Linke, Rechte, Islamisten

17. November 2011 10

Frank-Furter Schnauze: Der Höhepunkt der Heuchelei

Screenshot von Bild-Online: "Rechter Terror in Deutschland"

Der Umgang deutscher Medien und Politiker mit dem Serienmord des Zwickauer Neonazi-Trios „Uwe, Uwe und Beate“ ist einmal mehr ein Beleg für die extrem einseitige politische Wahrnehmung in diesem Land: während im Falle linker und islamischer Terroranschläge immer nur die Schuld auf das jeweilige Individuum begrenzt und jeglicher Zusammenhang mit der Ideologie des Täters verleugnet wird, ist bei Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund gleich ein ganzes Meinungsspektrum (gefühlt: alles deutsche) mitverantwortlich. Oder haben sich Angela Merkel und Christian Wulff beim Attentat am Frankfurter Flughafen, gleichwohl bei den ständigen linken Ausschreitungen im Lande (bishin zu Briefbomben an Politiker und Brandanschläge auf Bahnhöfe) je öffentlich in dieser Weise um das „Ansehen der Deutschen in der Welt“ gesorgt?

Offensichtlich nicht. Das mag der deutschen Geschichte geschuldet sein, nachvollziehbar oder gar sinnvoll ist es jedoch nicht. Vielmehr täte die Gesellschaft gut daran, nicht nur im bedrohlichen Aufkeimen rechter Gewalt einen Grund zur Sorge zu sehen, sondern im generellen Erstarken des Extremismus – gleich welcher Couleur er ist. Tatsächlich sind seit Jahren linke und islamische Extremismen auf dem Vormarsch. Und wenn nun auch rechtsextreme Kreise diesem bedrohlichen Trend folgen würden, wäre das auf traurige Weise gar noch logisch.

Einen genaueren Blick auf das ideologische Milieu des Verbrechertrios hat die Frankfurter Allgemeine geworfen, die der hässlichen Fratze des Nationalsozialismus in die Weiten des Internets gefolgt und dabei auf einen Blog namens „Thiazi“ gestoßen ist. Was FAZ-Autor Christoph Dunkel dort vorgefunden hat, ist durchzogen von Verschwörungsstheorien, Menschenverachtung, Rassismus und purem Hass. Das ist schon für sich erschreckend und abstoßend. Fakt ist aber auch, dass es vergleichbare Seiten mit ähnlich verstörendem Inhalt auch in der linksextremen, automonomen Szene, gleichwohl im salafistischen und islamistischen Milieu gibt.

Dementsprechend darf ein aktueller Welt-Online-Artikel mit Fug und Recht als vorläufiger Höhepunkt der Heuchelei in dieser Debatte gewertet werden: dort kommen nämlich bezeichnenderweise die Chefin der Linkspartei, Gesine Lötzsch, und der Vorsitzende des Zentralsrats der Muslime, Aiman Mazyek zu Wort, um sich über den medialen Kadaver des Zwickauer Nazitrios herzumachen.

Beide lassen freilich kein gutes Wort am Verfassungsschutz, der bekanntlich nicht nur auf rechte, sondern auch auf linke und islamische Verfassungsfeinde ein Auge geworfen hat. Mit gutem Grund übrigens: denn während es der deutsche Rechtsextremismus, repräsentiert durch die nationalsozialistische NPD, allenfalls im Osten der Republik überhaupt zu mehr als ein paar kümmerlichen Prozent der Wählerstimmen bringt, hat es die nicht weniger system- und freiheitsfeindliche Linkspartei mit erklärten Kommunisten wie Lötzsch an der Spitze bald in alle wichtigen Parlamente der Nation geschafft.

Ebenso gewinnen Aiman Mazyek und Konsorten, namentlich das unüberschaubare Wirrwarr an muslimischen Verbänden und Organisationen, stetig an Einfluss. Und während es von den meisten Vorsitzenden und Rädelsführern schon zu viel verlangt ist, sich unmissverständlich zu Demokratie und Grundgestz zu bekennen (womit die ebenso unmissverständliche Distanzierung von den undemokratischen Elementen des Islam, den gewaltverherrlichenden Suren im Koran und dem Rechtsanspruch der Scharia notwendigerweise einhergeht), steigt beständig die Zahl radikalisierter Muslime; und damit die Zahl der Ehrenmorde, Hassprediger und Terrorcamp-Touristen (auf öffentliche Kritik an dergleichen von “Mazyek und Konsorten” warten die Deutschen nach wie vor vergeblich).

Die Mehrheitsgesellschaft täte also ausgesprochen gut daran, die Tat von Uwe, Uwe und Beate zum Anlass zu nehmen, die grundsätzliche Frage zu stellen, was eigentlich falsch läuft in diesem Land und warum gerade in dieser Zeit des vermeintlichen Weltfriedens, der multikulturellen Vielfaltsgesellschaft und der Friede-Freude-Eierkuchen-Politik die Extremisierung aller Lager stetig voran schreitet.

Am Anfang der Erkenntnis steht einmal mehr das Wort!

Es wäre das Gebot der Stunde, dass alle demokratisch-gesinnten Lager in der Gesellschaft endlich ihre Sprache mäßigen. Das gilt beispielsweise für die islamkritische Bloggosphäre, in der doch zu oft pauschal und indifferenziert von „den Muslimen“, „den Türken“ und „dem Islam“ die Rede ist. Das gilt aber ebenso für die erdrückend-präsenten, vornehmlich-linken Mainstreammedien, in denen genauso pauschal und indifferenziert von „den Rechten“, „den Populisten“ oder gar „den Islamhassern“ die Rede ist.

In Einzelfällen können Worte zu Taten führen. Das gilt in linken, rechten und islamischen Kreisen gleichermaßen.

Die entscheidenden Werte, um die es heuer geht, sind im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland hinreichend dokumentiert. Es ist an denen, die sich dazu bekennen, endlich gemeinsam diese Werte zu verteidigen. Und zwar gegen alle, deren Ideologie mit dem Wertekanon unserer Verfassung nicht vereinbar ist.

 

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10 Comments »

  1. Zirze 17. November 2011 at 20:39 - Reply

    Eiferer, Geiferer und der Beißreflex

    http://www.zukunftskinder.org/?p=16056

  2. Querfrau 18. November 2011 at 07:48 - Reply

    Wie wäre es den mit einem Artikel der anschaulich beschreibt wie die “Neue Rechte” sofort bereit ist jegliche Verschwörungstheorien zu glauben die die Mörder entlasten würden?
    Natürlich zu Ungunsten des Erzfeindes.

    http://www.pi-news.net/2011/11/beckstein-csu-uber-donermorde/#more-221141

    Der Beitrag und Kommentarbereich sprechen für sich.

    • Marco Pino 18. November 2011 at 09:46 - Reply

      Hallo Querfrau,

      der Artikel und die dortigen Kommentare sind sicher auch nicht exemplarisch für die so genannte “neue Rechte”.

      MFG

      • Querfrau 18. November 2011 at 17:54 - Reply

        Was ist es den dann und was wäre dann die “neue Rechte”?

        • Marco Pino 18. November 2011 at 19:24 - Reply

          Sicherlich nicht das, was in der FR in ihrem gleichamigen Spezial beschrieben wird. :D Was stehen Sie denn darunter? Sie haben den Begriff ja zuerst benutzt.

          • Querfrau 19. November 2011 at 14:47 -

            Wie Sie bereits gesehen haben, sehe ich PI und seine Anänger als die neuen Rechten.
            Sie waren der Meinung es wäre falsch.
            Deswegen fragte ich warum und was es ihrer Meinung nach wäre.

            Wenn Sie mir jetzt nochmals erzählen was es angeblich nicht ist, bringt uns das nicht weiter ;)

  3. cicero 19. November 2011 at 19:19 - Reply

    Inzwischen sind wir ja fast schon so weit, dass “Islamkritiker” als Verdikt gilt. Verkehrte Welt. Aber ein paar maßlose Mitmenschen auf PI haben an dieser Entwicklung einen Anteil.

  4. Anna Radack 3. Dezember 2011 at 17:25 - Reply

    „Es wäre das Gebot der Stunde, dass alle demokratisch-gesinnten Lager in der Gesellschaft endlich ihre Sprache mäßigen.“
    Vor allem sollten sie ihre Sprache präzisieren. Ob man dann, wenn man die nötige Präzisierung erreicht hat, sich zusätzlich noch mäßigen muss, ist dann eine Frage der Taktik. Das gilt im übrigen für den, der schludrig spricht, wie für den, der sich dagegen wehrt. Ein Beispiel inflationär benutzter und bewusst unpräziser Sprache ist der Ausdruck „Kampf, Widerstand gegen Rechts“. Die objektive gesellschaftliche Situation verlangt den „Kampf, Widerstand gegen gewaltsamen Rechtsextremismus“. So gesagt wird es jedoch nur in seltenen Fällen – bewusst. So erst vor wenigen Stunden in Jena, wo es ein „Konzert gegen Rechts“ gab. Diese politische Parole „…gegen Rechts“ ist eine Parole, die alle Parteien und Organisationen links von der Mitte bewusst verwenden, um nicht nur zum Kampf gegen die Nazis zu instrumentalisieren, sondern auch gegen alle politischen Kräfte, die sich rechts vom linken Spektrum einordnen. Und da sind, von allen Tendenzen der Sozialdemokratisierung der CDU/CSU einmal abgesehen, vor allem die Regierungsparteien angesiedelt. Streng genommen ist der „Kampf, Widerstand gegen Rechts“ auch der Kampf und Widerstand gegen die Regierung und ihre Parteien. Und der Kampf gegen und die Verunglimpfung jener in unserer Gesellschaft, die nicht auf den marxistischen Zug des linken Spektrums aufzuspringen bereit sind, sondern eine vom Grundgesetz geschützte Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen. Die bewusst unpräzise Formulierung „…gegen Rechts“ kriminalisiert also die Regierung, ihre Parteien und alle in unserer Gesellschaft, die einen von links abweichenden politischen Standpunkt haben. Liegt man falsch, wenn man hier einen weitere Baustein für Meinungsterror sieht?

  5. fluppi 16. Dezember 2011 at 00:04 - Reply

    Auch wenn das vermutlich nicht gerne gehört wird: Dieser Abschnitt: “Tatsächlich sind seit Jahren linke und islamische Extremismen auf dem Vormarsch. Und wenn nun auch rechtsextreme Kreise diesem bedrohlichen Trend folgen würden, wäre das auf traurige Weise gar noch logisch.” ist schlicht und ergreifend falsch.

    “Rechtsextreme Kreise” folgen hier keinem Trend, sie sind seit Jahren einsamer Spitzenreiter. Je nach Statistik haben Neonazis in den Jahren seit der Wiedervereinigung zwischen 47 (Bundesregierung, ohne die 10 der “Zwickauer Zelle) und 182 Menschen (das behauptet die Amadeu-Antonio-Stiftung) umgebracht.
    Von Links gab es im gleichen Zeitraum 3 Tote, davon gehen zwei noch auf das Konto der RAF, alle Fälle liegen vor 1995.
    Islamistische Terroristen bringen es in Deutschland auf 2 Todesopfer am Frankfurter Flughafen.
    Es gibt de facto – das sage ich als jemand, der an der Grenze von Kreuzberg und Neukölln wohnt – keine Gegenden in Deutschland, wo ich als “deutsch aussehender” Mensch nicht hingehen kann. Gleiches gilt für Menschen, die irgendwie “rechts” aussehen – im Netto gegenüber vom “Türkenmarkt” (der, den Sarrazin mal mit dem ZDF besucht hat) arbeitet sogar regelmäßig ein Typ in Thor-Steinar-Klamotten, und das mitten im größten Linken- und Türkenkiez Deutschlands.
    Aber es gibt haufenweise Orte, v.a. in den neuen Bundesländern, in denen sich Schwarze, Punks oder Emos nicht guten Gewissens auf die Straße trauen können.

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