Immer drauf auf Kristina Schröder

1. Dezember 2011 0

Stefan Behrendt: Das Hassobjekt der Schotterer

Familienministerin Kristina Schröder (Bild: Kristina Köhler; Quelle: Wikipedia)

Es ist etwas faul im Staate Deutschland: durch immer neue Enthüllungen zur rechtsextremestischen Terrorwelle des Zwickauer Trios wird deutlich, dass aufgrund von beispiellosen Versäumnissen insbesondere der thüringischen Behörden (Verfassungsschutz, Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft) sowie des niedersächsischen Verfassungsschutzes eine schreckliche Mordserie über Jahre hinweg fortgeführt werden konnte.

Jedenfalls im Hinblick auf die Ermittlungsfehler sowie Versäumnisse innerhalb der jeweiligen Zuständigkeiten wird aktuell noch geprüft, was man hätte besser machen können, wie zukünftig länderübergreifende Fahndungen optimiert werden können und ob sich möglicherweise zukünftig das Bundeskriminalamt schneller in derartige Ermittlungen einschalten können soll.

Das alles ist sicherlich in höchstem Maße erschütternd, traurig und beschämend.

Skandalös jedoch im Zusammenhang mit der Braunen Armee Fraktion ist jedoch Cem Özdemirs unsägliche Äußerungen bei Günther Jauch: “Ich denke da an ein Buch von einem ganz bekannten Buchautor…”, um dann den Zusammenhang zu Zwickau zu konstruieren: “[das Buch, dass] dazu beiträgt, dass mancher Jugendliche dann glaubt: Ich tu, was andere nur sagen”. Ein wohlfeiler wie bösartiger (gescheiterter) Versuch, Thilo Sarrazin eine Mitschuld für die schrecklichen Morde in die Schuhe zu schieben. Einen Aufschrei in den Medien gab es dafür nicht. Der hochanständige Özdemir, der sich gerne Geld von Lobbyisten leihen lässt und Nutznießer von dienstlichen Bonusmeilen für Privatflüge für sich und seine Freundin war zeigte hier erneut, wessen Geistes Kind er ist. Ein gefährlicher Demagoge, der – nicht zum ersten Mal – die Grenzen des Anstands überschritt. Doch Özdemir ist klug genug zu wissen, dass die Taten des Zwickauer Trios lange vor der Veröffentlichung des “nicht hilfreichen” (Bundeskanzlerin Merkel) Sarrazin-Buchs stattfanen. Aber man kann es ja mal versuchen, und sicherlich nicht wenige, die während dem Schottern vor Gorleben oder der “Mahnwache” vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof mit ihren Blackberrys und Iphones Ihren Twitter- und Facebook-Account gecheckt haben werden sich wohl gedacht haben: “Ja. Der Cem erkennt eben die großen Zusammenhänge und traut sich, es auszusprechen”. Um dann wieder die Mobiltelefone und Smartphones in der Jutetasche verschwinden zu lassen und gegen “das System” weiterzukämpfen.

Bei der parlamentarischen Schunkel-Runde mit der gemeinsamen Erklärung der fünf Fraktionen war jedenfalls interessant zu sehen, dass auch die Linksfraktion dabei war, ist man doch grundsätzlich gegen den Staat, Kapitalismus, Gesellschaftsordnung und bleibt z.B. wenn der israelische Staatspräsident eine Rede im Hohen Haus hält gerne sitzen um die Mißbilligung dieser kriegerischen Juden zu demonstrieren. Aber hier steht man dann gemeinsam, denn es geht ja schließlich gegen “Rechts”.

In den Mittelpunkt der zunehmend unsachlich ausufernden öffentlichen Debatte geriet dann – zunächst in der Bundestagsdebatte – Familienministerin Schröder: Sogar in besagter Debatte wurde ihr tatsächlich von Grünen Schotterern vorgeworfen, Geld gegen Rechts kürzen zu wollen. Nichts könnte weiter entfernt von der Wahrheit sein, wird doch von der überaus engagierten Ministerin nur eine Unterschrift unter die Extremismus-Klausel der bezuschussten Trägervereine gefordert, eine Unterschrift mit der einzig und allein bestätigt wird, für die demokratische Grundordnung einzustehen; dies lässt die irrlichternde SZ daraufhin die verleumderische These aufstellen, die Ministerin erschwere den Kampf gegen Rechts. Wie denn genau der Kampf gegen Rechts durch das Schrödersche Bestehen auf ein Bekenntnis zur demokratischen Grundordnung erschwert wird bleibt allerdings ein Geheimnis der Süddeutschen. Glücklicherweise bleibt die Ministerin standhaft und die Extremismusklausel bestehen.

Die nächste Volte kam dann am 30.11., wieder von der Süddeutschen, aufgemacht wird mit der Aussage, die Ministerin sei “islamophob”, da sie einen Aufsatz zum Thema “Zwangsverheiratungen in Deutschland” geschrieben hatte, basierend auf einer Studie des Ministeriums, der den arglosen Leser mit islamophoben Halbwahrheiten durcheinanderbringe. Zum Beispiel, dass es in Deutschland im Jahr 2008 über 3.000 Fälle von Zwangsheiraten gab und über 80 Prozent der Fälle aus islamischen Familien kommen. Laut wissenschaftlichem Beirat darf jedoch die Religionszugehörigkeit nicht erwähnt werden, um ja nicht – eben! – islamophobes Gedankengut zu produzieren.

Bei der SZ heisst es dazu: “Religion und Zwangsehe bildeten lediglich eine „Scheinkorrelation“ ab. Das wäre so, als würde jemand behaupten, der christliche Glaube legitimiere den sexuellen Missbrauch an Kindern, weil es in kirchlichen Kreisen zu einer Häufung von Fällen gekommen sei.”

Sicherlich. Es ist dem geneigten Leser natürlich vollkommen nachvollziehbar dass diese „Scheinkorrelation“ verhindert, festzustellen dass natürlich im Regelfall Zwangsverheiratungen (-ehen) in russisch-orthodoxen Familien, innerhalb der jüdischen Community oder in der urkatholischen Landbevölkerung um Garmisch-Partenkirchen und Miesbach vorkommen und nur ganz ausnahmsweise Muslime an dieser zumindest kulturethnologisch nicht ganz unnachvollziehbaren Unart (kulturelle Vielfalt!!) teilnehmen.

Text: Stefan Behrendt

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