Integration macht Forschritte

12. Januar 2012 0

Regierung veröffentlicht 2. Integrations-Indikatoren-Bericht

Maria Böhmer, Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration – Bild: Laurence Chaperon / Wikipedia

Die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, hat heute den Zweiten Integrationsindikatorenbericht der Bundesregierung vorgestellt. Es zeigten sich „maßgebliche Fortschritte bei der Integration. In zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens hat sich die Teilhabe der 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund verbessert“, so Böhmer in Berlin.

Der Bericht untersucht den Stand und den Verlauf der Integration in Deutschland von 2005 bis 2010. Er enthält Zahlen und Analysen zum Beispiel zu den Bereichen frühkindliche Bildung, Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarktintegration. Untersucht wurden auch die interkulturelle Öffnung von Verwaltung und Gesundheitsdiensten sowie Fragen der sozialen Integration und der wirtschaftlichen Lebenssituation von Menschen mit Migrationshintergrund.

Schüler: Mehr Abschlüsse erreicht

Der Bericht zeigt positive Trends bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund: Der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss ging um 15 Prozent zurück. Des Weiteren wird deutlich, dass der Anteil der Personen ohne Schulabschluss in der zweiten Generation erheblich geringer ist (2010: 2,8 Prozent) als in der ersten Generation (5,7 Prozent) und fast eine Angleichung an die Gesamtbevölkerung (2,3 Prozent) stattgefunden hat.

Weiterführende Analysen lassen darüber hinaus darauf schließen, dass nicht der Migrationshintergrund über die schulische Entwicklung entscheidet. Der wesentliche Faktor sei vielmehr die soziale Herkunft der Schüler. Ferner ist von erheblicher Bedeutung, ob die Umgangssprache in der Familie Deutsch ist. „Die Eltern müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Wir müssen sie aber auch stärker in die Bildungsarbeit einbinden“, so die Staatsministerin.

Trotz positiver Entwicklungen müssten die Anstrengungen im Ausbildungsbereich weiterhin verstärkt werden, denn mit einer Ausbildungsbeteiligungsquote von 13,1 Prozent bei den 15- bis unter 25-Jährigen nehmen junge Migrantinnen und Migranten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (16 Prozent) immer noch seltener an einer Berufsausbildung teil. Gleichzeitig nahm aber der Anteil der (ausländischen) Jugendlichen zu, die eine allgemeinbildende Schule mit der (Fach-)Hochschulreife verlassen (plus 28 Prozent gegenüber 2005).

Arbeitsmarkt & öffentlicher Dienst im Kommen

Auch für den Arbeitsmarkt sind positive Trends zu beobachten: Die Erwerbslosenquote bei Migrantinnen und Migranten sank deutlich von 18,1 Prozent im Jahr 2005 auf 11,8 Prozent im Jahr 2010. Sie lag damit aber immer noch deutlich über jener der Gesamtbevölkerung. Ein Problem ist die bisher häufig fehlende Anerkennung von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen und Abschlüssen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung verwies darauf, dass im öffentlichen Dienst Migranten noch immer unterrepräsentiert seien. Positive Entwicklungen gibt es zwar im pädagogischen Bereich: Der Anteil von Ausländern am Fachpersonal in Kindergärten und Grundschulen (plus 21 Prozent), weiterführenden Schulen (plus 27 Prozent) und Hochschulen (plus 8 Prozent) hat sich deutlich erhöht.

Geringeres gesellschaftliches Engagement

Starken Nachholbedarf zeigen Zugewanderte und ihre Nachkommen noch beim gesellschaftlichen, politischen bzw. ehrenamtlichen Engagement. Insgesamt ist das politische Engagement im Beobachtungszeitraum zurückgegangen, wobei Einheimische durchweg häufiger engagiert sind als Befragte mit Migrationshintergrund. In der Gesamtbevölkerung waren 2009 8% politisch engagiert, Menschen mit Migrationshintergrund nur zu 4,9%. Immerhin ist in der zweiten Zuwanderer-Generation die Häufigkeit von politischem Engagement bei den Personen mit einem hohen Bildungsabschluss ähnlich hoch wie in der Gesamtbevölkerung mit gleicher Qualifikation.

Mitglied in einem gemeinnützigen Verein oder in einer gemeinnützigen Organisation waren im Jahr 2009 waren 37,7% der Gesamtbevölkerung. Mit 27,7% war dieser Anteil in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund deutlich geringer. 35,9% der Gesamtbevölkerung und 26,2% der Personen mit Migrationshintergrund beteiligten sich nicht nur an gemeinschaftlichen Aktivitäten, sondern waren außerdem in Form von bürgerschaftlichem Engagement tätig, indem sie Aufgaben unentgeltlich oder gegen geringe Aufwandsentschädigung übernahmen.

Die Engagementquote in der Gesamtbevölkerung hat sich im Zeitverlauf (2004 bis 2009) kaum verändert (+0,6%). Bei den Personen ohne Migrationshintergrund gab es einen leichten Zuwachs des Engagements (um +1%), während bei den Personen mit Migrationshintergrund die Engagementquote leicht gesunken ist (-2%). Dieses Ergebnis ist auf den Rückgang des Engagements bei den Personen der zweiten Generation zurückzuführen (-5%), während die Engagementquote bei Personen mit eigener Migrationserfahrung (erste Generation) um +8% gestiegen ist. Ein deutlicher Rückgang des Engagements lässt sich bei den Ausländerinnen und Ausländern erkennen (-19%).

Mangelnde Differenzierung

Wie in nahezu allen öffentlichen Berichten, wird leider kaum ein Wort über die Unterschiede zwischen verschiedenen Zuwanderergruppen verloren, obwohl diese Daten dem für die meisten Veröffentlichungen zugrunde liegenden Mikrozensus durchaus zu entnehmen sind (zumindest das Herkunftsland). Hier wäre ähnlich wie bei der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik eine Differenzierung dringend notwendig, um wirklich zu verstehen, wo Integrationsmaßnahmen ansetzen müssen bzw. welche Anforderungen an Zuwanderer zu stellen sind. Denn in nahezu allen Bereichen – Bildung, Teilnahme am Erwerbsleben, Abhängigkeit von Transferleistungen, Kriminalität, um nur einige zu nennen – fällt die Gruppe der Migranten aus dem islamischen Kulturkreis negativ auf. Die Probleme hier auf den sozialen Hintergrund zu reduzieren, wie es auch im vorliegenden Bericht geschieht, ist kurzsichtig und ideologisch verbrämt.

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