Neuer Schock in Europa

14. Januar 2012 2

Standard & Poor’s stuft neun Euro-Länder herab

So sah die Rating-Weltkarte von Standard & Poor's bis gestern aus.

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hat die Bonität von neun Euro-Ländern herab gestuft, darunter auch Österreich und Frankreich. Deutschland blieb (noch) verschont und ist nun die einzige, große Volkswirtschaft in der Euro-Zone, die sich noch der Bestnote, einem „Tripple-A-Rating“ (AAA), erfreuen darf. Mit der Abstufung gehen für die betroffenen Länder Mehrkosten einher. Damit dürfte sich die Schuldenkrise in der Euro-Zone wieter verschärfen.

Durchaus überraschend

Die Regierungen der betroffenen Länder bestätigten bereits die Herabstufung. Frankreich, Östereich, Malta, die Slowakei und Slowenien wurden um eine, Italien, Spanien, Portugal und Zypern sogar gleich um zwei Stufen abgewertet. Damit sind unter den Euro-Ländern nebst Deutschland nur noch die wesentlich kleineren Staaten Finnland, und Luxemburg die Niederlande mit der Bestnote „AAA“ bewertet.

Einerseits kam die Abstufung durchaus überraschend: erst in der letzten Woche war es Spanien und Italien gelungen, sich für unerwartet niedrige Zinsen neues Kapital an den Finanzmärkten zu beschaffen. Andererseits kamen Gerüchte über eine bevorstehende Abwertung Frankreichs bereits im vergangenen Jahr auf.

Nach wie vor ungelöste Schuldenkrise

Ein schlechteres Rating bedeutet, dass Standard & Poor’s das Risiko eines Zahlungsausfalls nun höher einschätzt als zuvor. Da sich Kreditgeber an den Kapitalmärkten auf die Ratings der Agenturen stützen, steigen somit die Zinsen für neue Schulden, die diese Länder aufnehmen. Im Falle Frankreichs dürften die zusätzlichen Zinsen mit zirka zwei Milliarden Euro pro Jahr zu Buche schlagen.

Der Hauptgrund für die Neubewertung ist die nach wie vor ungelöste Schuldenkrise in der Euro-Zone. So sind beispielsweise französische Banken in Griechenland und Spanien sehr aktiv. Die Bonität einiger Insititute wurde bereits vor Monaten herabgestuft. Auch die Ratingagentur Moody’s prüft derzeit eine Herabstufung der französischen Bonität.

Weitere Verschärfung der Lage

Für die Euro-Zone bedeutet die Abstufung eine weitere Verschärfung der Lage: denn mehrere Länder müssen nun höhere Zinsen bezahlen, wenn sie neue Schulden aufnehmen. Das wiederum dürfte sich negativ auf die ohnehin angespannte Haushaltslage in vielen Ländern auswirken.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble reagierte am Abend dennoch betont gelassen auf die Ankündigung der (nun eingetretenen) Herabstufung Frankreichs und weiterer Euro-Länder. Gegenüber RTL sagte er: „Wir haben uns ja in den letzten Monaten zunehmend weltweit darauf verständigt, wir sollten die Rating-Agenturen auch nicht überschätzen in ihren Beurteilungen.“

Zweck-Optimismus

Das klingt allerdings durchaus wie Zweck-Optimismus. Die Ratingagenturen vergeben ihre Bonitätsnoten auf Basis intensiver Prüfung volkswirtschaftlicher Daten und Risikostudien. Im Grunde reflektiert die aktuelle Abstufung nur, was an den Finanzmärkten ohnehin kein Geheimnis ist: nämlich, dass die nach wie vor ungelöste Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone die Gefahr erhöht, dass früher oder später auch vormals gesunde Länder in den Schuldenstrudel hineingezogen werden und daran zerbrechen könnten.

Zahlreiche Investoren flüchteten sich am Freitag in einen der letzten sicheren Häfen des Kontinenten: deutsche Staatsanleihen. Es erscheint allerdings durchaus fraglich, ob Deutschland seine Bestnote wird behalten können, sollte die Politik auch im neuen Jahr keine Lösung für die Krise finden.

Einschläge scheinen näher zu kommen

Tatsächlich scheinen die Einschläge – nicht nur räumlich, sondern auch ökonomisch – näher zu kommen. Das Länder wie Europas zweitgrößte Volkswirtschaft Frankreich oder das wirtschaftliche solide Österreich ihre Bestnote bei Rating-Agenturen verlieren würden, hätte noch vor nicht all zu langer Zeit niemand auf dem Kontinenten für möglich gehalten.

2 Comments »

  1. Stefan Wehmeier 14. Januar 2012 at 23:56 - Reply

    2012

    Alles gesparte Geld muss über Kredite zurück in den Geldkreislauf gelangen, anderenfalls bricht die Volkswirtschaft zusammen. Wenn aber die Geldvermögen, die sich bei nur wenigen Prozent der Bevölkerung konzentrieren, durch Zins und Zinseszins anwachsen, muss auch die Gesamtverschuldung exponentiell wachsen. Und wenn der mittelständischen Privatwirtschaft die Schulden bereits „Oberkante Unterlippe“ stehen, muss sich der Staat weiter verschulden, um den Geldkreislauf aufrechtzuerhalten. Wer ernsthaft an eine staatliche „Schuldenbremse“ glaubt, leidet an Realitätsverlust. Eine Reduzierung der Verschuldung bedingt eine spiegelbildliche Reduzierung der Geldvermögen! Sozialistische Bestrebungen, dies durch eine so genannte „Vermögensteuer“ oder gar Zwangsenteignung zu erreichen, sind im 21. Jahrhundert nicht mehr als zivilisiert zu betrachten, abgesehen davon, dass sie nur eine drastische Symptombekämpfung darstellen und das Problem nicht beseitigen, schon gar nicht dauerhaft beseitigen. Und welcher leistungsbereite Mensch will in einem Staat leben, in dem das, was man sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, immer wieder enteignet wird, sobald es „Big Brother Staat“ nicht mehr in den Kram passt? Die freiheitliche Antwort auf das Problem der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Kapitalismus) formulierte der bedeutendste Ökonom der Neuzeit, Silvio Gesell, mit den folgenden Worten:

    „Das Geld schafft das Proletariat, nicht weil die Zinslasten das Volk um Hab und Gut bringen, sondern weil es das Volk gewaltsam daran hindert, sich Hab und Gut zu schaffen.“

    Bevor wir verstehen können, was damit gemeint ist, machen wir uns erst einmal bewusst, was aller Wahrscheinlichkeit nach noch in diesem Jahr passieren wird, wenn es nicht gelingt, den exponentiellen Anstieg der Geldvermögen und damit auch der Verschuldung auf friedlichem Wege zu reduzieren:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2012/01/2012.html

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