Breiter Protest gegen „Kunstaktion“

15. Januar 2012 2

Kritik an geplanter Aktion „Deutschland schafft es ab“

Thilo Sarrazin bei einer Veranstaltung in Berlin 2011 (Bild: Ehssan Khazaeli)

Das Vorhaben des tschechischen Künstlers Martin Zet, zur kommenden Biennale möglichst viele Exemplare des Buches von Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“) zu sammeln, in einer Installation zu zeigen und anschließend zu vernichten, ist auf unerwartet heftige Kritik gestoßen. Mittlerweile wird das Vorhaben, das eine „Kunstaktion“ sein sollte, offen mit der Bücherverbrennung des NS-Regimes verglichen.

Zeichen gegen Fremdenhass

Ziel des Künstlers ist es, ein Zeichen gegen Fremdenhass zu setzen. Auf der Internetseite der Biennale erklärt Zet: „Das Buch weckte und förderte anti-migrantische und hauptsächlich anti-türkische Tendenzen in diesem Land. Ich schlage vor, das Buch als aktives Werkzeug zu benutzen, welches den Menschen ermöglicht, ihre eigene Position zu bekunden.“ In der Aktion sollten mindestens 60.000 Exemplare des Buches gesammelt und anschließend „für einen guten Zweck“ recycelt werden.

Nach anfänglicher Kritik an der Aktion im Internet, beispielsweise auf PI-News, sehen nun immer mehr Menschen einen Parallele zur Bücherverbrennung in Zeiten des NS-Regimes. Wie Welt-Online berichtet, zog das Institut für Auslandsbeziehungen, das sich zunächst als Sammelstelle an der Aktion beteiligen wollte, seine Zustimmung am Freitag zurück, da eine Sammelaktion für Bücher „vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte“ in dieser Form nicht akzeptabel sei.

„Ein Akt der Peinlichkeit“

Bernd Scherer, Intendant des Berliner Hauses der Kulturen der Welt, das sich ebenfalls als Sammelstelle an der Aktion beteiligen will, sagte: „Als wir der Buchsammelaktion Martin Zets zustimmten, ging es uns um die Möglichkeit, individuelle Zeichen gegen fremdenfeindliches Gedankengut zu setzen.“ Nun würde jedoch deutlich, dass die Aktion in der öffentlichen Debatte mit den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen in Zusammenhang gebracht wird. „Wir gehen deshalb davon aus, dass auch dem Künstler an einer konzeptionellen Klärung gelegen ist“, so Scherer.

Noch deutlicher wird Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam: „Dieses Vorhaben ist keine Kunstaktion, sondern ein Akt der Peinlichkeit, den es zu verhindern gilt.“

Nach der Bibel und dem Duden das meistverkaufte Buch

Derweil erschien jüngst die 22. Auflage des Bestsellers von Thilo Sarrazin, der nun auch als Taschenbuch verfügbar ist. In einem neuen Vorwort nahm der Ex-Bundesbänker zu den zahlreichen Anschuldigungen Stellung, die vor allem aus dem linken Lager gegen ihn vorgebracht wurden. Unter anderem bezichtigt Sarrazin linke Medien der Lüge. Zeitungen wie die Frankfurter Rundschau oder der Berliner Tagesspiegel hätten durch falsche und verleumderische Wiedergabe seiner Inhalte bewusst ein falsches Bild gezeichnet.

Das Buch „Deutschland schafft sich ab“ wurde mittlerweie fast 1,5 Millionen mal verkauft. Damit ist es nach der Bibel und dem Duden das meistverkaufte Sachbuch der deutschen Nachkriegszeit.

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2 Comments »

  1. Emmett Grogan 15. Januar 2012 at 09:10 - Reply

    das Buch verbrennen, weil man sich inhaltlich nicht damit auseinandersetzen kann – das ist doch der Hintergrund.

  2. Walter M 15. Januar 2012 at 15:00 - Reply

    Wegen der Verbrennung des Korans hat es vor einem knappen Jahr gegen den US-Pastor Terry Jones heftigste internationale Proteste gegeben. Dieser amerikanische Geistliche ist auch in Deutschland hart verurteilt worden. Wer aber die Aktion des tschechischen Künstlers Martin Zet billigt, verliert jedes Recht, Terry Jones zu kritisieren.
    http://www.welt.de/politik/ausland/article12902901/US-Pastor-Terry-Jones-wohnt-Koranverbrennung-bei.html

    Martin Zet möchte seine Bücherverbrennung im Rahmen der Ausstellung „Berlin Biennale“ durchführen. Es ist ein Skandal, dass der Bund diese Veranstaltung unterstützt. Folgendes steht am unteren Rand der Startseite der „Berlin Biennale“:
    „Die Berlin Biennale wird organisiert durch die KW Institute for Contemporary Art und gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.“
    http://www.berlinbiennale.de/blog/news

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