Monti: „Es gibt gar keine Eurokrise“

11. Januar 2012 0

Neuer italienischer Ministerpräsident im Interview mit Welt-Online

Italiens neuer Ministerpräsident: Mario Monti (Bild: Presidenza della Repubblica; Quelle: Wikipedia)

Der erst jüngst gewählte, neue italienische Ministerpräsident Mario Monti hat sich in einem außerordentlich langen Interview den Fragen des Welt-Online-Herausgebers Thomas Schmid gestellt.

„Virtuell in ausgezeichneter Lage“

Den eigentlichen Höhepunkt liefert der Wirtschaftswissenschaftler allerdings bereits in der ersten Antwort: „Es gibt gar keine Krise des Euro. Der Euro ist noch immer sehr stark – vor allem dank der Europäischen Zentralbank und ihrer Unabhängigkeit.“ Die gegenwärtige Krise sei „keine Folge eines Defekts des europäischen Modells“, sondern eine Folge der Krise 2008 in den USA. „Europa ist virtuell in einer ausgezeichneten Lage“, so Monti weiter.

Anderer Meinung ist man da offenbar im Hause der größten italienischen Bank UniCredit. Wie DiePresse.com bereits am Montag berichtete, spricht das Institut in ihrem aktuellen Börsenprospekt mit Blick auf eine mögliche, weitere Eskalation der Schuldenkrise sogar von einer möglichen „Wiedereinführung nationaler Währungen“. Der Kurs der Einheitswährung ging in den vergangenen Tagen erneut auf Talfahrt und notierte zeitweise unter 1,27 US-Dollar – und damit so tief wie seit September 2010 nicht mehr.

Mehr als fragwürdig

Entgegen der ausgezeichneten virtuellen Lage, die Mario Monti beschwört, gehen Analysten weltweit vielmehr von einer weiteren Abkühlung der Konjunktur in Europa und damit einer weiteren Verschärfung der Schuldenkrise aus.

Auch die Aussage, die Euro-Krise sei nur die Folge der US-Amerikanischen Subprime-Krise, erscheint bei genauerer Betrachtung mehr als fragwürdig. Tatsächlich sehen zahlreiche renommierte Ökonomen wie beispielsweise Hans-Olaf Henkel oder Wilhelm Hankel im Konstrukt der Währungsunion selbst den Hauptgrund für die gegenwärtigen Probleme. Henkel, Hankel und Co. sind allerdings auch nicht in Regierungsverantwortung – schon gar nicht in Italien.

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