Der Geschichten-Erzähler

4. Januar 2012 0

Rezension zu Walter Isaacson: Steve Jobs

Steve Jobs und Bill Gates – Bild: Joi Ito / Wikipedia

Nur wenige Wochen nach seinem Tod erscheint die einzige autorisierte Biografie des Apple-Gründers Steve Jobs. Nicht nur ein Buch für eingefleischte Apple-Fans. Auch wer als Querdenker in die Wirtschaft einsteigen will, kommt an diesem Werk nicht vorbei.

„Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen“, sagte Steve Jobs 2005 bei einer Rede vor den Absolventen der Stanford University. Er hatte gelernt, Reden am besten mit diesem Satz anzufangen. Jobs hatte die Rede am vorangegangen Abend gemeinsam mit seiner Frau geschrieben. Es sind einfache Sätze, die aber aneinandergereiht eine ungeheure Kraft freisetzen. Am Ende erzählt er den Absolventen drei Geschichten: Steve Jobs der Uniabbrecher, Steve Jobs der Visionär und Steve Jobs der an Krebs leidet und bald sterben wird. Walter Isaacson hat nun die unglaubliche Lebensgeschichte dieses Mannes auf 666 Seiten niedergeschrieben.

Dem Autor gelingt es dabei, die einzelnen Kapitel spanend aneinander zu reihen. Auf Kapitel über Steve Jobs‘ Familienleben folgt regelmäßig eines, in dem er als Unternehmenschef oder als großer Visionär von einem neuen Produkt träumt. Isaacson räumt seinen Interviewpartnern, darunter neben Steve Jobs und seiner Frau auch seinem Konkurrenten Bill Gates und Freunden viel Platz für original Ausschnitte aus den Gesprächen ein.

Gut gelingt Isaacson die Rekonstruktion von spannenden Verhandlungsgesprächen von Steve Jobs, seinen einsamen Stunden, in denen er schwierige Entscheidungen treffen musste, wie den Verkauf seiner Pixar-Filmstudios an Disney. Der Leser kann sich ganz den, teilweise eigenwilligen Verhandlungsstrategien und sogar Jobs‘ Talent, Intrigen anzustiften hingeben. Besonders diese Ausführungen sind dem Autor gelungen. Sie erzählen von Jobs‘ zwanghaften Verhalten, alles kontrollieren zu müssen, so sollten selbst die Grauschattierungen der Toilettenschilder in den ersten Apple-Stores nicht dem Zufall überlassen werden.

Eher langweilig muten die Darstellung der Gespräche zwischen Jobs und Isaacson an. Wenn er sich beispielsweise über den Inhalt von Jobs‘ iPods auslässt oder seine Zuneigung zu den Beatles und Bob Dylan erläutert. Als die zähen Verhandlungen mit der Produktionsfirma der Beatles dargestellt werden, um deren Platten im iTunes-Store anzubieten, wird es dann doch nochmal spannend. Wie hat es Steve Jobs geschafft? Die Frage bleibt am Ende offen; der Leser wird mit dem bereits Bekanntem zurückgelassen: Letztlich ist es ihm gelungen.

Jobs‘ Charakter wird an einigen, immer wiederkehrenden Schlüsselerlebnissen dargestellt. Da sind seine kurzzeitigen Wutausbrüche, das Denkschema „Das ist Mist“ oder „Das ist großartig“ sowie die Neigung dazu, fremde Ideen, die er als Mist bezeichnete, kurze Zeit später als seine eigenen darzustellen und sich zu etwas Großartigem zu erklären. Kritisch setzt sich Isaacson mit den Ursachen dieses Verhaltens auseinander, die weit zurück in die Kindheit des kleinen Steve Jobs reichen. Schon sein Adoptions-Vater hatte ihm das Gefühl gegeben, eigentlich etwas Besonderes zu sein und machte den jungen Steven Paul in der heimischen Garage schon früh auf ästhetische Details aufmerksam.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Übersetzung des Bertelsmann Verlags ins Deutsche. Irgendwie ist bei der Übertragung die Leidenschaft des Autors auf der Strecke geblieben, weshalb dem des Englischen mächtigen Leser die – auch günstigere – US-Ausgabe zu empfehlen ist.

Walter Isaacson (2011): Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers. Gütersloh: Bertelsmann, 666 Seiten, 24,99 Euro. Kaufen bei Amazon.

Englisches Original: Steve Jobs: A Biography, Simon & Schuster, 16,95 Euro. Kaufen bei Amazon.

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