Landauf, Landab, Land unter!

23. November 2011 3

Frank-Furter Schnauze: Der Teufel und der Beelzebub

Wahlplakat der türkischen AKP: wie "rechts" ist eigentlich Recep Tayyip Erdogan? (Bild. Ekim Caglar; Quelle: Wikipedia)

Noch vor kurzem schien es so, als hätte die Debatte um die Dönermorde ihren heuchlerischen Höhepunkt in den Wortbeiträgen von Gesine Lötzsch und Aiman Mazyek erreicht. Doch gestern traten gleich mehrere Akteure auf aller höchster Ebene an, um vorzuführen, dass es tatsächlich noch dümmer geht.

Denn als ausgesprochene Dummheit ist es wohl zu werten, dass sich die CDU angesichts der fraglos verachtenswerten Taten dreier fraglos verachtenswerter Gestalten dazu genötigt sah, mit der ebenfalls fraglos verachtenswerten Linkspartei im Bundestag gemeinsame Sache zu machen. Einmal mehr wird überdeutlich, dass man in Deutschland selbst in höchsten Kreisen nicht begriffen hat (oder krampfhaft ignoriert), wie nah sich linke und rechte Extremisten im Geiste sind (von islamischen Extremisten ganz zu schweigen).

Die in der DDR aufgewachsene jüdische Autorin Freya Klier hat sich die historische Heuchelei der SED-Erben jüngst in einem genauso ausführlichen wie lesenswerten Essay auf Welt-Online zur Brust genommen. In deren sozialistischer Diktatur ostdeutscher Prägung waren Fremdenfeindlichkeit und Rassismus nämlich keine Erscheinungen am gesellschaftlichen Rande, sondern bisweilen sogar Staatsdoktrin. Alleine der folgende Absatz beschreibt hinreichend, wie die Partei „Die Linke“ zu DDR-Zeiten mit „Fidschis und Mozis“ (Vietnamesen und Mosambikanern) umzugehen pflegte:

„Fidschis und Mozis“ aber waren in abgesonderten Wohntrakts untergebracht, die offiziellen Gaststätten waren ihnen verwehrt. Sie durften die Stadt nicht ohne Genehmigung verlassen, mussten in den Betrieben niedere Arbeiten verrichten und sollten gar nicht erst Deutsch lernen. Vor allem – und das lässt jeden Rechtsradikalen noch immer jubeln – standen ihre Frauen unter Abtreibungszwang. Gibt es ein rechtsradikaleres Programm? Die, die solches praktizierten, spielen heute Die Linke. Und schoben schon kurz nach dem Mauerfall dem Westen ihre eigenen praktizierten Miesheiten in die Schuhe.

Nicht zufällig brach die Unkultur der „Neonazis“ prompt nach dem Mauerfall in Deutschlands Osten so richtig aus (oder gab es sie dort schon zuvor, nur durfte niemand darüber berichten?). Was ist also davon zu halten, wenn nun die Erben der SED im Bundestag scheinheilig eine Erklärung mit-unterzeichnen, in der es heißt: „Wir stehen ein für ein Deutschland, in dem alle ohne Angst verschieden sein können und sich sicher fühlen – ein Land, in dem Freiheit und Respekt, Vielfalt und Weltoffenheit lebendig sind.“ Und hätten sie nicht zumindest hinzufügen sollen, dass das mit der Freiheit, dem Respekt, der Vielfalt und der Weltoffenheit freilich nicht für „Rechtspopulisten“ und „Islamkritiker“ gilt?

Und was ist von einer CDU zu halten, die sich einmal mehr von einer hetzerischen linken Medienzunft dazu hinreissen lässt, mit dem politischen Teufel zu paktieren?

Ein anderer politischer Teufel ist der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Und auch der meldete sich – wen wunderts? – zum „neuen deutschen Rechtsterrorismus“ zu Wort. Ebenfalls auf Welt-Online ist zu lesen, dass Erdogan den Deutschen empfiehlt, sich bei der Aufarbeitung des „Rechts-Terrors“ an der Türkei ein Beispiel zu nehmen. Sein Länd wäre nämlich erfolgreich gegen illegale „Organisationen innerhalb des Staates“ vorgegangen.

Was meint Erdogan nur damit? Soll die Bundesregierung eine staatliche Religionsbehörde gründen, die sicherstellt, dass das Christentum in Deutschland allmächtig ist und andere Religionsgruppen stetig unterdrückt werden? Soll Kanzlerin Merkel höchst persönlich die halbe Bundeswehrführung inhaftieren und schleichend alle mächtigen Organe des Landes unterwandern? Oder soll die deutsche Luftwaffe etwa ostdeutsche Dörfer bombardieren, so wie es die türkische Armee bei der Bekämpfung der PKK im Osten der Türkei immer wieder tut?

Und überhaupt: was ist von den Ratschlägen eines türkischen Ministerpräsidenten zu halten, der einst sinngemäß sagte, es gäbe keinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus. Und: „Islam ist Islam. Und damit hat es sich.“

Islamismus? War das nicht jene Form politischer Verblendung, die schlimmstenfalls Menschen mit Flugzeugen in Wolkenkratzer fliegen lässt?

Da ist derzeit freilich keine Rede von. Stattdessen knallen in den Antifa-Zentralen der Republik die Sektkorken: das Mördertrio „Uwe, Uwe und Beate“ dürfte den Verfassungsfeinden in linksextremen Organisationen nämlich schon bald einen noch größeren Batzen Geld in die Kassen spülen.

Und das braucht es dringend, im so genannten „Kampf gegen Rechts“. Dass dieser nur all zu oft auch ein Kampf gegen die Demokratie ist, weil in linken Kreisen gar nicht mehr zwischen Mitte, Mitte-rechts, rechts, rechtspopulistisch, rechtsextrem und rechtsradikal unterschieden wird, ist nebensächlich. „Böse“ ist heuer schließlich alles, was nicht links ist. Nachzulesen in unendlich vielen Massenmedien landauf, landab.

Für politische Werte und Moral heißt es damit: „Land unter!“ Denn wenn es das Ergebnis der rechtsextremistisch motivierten Dönermorde ist, dass links- und islamisch-motivierte Extremisten davon profitieren, dann wird der Teufel einmal mehr mit dem Beelzebub ausgetrieben. Und das lässt für die Zukunft der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in diesem Land wahrlich nichts Gutes hoffen.

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3 Comments »

  1. Horst Steininger 23. November 2011 at 17:19 - Reply

    Ein Erdogan, der den Völkermord der Armenier leugnet ist für mich der größten Heuchler weit und breit.So ein Mensch hat für mich jegliche Achtung verloren.
    Diese haarsträubende und verlogene Aufarbeitung der Morde ist ja nochmal eine Steigerung zum Fall Kirsten Heisig.
    Kirsten Heisig wird für mich immer in meinen Gedanken sein, wenn ich an Gerechtigkeit denke.
    Wie weit ist die Gerechtigkeit inzwischen von den Menschen entfernt.Es wird in der Politik nur noch gelogen und betrogen und was kommt noch ?

  2. tk356super 24. November 2011 at 12:32 - Reply

    Diese ganze Rot-Grüne Heuchelei ist nicht zum aushalten.
    Man bedenke dass bis auf den letzten Mord 2006, alle Taten z.Z. der Rot-Grünen Schröder Regierung passierten.
    Aber jetzt den Bundes-Friedrich als Unfähig zum Rücktritt auffordern.
    Wie heißt so was? Genau. Haltet den Dieb.
    Warum wurde für die Opfer von 9/11 keine „“Bundestrauer“ angeregt?
    Schließlich sind die Terroristen hier in Deutschland überwiegen heimisch gewesen,
    und habe sich hier zum Terror verabredet.
    Aber wie gehabt. Der Islam Terror ist die Tat „einiger alleinstehender Verrückte“ (die mit dem Islam ja bekanntlich eigentlich gar nichts zu tun haben), während die „angeblichen Nazimorde“ von der Gemeinschaft der „Rechten“ zu verantworten ist.
    Hat man den eigentlich schon eine Kolumne von Broder gefunden?

  3. Erwin Rommel 11. Dezember 2011 at 21:18 - Reply

    Mir fällt dazu ein, daß mein Lehrer für Zeichnen immer beim Farbmischen geholfen hat :
    Rot+ Grün- BRAUN

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