Islamischer Winter

20. November 2011 3

Lage in Ägypten spitzt sich zu

Der Tahir-Platz in Kairo bei einer Demonstration im Rahmen des "Arabischen Frühlings" (Bild: Mona; Quelle: Wikipedia)

Kurz vor den ersten freien Wahlen spitzt sich die Lage in Ägypten zu. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf ihrer Internetseite berichtet, sind über 500 Menschen bei Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo verletzt worden. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein.

Islamisten könnten große Sieger sein

Am Freitag hatten zehntausende Menschen, aufgerufen von der Muslimbruderschaft und den ägyptischen Salafisten, in Kairo und Alexandria gegen die Verfassungsleitlinien der Übergangsregierung protestiert. Einige von ihnen bauten Zelte auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo auf und kündigten an, dort auf unbefristete Zeit bleiben zu wollen.

Den Islamisten könnten bei den in Kürze anstehenden Wahlen in Ägypten die großen Sieger sein. Damit würde das Land am Nil dem Trend Tunesiens folgen, wo ebenfalls die Islamisten die Mehrheit der Stimmen bei den ersten freien Wahlen erringen konnten.

„Beleidigung des Islam“

Wie sehr die religiöse Radikalsisierung in Ägypten voran schreitet, zeigt vor allem der Fall der liberalen Aktivistin Aliaa Magda El Mahdy. Wie CitizenTimes berichtete, hat die junge Ägypterin aus politischem Protest Nacktbilder ins Internet gestellt und damit einen Skandal in ihrem Heimatland herauf beschworen.

Soll mit Nacktfotos den Islam beleidigt haben: Alia Magda al-Mahdi

Laut Bild-Online haben sich nun mehrere „Juristen“ zusammen geschlossen und eine Klage bei der Staatsanwaltschaft Kairo eingereicht. Die Vorwürfe lauten: „Verletzung der Moral, Beleidigung des Islam und Aufruf zur Unzucht.“

„Nach islamischem Recht 80 Peitschenhiebe“

Auf diese Tatbestände drohen nach islamischen Recht geradezu drakonische Strafen: „Auf die Unzucht-Vorwürfe stehen nach islamischem Recht 80 Peitschenhiebe“, so Bild-Online. Und für „Beleidigung des lslam“ könne Aliaa Magda El Mahdy sogar die Todesstrafe drohen. Mutmaßlich ist die Aktivistin deswegen untergetaucht, nachdem sie ihre Nacktfotos im Internet veröfffentlichte.

Aus dem arabischen Frühling ist also längst ein islamischer Winter geworden. Während die „Arabellion“ anfänglich den Eindruck erweckte, sie könne zu mehr Freiheit und Demokratie im Norden Afrikas führen, zeichnet sich mittlerweile deutlich ab: das entstandene Machtvakuum dient vor allem den Islamisten, deren Ziel das genaue Gegenteil von Freiheit und Demokratie ist.

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3 Comments »

  1. Prof.Kantholz 21. November 2011 at 07:55 - Reply

    Wovon sich „der Islam“ so alles beleidigen lässt, ist schon erstaunlich… mit nackten Mädels scheint „der Islam“ aber nur in den eigenen Reihen Probleme zu haben. Anders wäre das Verhalten der hormonüberladenen Testosteronrambos hierzulande nicht zu erklären, die ihre Schwestern unter den Niqab pressen, aber den ungläubigen Ricken auf den Spiegel starren.

    Hab ich eigentlich nicht mal irgendwo gelesen, dass „porn“ der meistgegoogelte Begriff in den arabischen Ländern ist? Hat das religionspolizeiliche Zwecke oder ruft man sich dort halt anscheinend genauso gerne wie hier auch zur Unzucht auf, ist quasi ein Arabell (Arebell? Ararebell?) hinter geschlossenen Gardinen?

    Wie dem auch sein mag. Ich wünsche der jungen Dame ein langes Leben in Freiheit und der Muslimbruderschaft lebenslanges Pojucken.

  2. Volker Hübner 21. November 2011 at 15:03 - Reply

    Asyl

    Das arme Kind braucht demnächst Asyl um sie vor der
    Steinigung zu bewahren wenn demnächst die Scharia
    die Gesetztsgrundlage bietet, oder gibt es dafür nur ein paar Peitschenhiebe ???

    • Felix Strüning 21. November 2011 at 20:44 - Reply

      Sie soll angeblich 80 Peitschenhiebe bekommen. Wird diese Strafe am Stück vollstreckt, wird sie meist nicht überlebt. Im Iran ist es deswegen üblich, die Vollstreckung auf mehrere Tage zu verteilen.

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