Sind wir nicht alle Rassisten?

6. Dezember 2011 0

Satire: Die Politik geht vor die Hunde

Keine reine Rasse: ein Husky-Schäferhund-Mischling (Bild: RaveDog; Quelle: Wikipedia)

Wir sind alle Rassisten!

Ich war gestern mal wieder mit meiner portugiesischen Querbeethündin auf einer Rassehundeausstellung. Tolle Tiere, ein Hund schöner als der andere. Aber was die Züchter so geredet haben – da wurde dem kleinen Gutmenschen in mir so richtig schlecht. Von wegen: Diese Rasse ist pflegeleichter als die andere, die andere Rasse ist mehr was für Jäger, eine weitere Rasse ist tierisch im Kommen, die nächste Rasse dagegen kurz vor dem Aussterben.

Rassisten im Rausch, eindeutig.

In der U-Bahn, auf dem Nachhauseweg ging das dann gleich weiter. Zwei leicht angetrunkene Herren erzählten sich gegenseitig Witze. Der eine Ostfriesenwitze, der andere Blondinenwitzen. Gelacht hat keiner. Im Gegenteil, nach dem elften schlechten Witz stand eine junge Frau auf, und fing an, die Herren zu beschimpfen: „Diese Witze sind zutiefst rassistisch, man kann doch nicht einfach Menschen, die flach leben für dumm verkaufen und Frauen auf Grund ihrer Haartönung der Lächerlichkeit preis geben.“

Die Herren ließen sich nicht beirren und quatschten weiter: „Treffen sich ein Ostfriese und eine Blondine an der Uni…“

Doch das war erst der Anfang. An der nächsten Station stieg ein bärtiger, mittelaltiger Typ dazu, Marke „Hippie reloaded“, Kopfhörer auf und hinter ihm direkt im Tanzschritt ein homosexuelles Pärchen. Der Bärtige setzte sich auf den Boden und fing an, seine verfilzte Mähne zu schütteln und zu singen:

„Männer kaufen Frauen, Männer stehn ständig unter Strom, Männer baggern wie blöde, Männer lügen am Telefon“.

Herbert Grönemeyer. Fürchterlich. Das fanden auch die beiden Homos: „Was soll denn das geschlechtsrassistische Gejammer?, keifte der eine. „Was ist das denn für schreckliche Musik? Ihr bekloppten Heteros seid doch alle so was von spießig!“, quiekte der andere. Da riss der Bärtige seine Kopfhörer aus den Lauschern und bellte zurück: „Was heißt hier eigentlich Ihr bekloppten Heteros? Das ist sexualrassistisch!“

Die drei Bauarbeiter hinten in der Ecke, die bis jetzt mit sich und ihren Bierflaschen beschäftigt waren, mischten nun ebenfalls lauthals mit: „Ihr Schwuchteln habt doch alle einen Sockenschuss!“, sagte der eine. „Ihr Hippies seid doch alle zurückgeblieben“, pöbelte der andere. „Ich trage keine Socken, ich trage nur Netzstrümpfe“, weinte der eine Süße. „Das ist Kleidungsrassismus“, blökte der andere Homo. „Das ist Haarschnittsassismus“, behauptete der Hippie und schwang drohend seinen Kopfhörer durch die dicke Luft im Abteil.

Das war heute wirklich nicht mein Glückstag. Links neben mir zankten sich jetzt ebenfalls zwei Herren, währen zwischen ihnen eine Bockwurst und eine Karotte gemeinsam über den Boden trudelten. „Ihr Fleischfresser seid doch alles Mörder“, meckerte der eine. „Na und, ihr bröseligen Vegetarier seid dafür alle hautkrank“, höhnte der andere. „Und ihr beiden seid Ernährungsrassisten“, mischte sich zum wiederholten Male der Hippie ein.

Auch hinter mir gab es Geschrei. Eine Mutter hatte ihrem Jungen einen Comic aus der Hand gerissen und knüllte ihn in ihre Einkaufstasche. Der Kleine brüllte wie am Spieß, die Mutter dagegen – ich schätze mal pädagogisch, psychologisch gut geschult – blieb ruhig und sanft:

„Wie oft soll ich Dir denn noch sagen, dass Asterix und Obelix nichts für Dich sind. Ich versuche Dir nun schon seit Deiner Geburt beizubringen, dass alle Menschen, die zu uns kommen, gute Menschen sind und wir sie mit offenen Armen empfangen müssen. Aber was machst Du? Du ließt Du diesen Schund, wo wir doch alle wissen, dass Asterix und Obelix ganz schlimme Rassisten waren, die ständig diese armen italienischen Einwanderer aus ihrem Dorf geprügelt haben.“

Darauf konnte der Knabe nichts erwidern, also weinte er einfach weiter.

Als dann zwei Stationen später Ihab, mein libanesischer Freund, einstieg, war dann alles vorbei. Wie immer, wenn er mich sieht, versuchte er mich zu ärgern. Dieses Mal passte es. Er riss seine Arme in die Höhe und brüllte so laut, dass es auch noch auf der Endstation der Linie U7 zu hören war: „Ey, Alter, haste das Spiel gestern gesehen? Ihr Deutschen seid doch alle so was von scheiße, ihr kriegt ja nicht mal den Ball rein, wenn ihr alleine vor dem Tor steht!“

Jetzt aber ganz schnell raus aus der U-Bahn!

 

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