Freiheit, Gleichheit, Islamismus

10. Januar 2012 19

Essay: Die wahren Ziele der Muslimbruderschaft

Sehr aufschlussreich: eine norwegische TV-Dokumentation über die Muslimbruderschaft

In Ägypten hat die Partei der Muslimbrüder (“Partei für Freiheit und Gerechtigkeit”) mit großer Mehrheit die Wahlen gewonnen. Ein Aufschrei dazu in deutschen Medien bleibt aus. Vielmehr erfreuen sich sogar manche Kommentatoren wie Zeit-Redakteur Martin Gehlen am scheinbar moderaten Auftritt einiger Führungskräfte der fundamental-islamischen Bewegung. Und offenbar genügt schon der Kontrast zu den gänzlich radikalen Salafisten und deren “Partei des Lichts”, um die Bruderschaft hierzulande als “moderat-islamische Kraft” wahrzunehmen – eine Bezeichnung, die zunehmend häufiger für die Organisation verwendet wird.

Zu recht? Könnten sich die Muslimbrüder nun angesichts ihrer Regierungsverantwortung etwa tatsächlich westlich-säkularen Werten öffnen? Oder ist das “Moderate” nur aus Kalkül inszeniert, da sie wissen, dass sie ohne ausländische Unterstützung die immensen wirtschaftlichen Probleme ihres Landes nicht werden lösen können? Droht gar mittelfristig ein islamischer Gottesstaat am Nil? Und was sind überhaupt die wesentlichen Ziele dieser größten muslimischen Organisation der Welt, die auch in Europa stetig ihren Einfluss ausbaut?

Auf höchst unangenehme Art und Weise

Vor einigen Monaten machte im Internet ein Film die Runde, der gerade angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen in Ägypten aktueller erscheint denn je. Es handelt sich um eine Reportage, die im größten privaten Fernsehsender Norwegens (TV2) ausgestrahlt wurde, und die spätestens jetzt in Deutschland zur besten Sendezeit dem Volk, vor allem aber Politikern und Medienvertretern gezeigt werden müsste. Der Film erzählt die Geschichte der Muslimbrüder, erklärt ihre politischen Ziele und beantwortet einige der eingangs gestellten Fragen – auf höchst unangenehme Art und Weise.

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht ein gebürtiger Iraker, der im norwegischen Exil lebt. Der Mann, dessen Name im ganzen Film nicht genannt wird, bekennt sich zum Islam als seiner Religion genauso wie zu den freiheitlich-demokratischen Werten des Westens. Letztere jedoch seien zunehmend bedroht. Schon in einigen Jahrzehnten könnten die Muslime in Europa die Macht übernehmen. Und das sei längst keine islamophobe Illusion, sondern das offenkundige Ziel islamistischer Organisationen, allen voran der Muslimbruderschaft.

„Politischer Schwachsinn“

Im Verlauf des Films kommen zahlreiche Insider und Experten zu Wort: von Mahdi Akef, dem gegenwärtigen Anführer der Muslimbruderschaft, bis hin zu zahlreichen Kritikern der Organisation. Bei letzteren handelt es sich jedoch nicht um westliche „Rechtspopulisten“ oder „Islamhasser“, sondern ausnahmslos um arabisch-stämmige Politiker, Journalisten und Wissenschaftler. Zum Beispiel der 90-jährige Gamal al-Banna, dessen Wohnung in Kairo einer Bibliothek gleicht und dessen älterer Bruder Hassan al-Banna die Muslimbruderschaft vor beinahe einhundert Jahren gründete. Oder der liberale ägyptische Philosoph Tarek Heggy, der an verschiedenen westlichen Universitäten lehrt und Zeit seines Lebens 20 Bücher schrieb, die heftige Kontroversen in der arabischen Welt auslösten. Oder Rifat alSaid, der Vorsitzende der ägyptischen, links-demokratischen Tagammu Partei, der Mahdi Akef persönlich kennen lernte, weil er während Mubaraks Herrschaft gemeinsam mit dem Anführer der Bruderschaft im Gefängnis saß.

Und gerade letzterer, der ägyptische Sozialistenführer, findet klare Worte an die Adresse seiner europäischen Brüder im Geiste. Dass die westliche Linke die Muslimbruderschaft unterstütze, sei „politischer Schwachsinn“, stellt alSaid unmissverständlich klar und fügt hinzu: „Diese Idiotie herrscht hier auch.” Tatsächlich scheint diese Idiotie in Ägypten sogar außerordentlich weit verbreitet zu sein, wie die jüngsten Wahlergebnisse zeigten.

Das Resultat des missionarischen Wirkens

„Die Linke sollte davon absehen, die Muslimbruderschaft zu unterstützen, denn sie zerstört alles, wofür die Linke steht“, erklärt Karima Kamal, eine berühmte ägyptische Journalistin – und eine von sehr wenigen, die sich überhaupt noch traut, über den wachsenden Einfluss der Islamisten offen zu sprechen.

Kamal setzt sich insbesondere für die Rechte der Frauen in Ägypten ein. Wenn Frauen ohne Hijab als obszön angesehen würden, sei dies eine Stereotypisierung, stellt sie im Film klar. Und tatsächlich wird gerade am Beispiel des Hijab deutlich, welchen Einfluss die Muslimbruderschaft im Land am Nil wirklich ausübt. Mit Hilfe alter Fotos führen die Filmemacher vor, dass der Hijab noch bis vor wenigen Jahrzehnten in Ägypten kaum verbreitet war. Ein Bild von Studenten an der Universität Kairo aus dem Jahr 1959 zeigt, dass sich damals keine einzige Frau verhüllte. Auch auf einem Bild aus dem Jahr 1978 ist keine Frau mit Hijab zu erkennen. Doch 1995 verhüllte bereits ein Drittel der Studentinnen ihr Haar. Und 2004 trugen über 90 Prozent der Absolventinnen der Universität Kairo den besagten Hijab. Genau daran könne man das Resultat des missionarischen Wirkens der Muslimbruderschaft erkennen.

Machtgewinn und Machterhalt

Der Hijab sei mehr als nur ein Kleidungsstück, betont Fekry Abdul Motaleb, ein bekannter Forscher und Experte des saudi-arabischen Wahhabi-Extremismus, jener Form des politischen Islam also, der auch die Muslimbruderschaft inspiriert hat. „Zwischen 1920 und 1970 trugen nur diejenigen Frauen einen Schleier, welche alt waren oder Haarprobleme hatten“, berichtet Motaleb. Die meisten Ägypterinnen seien ganz gewöhnliche Frauen gewesen, die dieselbe, moderne, modische Bekleidung trugen wie Frauen in London oder Paris zu jener Zeit. „Warum der Hijab?“, fragt Motaleb. Und antwortet: „Es ist in erster Linie eine Methode, Frauen zu unterdrücken. Ihr Zügel anzulegen. Man unterwirft sie einer Vielzahl von konservativen und rigiden Verhaltensweisen, welche ihrem übernommenen Wertesystem widersprechen, wie Toleranz, Offenheit, die Fähigkeit, die Moderne mit einzubeziehen, das Verlangen nachzuforschen.“ Und weiter: „Der Hijab und der Nicab sind Methoden, Frauen zu unterdrücken, um zu beeinflussen, wie sie eine neue Generation großziehen. Wenn man die Art und Weise, wie Frauen sich kleiden, kontrolliert, kontrolliert man die zukünftigen Generationen.”

Schon die Aussagen Motalebs würden hierzulande in einem medialen Sturm der Entrüstung, vor allem und aberwitzigerweise aus dem linken Lager, niedergebrüllt. Dabei führt das Beispiel des Nihab nur ansatzweise vor, was die wirklichen Ziele der Muslimbruderschaft sind: Machtgewinn und Machterhalt, und zwar stets zu Gunsten der Einführung eines streng-religiösen, freiheitsfeindlichen, autoritären und monokulturellen Gesellschaftssystems.

Die „Islamisierung der sozialen Dienste“

Der Film führt ebenfalls vor, wie die Muslimbruderschaft in Ägypten trotz jahrzehntelangen Verbots ihren Einfluss steigern konnte. Sie konzentrierte sich auf die Armen und Bedürftigen, schuf soziale Einrichtungen wie Hospitale, Waisenhäuser und Schulen – und knüpfte die Verfügbarkeit dieser Angebote stets an die fundamentale Religiösität, beispielsweise indem Frauen der Zutritt nur dann gewährt wurde, wenn sie den besagten Nihab trugen. „Die größte Gefahr der Muslimbruderschaft ist die Entwicklung ihrer sozialen Stärke“, stellt Journalistin Kamal folgerichtig fest. Es handele sich dabei faktisch um die „Islamisierung der sozialen Dienste“, so der Vorsitzende der ägpytischen Linken, Rifat alSaid.

Kein Wunder also, dass die vormals doch relativ liberale, ägyptische Gesellschaft einen Prozess der schleichenden Islamisierung erfährt – und dass die Muslimbruderschaft bei den ersten freien Wahlen einen derart großen Sieg feiern konnte. Das ist schon mit Blick auf die Lage im Land am Nil, insbesondere auf die Rechte der Frauen und die Menschenrechte im Allgemeinen, nicht begrüßenswert. Tatsächlich aber gehen die Ambitionen der Bruderschaft längst weit über ihr Ursprungsland hinaus.

Ein politisches System nach Vorbild des Wahhabismus

Insbesondere auf Europa haben die Fundamentalisten ein Auge geworfen. Und niemand führt das deutlicher, gleichwohl glaubhafter vor, als Mahdi Akef, der gegenwärtige Anführer der Muslimbruderschaft, dessen Aussagen im politisch-korrekten Deutschland vielen Bürgern wie düstere Prophezeiungen und islamophobe Übertreibungen aus rechtspopulistischen Gefilden erscheinen würden. Auf die Frage, was die Ziele seiner Organisation seien, antwortet Akef im Film unmissverständlich: „Die Muslimbruderschaft träumt davon, den rein islamischen Staat zu gründen.” Und mit Blick auf Europa stellt Akef fest: „Das Projekt, dass die Muslimbruderschaft für Europa hat, ist diese Religion dort einzuführen.”

Doch spätestens im Falle der Muslimbruderschaft rund um Mahdi Akef steht außer Frage, dass mit „dem Islam“ längst nicht nur eine spirituelle Religion gemeint ist, sondern vielmehr ein politisches System nach Vorbild des saudi-arabischen Wahhabismus, das unter anderem die Scharia als göttliche Rechtsnorm definiert und Menschen je nach Geschlecht und Religionszugehörigkeit unterschiedliche Wertigkeit und Rechte zuspricht.

Bedrohliche Form des Faschismus

Deutlich wird dies, als Akef im Film auf den Konflikt zwischen der Genfer Menschenrechtskonvention und der Scharia-konformen, Kairoer Erklärung der Menschenrechte angesprochen wird: „Die islamischen Menschenrechte sind viel tiefgründiger als was wir der UN-Menschenrechtscharta entnehmen können. Die letzte ist eine Erklärung mit vielen Unwahrheiten. Die Muslimbruderschaft und der Islam sind viel fortschrittlicher. Diese Religion, welche einer Person solch hochgradigen Schutz gewährt. Es gibt keine andere Erklärung, weder die der UN noch andere, welche so umfassend sind wie die des Islam. Die UN-Charta gewährt Ehebruch und Homosexualität, etc. Und du fragst mich über Menschenrechte?“

Freilich ist die „Person“, von der Mahdi Akef redet und die in den islamischen Menschenrechten „solch hochgradigen Schutz“ erfährt, niemand geringeres als der (nach fundamental-religiösen Maximen) rechtschaffende, muslimische Mann. Alle anderen Menschen sind nach diesem Rechtsempfinden dem Greuel der Scharia quasi schutzlos ausgeliefert, dokumentiert in eben jener Kairoer Erklärung der Menschenrechte. In ihr zeigt sich, welch bedrohliche Form des Faschismus dieser Auslegung des Islam innewohnt.

„Rom, Italien und Europa zu besiegen…“

Der Film führt darüber hinaus genauso deutlich vor, wie es der Muslimbruderschaft gelingt, ihre wahren Ziele einer primitiven, archaischen Gesellschaftsform hinter einem undurchschaubaren Dickicht aus Lügen und Tricksereien zu verbergen. Und genau darauf scheinen westliche Politiker und Medienmacher hereinzufallen. Das wiederum ist allerdings längst nicht nur das Verdienst der Bruderschaft. Vielmehr trägt auch der Westen selbst zur Gefährdung seiner freiheitlich-demokratischen Gesallschaften bei, indem er krampfhaft die Augen vor dieser existenziellen Bedrohung verschließt. Das ist umso verwunderlicher angesichts der Tatsache, dass in arabischen Medien längst offen thematisiert wird, was die Ziele der Muslimbruderschaft (und anderer fundamental-islamischer Bewegungen) für Europa sind: die langfristige Machtübernahme mittels des so genannten Geburtendjihad. So wird gleich eingangs im Film eine Internetbotschaft von einem weiteren Kopf der Muslimbruderschaft, Scheich Yusuf alQaradawi, eingespielt, in der er sagt: „Rom, Italien und Europa zu besiegen bedeutet, dass der Islam nach Europa zurückkehren wird. Muss denn dieser Sieg unbedingt durch Krieg errungen werden? Nein, es ist möglich, auf friedliche Weise zu siegen. Dieser friedliche Sieg hat seinen Ursprung in dieser Religion. Deshalb glaube ich, dass der Islam Europa ohne Gewalt anzuwenden erobern wird.“

Im Film verdeutlicht der Tunesier Lafif Lakhdar, eine Schlüsselfigur der arabischen Linken, die bedrohlichen Worte von Scheich Yusuf alQaradawi: „Die Muslimbruderschaft hegt eine Vision. Sie glauben, dass sie in 50 oder vielleicht schon in 40 Jahren Europa beherrschen werden. Denn die Nichtmuslime haben nicht so viele Kinder wie sie. Sie werden also eine Mehrheit sein und Europa beherrschen. Und Europa wird ein muslimischer Kontinent.“ Davon seien sie überzeugt.

Zweigstellen in beinahe allen Ländern

Doch auf den demografischen Wandel allein scheint sich die Muslimbruderschaft nicht zu verlassen, wie der Insider Dr. Kamel AlNajjar, ein ehemaliges Mitglied der Organisation, verdeutlicht. Als „Abtrünniger“ ist AlNajjar untergetaucht und will im Film unerkannt bleiben, da es Morddrohungen der Islamisten gegen ihn gibt. Er berichtet aus dem innersten Kreis der Bruderschaft, dass sie mittlerweile Zweigstellen in beinahe allen Ländern der Welt habe und stets versuchen würde, die Leute mit ihrem sozialen Ansatz zu täuschen. So sei es ihnen gelungen, „viele westliche Politiker hinters Licht zu führen.” Ihr einziges Ziel sei es jedoch, „die Welt durch den Islam zu beherrschen und islamische Regimes weltweit aufzubauen“. Dazu bediene sich die Bruderschaft einer Vielzahl von Organisationen, um die Bürger in westlichen Ländern zu verwirren. „Sie formen nicht nur eine oder zwei Organisationen, sondern fünf, sechs, sieben, mit demselben Ziel“, so AlNajjar. Und weiter: „Durch diese Organisationen beeinflussen sie dann die Politik in diesen westlichen Ländern. Sie benutzen Demokratie als Vehikel, um ihre Ziele zu erreichen. Und dann verbieten sie die anderen Parteien.“

Nicht nur die Muslimbrüder, sondern viele Menschen in der arabischen Welt scheinen mittlerweile davon überzeugt zu sein, dass der Islam auf diese Weise schleichend die Macht im Westen übernehmen kann. Im Film wird eine Szene eingespielt, die „EmriTV“ (der Fernsehsender des Middle East Media Research Institute) dokumentiert hat. Darin sagt der Studiogast in einer offenbar ägyptischen Fernsehsendung mit Blick auf die demografische Entwicklung in Europa: „Das wichtigste ist, dass 25 bis 30 Millionen Muslime in Europa leben. Diese Zahl hat viele Konsequenzen.“ Auf Nachfrage des Reporters verdeutlicht der Studiogast mit hämischem Grinsen: „Die Muslime haben viel mehr Kinder als die Europäer. Dies bedeutet, dass die Muslime in 20 Jahren eine Mehrheit sein werden. Und dies wird einen großen Einfluss auf die Regierungen haben.“

Die simple Wahrheit

Islamisierung und Geburtendjihad, hierzulande dargestellt als weltbildliche Spinnereien einer tendenziell fremdenfeindlichen Strömung, werden also dort, im Mutterland der Muslimbruderschaft, längst offen im Fernsehen diskutiert. Und bezeichnenderweise sind es vor allem die aufgeklärten, säkularen und liberalen Muslime wie hierzulande Necla Kelek, die nicht müde werden, vor den Gefahren dieser Entwicklung zu warnen, selbst wenn das für viele von ihnen echte Gefahren für Leib und Leben mit sich bringt. Auch das ist im Film auf gespenstige Weise dokumentiert, denn fast jeder, der sich dort kritisch über die Muslimbruderschaft äußert, wurde bereits mit dem Tode bedroht.

Vielleicht ist genau das die simple Wahrheit, die den krassen Widerspruch zwischen hiesiger medialer Darstellung und den offenkundigen Zielen fundamental-islamischer Organisationen wie der Muslimbruderschaft erklärt: Ereignisse wie die Veröffentlichung der Mohammed-Karrikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands Posten haben den Schreiberlingen vorgeführt, dass die Islamisten bereit sind, ihre archaische Vorstellung von einer Gesellschaft, insbesondere das nach ihrem Verständnis Gott-gegebene Recht, nicht kritisiert zu werden, mit allen Mitteln bis hin zu Mord und Totschlag durchzusetzen.

Ist es vielleicht so einfach? Ist es die blanke Angst, die ganze Zeitungsredaktionen und Regierungsparteien dazu verführt, vor dieser essenziellen Bedrohung für Demokratie und Freiheit die Augen zu verschließen?

Die Möglichkeit ihrer Selbstzerstörung

Nicht alle Muslime teilen die Ziele der Muslimbruderschaft. Auch das wird im Film mehr als deutlich. Im Gegenteil: viele Menschen im islamischen Kulturkreis haben längst einen Weg zu ihrer Religion gefunden, der dem säkularen Umgang der meisten Christen mit ihrem Glauben sehr ähnlich ist. Doch dass gerade diese Muslime insbesondere in Deutschland nicht zu Wort kommen, während fundamental-religiöse Organisationen hofiert und gefördert werden, ist in einer Kette voller Widersprüchlichkeiten vielleicht noch das Unfassbarste.

Demokratie beinhalte die Möglichkeit ihrer Selbstzerstörung, stellt der Sprecher im Film völlig zu recht fest. Die Islamisten hätten diesen Punkt erkannt. Und ein Deutscher namens Adolf Hitler lieferte im letzten Jahrhundert eine historische Blaupause dafür, wie Demokratien aus sich selbst heraus in ihr abartiges Gegenteil verwandelt werden können. Zwar ist das deutsche Grundgesetz unter dem Eindruck der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten weit stabiler konstruiert als die Weimarer Verfassung. Richtet sich jedoch mit der Demografie das grundlegenste aller demokratischen Prinzipien, nämlich das Mehrheitsprinzip, gegen sie selbst, ist die Demokratie hoffnungslos verloren, ganz gleich wie gut und stabil sie konstitutiv abgesichert wurde.

Die grundlegende Frage

Am Ende des Films kommt noch einmal der Anführer der ägyptischen Linken, Rifat alSaid, zu Wort und berichtet von einem Gespräch mit dem Anführer der Muslimbruderschaft, Mahdi Akef. Die Muslimbruderschaft werde niemals das Land regieren, sagte alSaid zu Akef. Der antwortete darauf: „Du bist naiv, ich will kein Führer sein. Aber wenn alle Frauen einen Hijab und alle Männer einen Bart tragen, werden sie mich anflehen, sie zu führen.”

Noch wäre es möglich, diese historische Bedrohung auf demokratischem Wege abzuwenden. Nötig dazu wäre jedoch, dass sie überhaupt erst einmal wahrgenommen und thematisiert wird. So lange das jedoch in führenden Medien nicht geschieht und die Mahner der Islamisierung gar noch als Extremisten diffamiert werden, so lange erscheint die grundlegende Frage am Ende des Films auf traurige Weise mehr als berechtigt: Sind wir überhaupt noch bereit, unsere Freiheit zu verteidigen?

Die Dokumentation über die Muslimbruderschaft mit deutschen Untertiteln:

The Islamic Brotherhood in Europe with German Subtitles from Vlad Tepes on Vimeo.

Anm. des Autors: Vielen Dank an CT-Leser “Quarksalber”, der uns in einem Kommentar an diesen Film erinnert hat.

19 Comments »

  1. Cephalin Blum 10. Januar 2012 at 23:18 - Reply

    Die gegenwärtig in allen Organen der Hofberichterstattung stattfindende Weichspülung der islamistischen Kräfte, die der Umsturtz in Ägypten und in Tunesien sowie das NATO-Bombardement in Libyen an die Macht spülte, hat nur einen einzigen Zweck: Hinsichtlich der zunehmenden Ethnisierung unseres Landes durch Türken, Araber und Nordafrikaner soll den Deutschen von Geburt suggeriert werden: keine Panik, es wird alles nicht so schlimm, wie Ihr immer befürchtet. Das sind auch lupenreine Demokraten, die singen lediglich in der Kirche aus einem anderen Gesangbuch.

  2. cicero 10. Januar 2012 at 23:21 - Reply

    Angst gehört als Motivation für das Schweigen von Journalisten sicher dazu, aber nicht Angst vor Gewalttätern. Soweit ist es noch nicht, wenn man von Karikaturen absieht. Sondern Angst davor, aus dem Rahmen zu fallen, in dem man unbedingt bleiben muss. Die Mächte und Interessen und Allianzen in dieser Frage sind undurchschaubar, und es bräuchte einen Verleger wie Axel Springer, der gegen jede Interessenlage eine Linie durchzieht.

    Ein weiterer Grund ist die fehlende Bildung. Vermutlich denken sehr viele (linke) Schreiber im Grunde ihres Herzens genauso wie mancher Islamfeind: Dass ein reformierter Islam nämlich nicht möglich sei. Und weil sie keine Lösung sehen, schauen sie weg, bevor sie eine Kritik beginnen, die sie (mangels Lösungsmöglichkeiten) schnell in die Nähe von radikalen Forderungen führen würde. Vielleicht würde die Islamkritik auch von linksliberaler Seite unverklemmter sprudeln, wenn man diese Denkblockade lösen könnte, dass es im Grunde gar keine Lösung gäbe, weil der Islam unreformierbar wäre?

    Schließlich noch ein Gedanke: Man sollte in der Verfassung festlegen, dass Religionsgemeinschaften sich nicht sozial betätigen dürfen. Gerne dürfen Christen und Muslime aus ihrem Glauben heraus sozial tätig werden – aber nur in Organisationen, die weltanschaulich neutral sind. Wo man hinschaut: Religionen erkaufen sich ihre Anhängerschaft nicht zuletzt mit sozialen Wohltaten. Auch in Deutschland. Selbst im Iran ist es so gelaufen. Die Durchtrennung dieses Zusammenhanges ist so wichig wie manch anderer Verfassungsgrundsatz.

  3. Rationalist64 11. Januar 2012 at 00:00 - Reply

    @ Marco Pino

    Sie scheinen in Ihrem Beitrag davon auszugehen, dass die schleichende Islanisierung Europas von seinen Politikern aus Unwissenheit oder Naivität zugelassen wird.

    Kann demgegenüber nicht der u.a. von Giséle Littman (“Bat Ye’or”) vertretene Ansatz zutreffen, dass die Islamisierung von den europäischen Elten ganz bewusst forciert und betrieben wird? Littman sieht als Ursache die Ölabhängigkeit der europäischen Staaten von der arabischen Welt. Andere glauben, dass durch die Islamisierung ein Wieder-Zerfallen der EU in Nationalstaaten verhindert werden soll bzw. eine mehrheitlich islamische Bevölkerung eine autoritäre Regierungsform in der EU erleichtere.

    • Marco Pino 11. Januar 2012 at 00:35 - Reply

      Hallo Rationalist,

      also, vornehmlich werden im Text ja die Inhalte und Statements aus dem Film wieder gegeben. Meine Wertung zum Schluss hin bezieht sich vor allem auf die hiesigen Medien. Ich glaube nicht, dass der Durchschnittsredaktuer in linken MSM derartige Überlegungen / Ziele hat. Ich denke, so Leute wie ein Steven Geyer (etc) sind schlicht und ergreifend nicht informiert und denken, das richtige zu tun. Sie merken nicht, dass sie Kräften dienen, die politisch für das genaue Gegenteil streiten. Das ist beim Euro ja ähnlich. Der diente bislang vor allem Großunternehmen. Reiche werden reicher, Arme ärmer, und nichts hat das in den letzten Jahrzehnten so sehr forciert wie die Einführung des Euro. Dennoch sind gerade die Linken mit großen Engagement dafür. Hier ist einfach, vor allem wenn es um Ökonomie geht, aber auch um geostrategische Zusammenhänge, sprichwörtliche Dummheit und Unwissenheit eine treibende Kraft.

      Was nun die sehr wahrscheinlich existenten Machtzirkel aus hohen Regierungsvertretern, Medienmogulen (zb Familie Mohn, Bertelsmann) und hochrangigen Machtpolitikern angeht, ist das natürlich alles spekulativ. Man läuft Gefahr, in Verschwörungstheoretische Gefilde zu geraten. Andererseits wissen diese Kreise ganz genau, was sie tun und wie sie es kaschieren. Von daher scheint die Frage durchaus berechtigt: was tun wir eigentlich, wenn wir es mal wirklich mit einer Verschwörung zu tun haben?

      In dem Fall weiß ich nur eines ganz genau: die vielen braven Schreiberlinge deutschen Redaktionen waren und sind willfährige Diener einer Sache, die sie weder verstanden haben, noch gutheissen würden, wenn sie sie verstehen würden.

      Aber wie gesagt… alles sehr spekulativ.

      MFG

      • Undercover0815 16. Januar 2012 at 00:55 - Reply

        Hmh, werden tatsächlich Reiche immer reicher und Arme immer ärmer? Oder letztere nur relativ Ärmer, aber trotzdem gleichzeitig immer wohlhabener? Könnte es stattdessen sein, dass nach 1945 fast alle bei Null angefangen haben, und die sog. Schere zw. reich & arm nur deshalb immer weiter auseinanderdriftet, weil die einen SCHNELLER wohlhabener werden als die anderen? Gegenfrage: wann ging es den Armen (also bspw. den Arbeitslosenbesser) besser als heute?

        • Marco Pino 16. Januar 2012 at 01:10 - Reply

          Auch da haben Sie durchaus recht. Andererseits bezog sich das hier auf die euro-einführung, und es steht wohl außer Frage, dass die Kaufkraft von otto-normal-verbraucher im Zuge der Euro-Einführung, der damit einhergehenden Abwertung und der tatsächlichen Inflation (die wohl einiges höher ist als die offizielle) drastisch abgenommen hat, zumindest in Deutschland.

          MFG

  4. Michemm 11. Januar 2012 at 00:22 - Reply

    Da wird einem echt kotzübel. Diese Extremisten regieren jetzt das größte Land in Afrika und hier juckt das niemand. Die werden schon alle sehen wo das noch hinführt. Was die in Ägypten machen ist mir ja ziemlich egal, aber hier sollte man die konsequent verfolgen. Kann doch nicht sein, dass man noch tolerieren soll, was unsere Freiheit und demokratie bedroht.

    Man hört und liest ja immer wieder viel. Aber texte wie dieser gehören eigentlich als Topthema in den Spiegel. Und der film gehört nacher Tagesschau ausgestrahlt!

  5. Prof.Kantholz 11. Januar 2012 at 07:36 - Reply

    Selbst wenn der Film in den Nachrichten und nach den Nachrichten (die ja eh von der breiten Masse nicht mehr gesehen werden, da sie das “perfekte Dinner” oder “Deutschland sucht den Super-Irgendwas” unterbrechen würden) gezeigt werden würde und selbst wenn die Mehrheit der Deutschen und der “problemlosen Migranten” den Film dann sehen würde und selbst wenn die Mehrheit derer die den Film sehen, genauso entsetzt wären wie ich und die Zukunftsvisionen der Mohammedanerbrüder genauso ablehnen wie wir alle und selbst wenn dann von dieser Mehrheit eine weitere Mehrheit sich dazu aufraffen könnte, etwas “zu unternehmen” (sagen wir mal, einen Brief an Frau Dr. Merkel zu schreiben)…. dann wäre aus der tatsächlichen Mehrheit schon längst durch Reibungsverluste wieder eine Minderheit geworden.

    Vielleicht sind wir wirklich gescheitert. An unserer eigenen Faulheit, an Bequemlichkeit und mangelndem Interesse in den eigenen Reihen (damit meine ich nicht diejenigen, die sich für das Thema interessieren, sondern diejenigen, die sich interessieren sollten, da es um ihre Kultur, um ihr Land und letztlich um ihr Leben geht.

    Was könnten wir auch tun? Immer wieder informieren; wenigstens im Freundeskreis, bei Bekannten, Verwandten, den Kollegen. Machen wir längst. Hilfts was?

    Offene oder geschlossene Briefe an die Verantwortlichen, in denen wir aufklären, warnen, Quellen empfehlen, Für und Wider abwägen. Machen wir längst. Hilfts was?

    “Protest” wählen. Machen wir nicht (mache ich nicht). Welchen auch? Die Linke? NPD? Pro (allenfalls, mit Schmerzen)? die Pirat(t)en? Selbst wenn… würds was helfen?

    Keine MSM mehr kaufen. Hab ich seit Jahren nicht gemascht. Kein Spiegel, kein Stern, keine Welt, keine FR, keine Zeit… keine Wirkung.

    Witzigerweise sind die einzigen Mittel, die helfen würde, solche, die ich aus meinem Verständnis für Freiheit, Menschenrechte und die FDGO ablehne, die aber unsere Widersacher ohne mit der Wimper zu zucken einsetzen.

    Und doch hab ich die Hoffnung noch nicht komplett verloren. Wir haben die Nazis überstanden, wir haben die “demokratischen Sozialisten” (vulgo: Kommunisten) ausgesessen, wir hatten sieben Jahre Schröder und befinden uns im sechsten Jahre Merkel und leben immer noch. Wir scheinen recht zäh zu sein…

    Vielleicht haben wir ja doch noch eine Chance.

    • cicero 11. Januar 2012 at 19:29 - Reply

      Das Schicksal selbst wird es richten. Die islamische Welt saß z.B. plötzlich auf dem Trockenen, als Amerika entdeckt wurde, und der Seeweg nach Indien um Afrika.

      Preußen hat überlebt, weil in Russland überraschend die Herrscherin starb.

      Die Aufklärung hat ein mittelalterliches, monolithisches religiöses System aufweichen können.

      Vielleicht läuft es ja so: Demnächst ist Deutschland pleite, und über dem mangelnden Geld kommen viele zu Bewusstsein, dass es so nicht weitergehen kann?

      Es klingt faul, aber die Idee, dass man die Lösung aus ganz eigener Kraft erreichen müsste, ist falsch. Man muss nur bereit sein, wenn das Schicksal sich fügt. Mehr nicht.

      • Prof.Kantholz 12. Januar 2012 at 07:04 - Reply

        Die Lösung der Staatspleite Deutschlands ist zwar denkbar, aber nicht mein Favorit.

        Dann haben nämlich die politisch und medial Verantwortlichen längst ihre Koffer gepackt und schauen sich das bunte Treiben hier von ganz woanders an.

  6. Breitmeier, Adolf 12. Januar 2012 at 13:45 - Reply

    Wir ,,arbeiten” uns hier am Thema ab – und vertrauen auf das Schicksal. Ich bin 75 und das Schicksal hat noch nie was gerichtet, das habe ich erfahren. Wir müssen tatsächlich selbst etwas unternehmen – gehen wir in eine Partei wie Die Freiheit. Man kann nicht mit dem Islam verhandeln, schon gar nicht nach dem Prinzip: Wasch mir den Pelz – aber mach mich nicht nass. Ich fürchte, dass es zu einem Bürgerkrieg kommen wird – und unsere ,,Frommen” und ,,Gottergenenen” (das heißt auf Arabisch Muslime), werden als gut Organisierte (jeder Imam ist Oberbefehlshaber seiner Gemeinde) bestimmt nicht schlecht abschneiden, vielleicht sogar siegen.
    Dann haben wir Zustände wie in dem Ferienparadies Malediven – kein Kufur (Lebensunwerter) hat dort die Staatsbürgerschaft, ebenso in Saudi Arabien, kein Andersgläubiger Rechte. (Sollten wir eventuell vom Islam etwas lernen??) Der Islam kenn nur zwei Sorten von Menschen: Mohammdaner (Männer) und Ungläubige und Frauen.
    Die Zukunftsaussichten sind nicht besonders gut. Wahrscheinlich erlebe ich das nicht mehr, werde aber alles tun, um das Chaos zu verhindern.

    • cicero 12. Januar 2012 at 20:03 - Reply

      (1) Ich sagte nicht, dass man NUR auf das Schicksal vertrauen sollte.

      (2) Wenn Sie 75 sind, dann haben sie das Schicksal schon vielfach positiv zuschlagen sehen. Sie sind ja defätistisch, meine Güte …!

  7. OWL 15. Januar 2012 at 20:34 - Reply

    Bei diesem Bericht da stellen sich einem die Nackenhaare auf!Wer bei dem lesen dieses Berichtes nicht begreift was da auf uns zukommt(und das sin leider viele),dem ist nicht mehr zu helfen.
    Es wird Zeit sich zu wehren da unsere politisch coreckten Taugenichts Politiker es nicht tun,ob man nun einer Partei beitriett die sich dieses Themas angenommen hat oder einer Bürgerbewegung.

  8. Undercover0815 16. Januar 2012 at 00:48 - Reply

    Tach

    Sehr guter Artikel, wieder mal von “Frank Furter”. Ich werde den Artikel weiter empfehlen.

    Aber:
    – Adolf Hitler war kein Deutscher, sondern Österreicher.
    – man hätte im Zusammenhang mit dem Geburten-Djihad auf den Art. 79 des dt. GG. hinweisen können, welcher besagt, dass ausser den Art. 1 + 20 (sog. Verfassungskern) mit 2/3 Parlaments- + Bundesratmehrheiten alle Grund-, Menschen- + Bürgerrechte abgeändert oder sogar abgeschafft werden können. Also auch Art. 2 (Freiheit der Person), Art. 3 (Gleichberechtigung), Art. 5 (Presse- + Meinungsfreiheit) u. s. w..

    • Marco Pino 16. Januar 2012 at 01:07 - Reply

      Hi,
      danke für das Lob!

      Im Grunde haben Sie recht… wie heißt das so schön: “die berühmtesten Deutschen waren Österreicher”… ;-) Da ist was dran!

      Andererseits verstanden sich die Österreicher zu so mancher Zeit als Teil des (sich stets wandelnden) deutschen Reiches, Volkes, Kulturkreises… von kann man das so oder so sehen.

      Danke zudem für Ihre verfassungsrechtlichen Anmerkungen.

      MFG

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