Rechenschaft für jeden Tropfen Blut

29. November 2011 2

Ordnung muss sein: Türkischer Außenminister nennt acht in Deutschland getötete Türken Märtyrer

Wahlplakat der türkischen AKP: Recep Tayyip Erdogan – der große Macker? (Bild. Ekim Caglar; Quelle: Wikipedia)

Ist es das Recht eines Außenministers und ein Zeichen humaner Solidarität, für „jeden Tropfen Blut“ Rechenschaft von einem anderen Staat zu fordern und den Opfern schrecklicher Verbrechen als „Märtyrer“ zu huldigen?

Wohl kaum. Denn es ist nicht die Aufgabe eines anderen Staates, sich in die inneren Angelegenheiten anderer souveräner Staaten einzumischen. Nichts anderes macht aber die türkische Regierung schon seit Jahren. Ministerpräsident Erdogan bezeichnete in der Vergangenheit Assimilation als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die aus der Türkei stammenden Deutschen sollten niemals vergessen, woher sie kämen und sich ihrer kulturellen Identität immer bewusst bleiben. Sprachtests nannte Erdogan eine Menschenrechtsverletzung, weil sich eine aus der Türkei stammende Braut und ihr in Deutschland aufgewachsener Türke auch auf Türkisch das Ja-Wort geben könnten. Als vor wenigen Jahren in Ludwigshafen ein von Türken bewohntes Haus abbrannte, durfte die Türkei sogar eine eigene Untersuchungsgruppe entsenden, um in einem fremden Staat zum Tod ihrer Staatsbürger zu ermitteln.

Sich in die gesellschaftlichen Probleme eines anderen Staates einzumischen, scheint eine türkische Krankheit zu sein. Auch seinen regionalen Machteinfluss versucht die Türkei immer weiter auszubauen: An Syriens Präsident Assad appellierte Erdogan in der vergangenen Woche noch, er solle endlich den Weg für Neuwahlen frei machen. Solch Worte waren bisher nur von US-Präsidenten zu hören, die sich dies auch militärisch und geostrategisch leisten können.

Der türkische Ministerpräsident sollte erst einmal die zypriotischen Häfen frei machen, Frauen und Männern dieselben Rechte zugestehen und auch den Kurden ihre Sprache lassen und sie endlich als Minderheit in seinem Staat anerkennen. Selbst dann hätte er aber noch immer nicht das Recht, sich in die Angelegenheiten anderer souveräner Staaten einzumischen.

In Timbuktu sind vergangene Woche drei Menschen erschossen worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes war ein Deutscher darunter. Dennoch hat keiner den bisher Unbekannten zum Märtyrer erklärt oder Rechenschaft von der Regierung in Timbuktu für jeden vergossenen Tropfen Blut verlangt. Man hätte das auch Außenminister Westerwelle niemals abgenommen, wenn er solches fordern würde. Stattdessen bleibt die Bundesregierung gelassen: Man müsse die Ermittlungen in Timbuktu abwarten.

Ja, es ist ein Zeichen der Solidarität, seine Betroffenheit auszudrücken, aber dann sollte man auch das notwendige Vertrauen in die hiesigen Ermittlungsbehörden haben, dass diese den Fall restlos aufklären werden. Erdogan und sein Außenminister verfolgen aber nebenbei noch ein ganz anderes großes Ziel: Die Forderungen sind schlichtweg Wahlkampf in der Heimat.

2 Comments »

  1. Willi 5. Dezember 2011 at 18:41 - Reply

    Erdogan ist ein wegen Volksverhetzung vorbestrafter islamistischer Despot. Das er und sein Außenminister so unverschämt auftreten, ist letztlich unseren Politikern geschuldet. Wer sich so kriescherisch wie unsere dekadente Elite aufführt, die Geschichte verfälscht und den Türken für ihre Wiederaufbauhilfe nach dem Krieg dankt, muss mit solchen Unverschämtheiten rechnen. In Zwanzig Jahren werden sich die Deutschen Politikschranzen gegen alle Wirklichkeit bei den Türken für das Geschenk der Wiedervereinigung bedanken. Begründung: nur weil in Westberlin soviele Türken lebten, hatten die Ostdeutschen den Mut zur Rebellion. Gibt es eigentlich eine Statitik die Auskunft darüber gibt, wieviele Deutsche von krimminellen Türken umgebracht wurden? Lasst Euch von den Genozid Leugnern nicht irritieren. Das Erdogan nicht nur unverschämt, sondern auch dumm ist, zeigt seine Verwendung des Begriffes Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dieser Begriff wurde erstmalig vom damaligen Vökerbund für die Verbrechen der Türken an den Armeniern verwendet.

  2. Breitmeier, Adolf 7. Dezember 2011 at 20:10 - Reply

    Erdogan ist nicht dumm, ich halte ihn für einen der schlausten Politiker. Sicher, er ist vorbestraft, weil er – als er noch keine Macht hatte – die Wahrheit über den Islam sagte (…die Moscheen sind unsere Kasernen…). Er hat diesen Fehler nie mehr wiederholt. Er gibt sich weltmännisch moderat, verfolgt anber seine Ziele und die Ziele des Islams mit bewundernswerter Beharrlichkeit, Ausdauer und vernichtender Konsequens (keine Kirchen in der Türkei, keine Priesterausbildung, kein Einlenken im Zypernkonflikt, das Land ist erobert und bleibt besetzt, aber er hetzt gegen Israel). Man sollte Erdogan und seine islamische (islamistisch gibt es nicht!!) Bewegung nicht unterschätzen.

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