Freie Wähler als Vorbild?

23. Dezember 2011 6

Ansichten und Einblicke aus Berlin: Die Zerstrittenheit der islamkritischen Szene

Taugen die Freien Wähler als Vorbild für die Vernetzung der islamkritischen Szene?

Andre Freudenberg hat hier vor einigen Tagen die Herausforderungen für die Gründung einer freiheitlich-konservativen Partei beschrieben. Aus meiner praktischen Erfahrung der letzten anderthalb Jahre kann ich hinzufügen, dass eines der grundsätzlichen Probleme für eine im weitesten Sinne islamkritische Partei in Deutschland die Zerstrittenheit der islamkritischen Szene selbst ist.

Vor einiger Zeit versuchte ich mit dem Ansatz der sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse diese Szene als Bürgerliche Islamkritik im Diskursfeld Islam zu erfassen. Probleme stellten sich dabei vor allem bei der Definition von Zugehörigkeit bzw. Organisation und Institution. So können meiner Meinung nach z.B. auch Webseiten wie PI-News und ihre Leser bzw. Kommentatoren eine Art virtueller Organisation darstellen. Aber wann ist beispielsweise ein Henryk M. Broder ein zivilgesellschaftlicher (privater) Islamkritiker und wann äußert er sich (professionell) als Journalist?

In dieser Zugehörigkeitsproblematik liegt eine herausragende Ursache für das häufige Scheitern von Parteien, die sich kritisch mit dem Islam bzw. der gesamten Integrationsproblematik auseinandersetzen – sprich jenen, die gerne als rechtspopulistisch beschimpft werden. Denn Kritik am Islam wird aus den verschiedensten Motivationen heraus betrieben, ob dies nun eine Verteidigung des eigenen Glaubens (respektive des Christentums) ist, die atheistische oder sozialistische Überzeugung, dass Religion Schwachsinn ist oder die Verteidigung unserer liberalen Demokratie gegen ideologische, zerstörerische Einflüsse. Ebenso unterschiedlich stellen sich auch die Mittel der Islamkritiker zur Erreichung ihres Zwecks dar. So ist es für einige nicht einmal ein Problem, den Rechtsstaat und die freiheitliche Grundordnung gleich mit zu opfern, wenn man nur ja den Islam los wird.

Wer nun versucht, alle jene unterschiedlichen Islamkritiker in eine Organisation (Partei) unter einen Hut zu bringen, muss sich mit all jenen Zielen und Mitteln zur Erreichung dieser auseinandersetzen. Liegt im Gründungsteam nach innen eine sehr hohe Übereinstimmung und nach außen eine noch klarere Kommunikation der Ziele vor, könnte das funktionieren. Denn dann würden nur diejenigen dazu stoßen, die dies mittragen wollen. Schon aber die Kommunikation durch Dritte, beispielsweise Medien, weicht diese Vermittlung wieder auf.

Im schlimmsten Fall kann dies sogar dazu führen, dass die islamkritische Szene noch mehr gespalten wird, wenn Befürworter und Gegner des Parteienprojektes sich quer durch die Lager entzweien. Denn der angebliche Populismusexperte Florian Hartleb hat in seinem Interview bei der Berliner Zeitung durchaus Recht, wenn er sagt, dass eine charismatische Führerfigur fehlt, die eine solche Szene in Deutschland personell vereint. Die meisten dafür infrage kommenden, etwa Thilo Sarrazin, dürften relativ klar wissen, dass sie ohne Parteigründung viel mehr Erfolg und Einfluss haben, zumal ein Modell wie das von Geert Wilders als einzigem Mitglied seiner Partei in hierzulande nicht möglich ist.

Die Konsequenz daraus kann heißen, die islamkritische Szene nicht in einer Partei zu vereinen, sondern sie nur derart zu vernetzen, dass jeder – bildlich gesprochen – seine eigene (politische) Bühne behält, man aber in entscheidenden Momenten zusammenarbeitet. Die Freien Wähler könnten dafür durchaus Vorbild sein, auch wenn sie sich noch nicht als bundesweite Organisation etablieren konnten. Für diese Vernetzung müssten freilich noch Formen gefunden werden.

6 Comments »

  1. schwobaseggl 26. Dezember 2011 at 23:56 - Reply

    Meiner Meinung nach, und das wird auch in diesem Artikel überdeutlich, liegt das Problem einzig und allein an einem Punkt.

    Es ist überhaupt nicht ein zu sehen wieso sich eine wertkonservative liberale neue Partei, die für die Bürger in Deutschland da sein soll, zuerst (und dann kommt lange nichts) über Islamkritik definiert.
    Eine solche Partei braucht vielmehr Punkte in ihrem Programm als nur Islamkritik. Auch kann sich die Kritik nicht auf eine Religion beschränken.

    Denn wenn wir alle ehrlich zueinander sind haben wir unsere heutige freie Gesellschaft den tapferen Frauen und Männern der Aufklärung zu verdanken, die sich vor allem gegen die katholische Kirche durch zu setzen hatten.

    Fakt ist außerdem dass direkte Demokratie und Euro-Kritik ohne das friedliche Europa in frage zu stellen derzeit viel wichtiger bei den Bürgern sind.

    Viele Grüße aus dem Bundesland der Dichter und Denker.

  2. Sebastian 1. Januar 2012 at 11:41 - Reply

    Vielleicht solltet Ihr einfach mal anfangen Politik zu machen , anstatt immer seitenlange INFOS zu schreiben!

  3. Darko 7. Januar 2012 at 00:08 - Reply

    Toller Beitrag.Ich habe ein paar tolle Denkanstoesse gekriegt. Warte auf weitere Beiträge.

  4. francomacorisano 12. Februar 2012 at 14:26 - Reply

    Na, dann können Pino und Strüning dort ja eine neue politische Heimat finden………….

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