Muslimbrüder auf der Zielgeraden

28. November 2011 Kommentare deaktiviert für Muslimbrüder auf der Zielgeraden

Agypten: islamistische Partei will Scharia einführen

Bick auf Ägyptens Hauptstadt Kairo

Auf Spiegel-Online ist ein wohlwollender, beinahe verharmlosender Artikel über die Muslimbrüder erschienen. Leicht abwertend wird dort suggeriert, die Organisation, die als haushoher Favorit für die Wahlen in Ägypten gehandelt wird, wüsste im Grunde selbst nicht, was sie will.

„Die Scharia muss die Grundlage für alles sein“

Dass die Muslimbrüder sehr wohl wissen, was sie wollen, lässt sich jedoch aus den Wortbeiträgen ihrer MItglieder und Unterstützer ablesen. Beispielsweise der Hinweis von Mahmud Ali, einem 42-jährigen Imam, der voller Vorfreude dem „schönsten Tag seines Lebens“ entgegen sieht: „Dem Tag, an dem wir in Ägypten die Scharia einführen werden.“

Gegenüber Spiegel-Online erteilt Muslimbrüder-Sprecher Mahmud Ghoslan selbst dem „türkischen Modell“, also einer westlich angehauchten Gesellschaftsform mit relativ moderaten islamischen Zügen, eine klare Absage: „Nein, wir wollen nicht das türkische Modell“. In der Türkei dürften Frauen keine Kopftücher zur Uni tragen, es gäbe Ehebruch und Homosexualität. „Das wird es in Ägypten mit uns nicht geben. Ägypten ist ein islamisches Land. Die Scharia, die islamische Rechtsordnung, muss die Grundlage für alles sein“, so Ghoslan.

Viele Ägypter kennen gar keine andere Partei

Das lässt nichts Gutes für die weitere Entwicklung in Ägypten hoffen. Derzeit gehen alle Beobachter davon aus, dass die Muslimbrüder die Wahl gewinnen werden. Die Prognosen reichen von 30 Prozent bis über 50 Prozent der Wählerstimmen. Viele Ägypter kennen gar keine andere Partei und haben die Muslimbrüder bis dato nur als Wohltätigkeitsorganisation kennen gelernt.

Sollte die Partei der Muslimbrüber, deren Name absurderweise „Freiheit und Gerechtigkeit“ lautet, mehr als die Häfte der Stimmen erlangen, will sie sich freiwillig auf die Häfte der Sitze im Parlament beschränken. So soll verhindert werden, dass im Westen die Sorge vor einem islamischen Gottestaat am Nil wächst – heißt es offiziell. In Wahrheit dürfte es eher ein geschickter Schachzug sein, dass die Muslimbrüder ihre Verantwortung für die politische Arbeit der nächsten Jahre selbst begrenzen.

Die Rückkehr zu einer archaischen Gesellschaftsform

Ägypten steht vor großen wirtschaftlichen Problemen, die zu lösen nicht einfach werden wird. Die Scharia jedenfalls gibt auf die Probleme des Landes keine Antwort und dürfte eher die Rückkehr zu einer längst überstanden geglaubten, archaischen Gesellschaftsform bedeuten.

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