Sorgen vor „Mega-Inflation“

29. November 2011 0

Ökonom Lüder Gerken warnt vor Inflationsrate um zehn Prozent

Bald noch wertloser? Der Euro.

Kein Tag vergeht ohne neue Schreckensmeldungen rund um Schuldenkrise und Währungsunion. Nach wie vor geistern Euro- und/oder Elite-Bonds durch die Gazetten, Frankreichs Bonität steht zunehmend unter Druck und deutsche Banken haben weniger Geld für Kredite.

Nur mit der Notenpresse finanziert

Mit einer weiteren Schreckensmeldung ging Wirtschaftsexperte Lüder Gerken nun laut Welt-Online an die Öffentlichkeit. Der Vorsitzende des Freiburger Centrums für Europäische Politik erwartet in Folge der Eurokrise eine Inflationsrate um die zehn Prozent. Die meisten Regierungen in der Euro-Zone und die Europäische Zentralbank (EZB) würden eine solche Inflationsrate in Kauf nehmen „in der Hoffnung, dass die Deutschen dabei nicht allzu sehr aufmucken“.

Die Annahme einer starken Geldentwertung ist nicht abwegig, sondern vielmehr logisch, da die gegenwärtige Rettung angeschlagener Eurostaaten im Grunde nur mit der Notenpresse finanziert wird. Denn die strukturellen Probleme dieser Länder sind nach wie vor ungelöst und werden im Zuge der aktuellen Abkühlung der Märkte eher noch größer. Wenn die Geldmenge massiv ausgeweitet wird, während die Wirtschaftsleistung stagniert oder gar rückläufig ist, kann dies nur Inflation bedeuten. Die Frage ist also weniger, ob es eine solche gibt, als vielmehr, wie hoch sie ausfallen wird.

Tatsächliche Inflationsrate wesentlich höher

Seit Einführung des Euro betrug die Inflationsrate durchschnittlich zirka zwei bis drei Prozent pro Jahr. Viele Ökonomen vermuten jedoch eine falsche Bemussunsgrundlage hinter diesem Wert. In Fachkreisen gilt es als sicher, dass die tatsächliche Inflationsrate wesentlich höher war, ersichtlich auch am gefühlten Kaufkraftverlust der Bürger seit Einführung der Einheitswährung.

Sollten die Folgen der Krise, insbesondere die Euro-Rettungsschirme, wie derzeit absehbar über Inflation finanziert werden, käme dies faktisch einer versteckten Steuer gleich, die für alle Bürger in der Eurozone einen weiteren Kaufkraft- und damit Wohlstandsverlust bedeuten würde. Aus politischer Sicht war und ist dies jedoch ein beliebtes Mittel, um ohne viel Aufsehen eine heimliche Abgabe einzuführen, die keiner Abstimmung in Parlamenten bedarf.

Kritisch zu Euro- und Elite-Bonds

Lüder Gerken äußerte sich derweil auch kritisch zu der Möglichkeit einer gemeinsamen Anleihe aller Euro-Länder, der so genannten Euro-Bonds: „Damit würden die Anreize in den hilfsbedürftigen Staaten deutlich gesenkt, sich zu reformieren und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstrukturen aufzubauen.“

Auch von den jüngst diskutierten Elite-Bonds hält Gerken demnach nicht all zu viel: „Es bestünde die Gefahr, dass sie doch auf hilfsbedürftige Staaten ausgedehnt würden.“ Die Frage sei nämlich, welchen Nutzen gemeinsame Anleihen wirtschaftlich starker Euro-Staaten hätten, „wenn nicht den, marode Euro-Staaten zu stützen“.

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