach

Rückt wieder in den Fokus: der Euro (Bild: Kurt F. Dominik / pixelio.de)

Nachdem Standard & Poor’s (S&P) erst neulich das Rating von neun Ländern der Euro-Zone herabsetzte, stufte die Agentur nun auch ihre Bewertung des Euro-Rettungsschirms EFSF von der Bestnote „AAA“ auf „AA+“ herab. In der Politik mehren sich indes erneut die Stimmen, die Macht der Ratingagenturen müsse gebrochen werden.

Ökonomisch durchaus nachvollziehbar

Ökonomisch sind die Einschätzungen von S&P allerdings durchaus nachvollziehbar. Im Grunde dürfte vor allem das die Politiker auf die Barrikaden bringen: die Abwertungen sind schlussendlich nichts anderes als die Quittung für ihre gescheiterte Euro-Rettungspolitik.

Mit Linde-Chef Wolfgang Reitzle sprach sich gestern zum ersten Mal ein Vorstand eines DAX-Konzerns dafür aus, die Rückkehr Deutschlands zur D-Mark nicht weiter zu tabuisieren. In einem Interview mit dem Spiegel sagte Reitzle, er sei „nicht der Meinung, dass der Euro um jeden Preis gerettet werden muss“. Und weiter: „Wenn es nicht gelingt, die Krisenländer zu disziplinieren, muss Deutschland austreten.“

Schon in fünf Jahren besser als heutzutage

Und zumindest im Falle Griechenlands scheint Reitzle die Hoffnung aufgegeben zu haben. Das Land müsse mittelfristig aus der Euro-Zone austreten, die Schulden müssten wohl zu 100 Prozent abgeschrieben werden.

Für Deutschland würde der Austritt aus der Euro-Zone freilich Schwierigkeiten mit sich bringen. Die Währung würde aufwerten, die Arbeitslosigkeit vorübergehend steigen. Doch andererseits würde dies den Druck erhöhen, noch wettbewerbsfähiger zu werden. So könne das Land schon in fünf Jahren besser dastehen als heutzutage.

Wenig Gegenliebe

Im Kreise der wichtigsten Unternehmer des Landes stießen Reitzles Überlegungen allerdings auf wenig Gegenliebe. In einem aktuellen Artikel auf Spiegel-Online kommen zahlreiche andere Vorstände von DAX-Unternehmen zu Wort, unter anderem die Chefs von Siemens, BMW, der Deutschen Telekom und Volkswagen. Sie alle wiederholen die wohlbekannten Argumente für den Euro: die Einheitswährung sei eine Erfolgsgeschichte, die deutsche Wirtschaft habe davon profitiert.

Tatsächlich sind es gerade die großen Konzerne, denen der Euro höchst gelegen kam. Mit der Gemeinschaftswährung ist Deutschland auf dem Weltmarkt unterbewertet, was den Konzernen einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Die Rückkehr zur D-Mark und die damit verbundene Aufwertung würde deutsche Produkte schlagartig teurer machen.

Drastischer Kaufkraftverlust

Was die DAX-Vorstände jedoch verschweigen: für die vielen Menschen im Land mit durchschnittlichen Einkommen, gleichwohl für kleine und mittelständische Unternehmen, verhält es sich eher umgekehrt. Für sie bedeutete die Einführung des Euro vor allem eins: einen drastischen Kaufkraftverlust.

Ersichtlich ist dies auch an dem Investitionsstau, der in Deutschland faktisch besteht und von dem vor allem die Kommunen und die Infrastruktur betroffen sind. Obwohl der Staatshaushalt in den vergangenen zwei Jahrzehnten förmlich explodiert ist, fehlt an allen Ecken und Enden das Geld für dringend notwendige Investitionen, beispielsweise in Schulen, Straßen und ÖPNV.

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