Banken, Staaten, Technokraten

12. November 2011 2

Frank-Furter Schnauze: Ein „hilfreicher“ Premierminister

Der neue Premierminister Griechenlands: Lucas Papademos (Bild: Greek Ministry of Finance; Quelle: Wikipedia)

Als bekannt wurde, dass Lucas Papademos der Anführer der neuen griechischen Übergangsregierung werden würde, da brachen Politiker und Schreiberlinge hierzulande in Jubelarien aus: ein Technokrat sei genau der richtige für den Job, hieß es allenthalben.

Und tatsächlich scheint Papademos wie kein zweiter Grieche für den brenzligen Job geeignet zu sein:  Ab 1985 war er für die griechische Zentralbank (Bank von Griechenland) tätig. 1993 wurde er in dem Institut Vizegouverneur und übernahm ein Jahr später deren Leitung. Von 1994 bis 1998 war Papademos zudem Mitglied des Rates des Europäischen Währungsinstituts, ab 1999 Mitglied des Erweiterten Rates der Europäischen Zentralbank und von 2002 bis 2010 Vizepräsident der EZB.

So weit, so gut. Oder auch nicht! Denn tatsächlich wirft Papademos Vita bei genauerer Betrachtung einige Fragen auf: die Einführung des Euros in Griechenland fiel beispielsweise in seine Amtszeit als Gouverneur der Bank von Griechenland. Und die war wiederum federführend beteiligt beim Erstellen jener Unterlagen, die erst den Beitritt Griechenlands zur Währungsunion ermöglichten, sich später jedoch als erstunken und erlogen entpuppten.

Und als sich in Griechenland das volkswirtschaftliche Disaster immer weiter zuspitzte, saß Papademos als Vizepräsident der EZB im Epizentrum des Euro-Rettungswahns. Schon 2010 muss jedem, der tiefgründigere Kenntnisse über die Lage in Griechenland hatte, klar gewesen sein, dass die damals vereinbarten Rettungspakete nur ein Tropfen auf den heißen Stein waren. Hat Papademos in seinen Spitzenfunktionen von alledem etwa nichts gewusst und nichts mitbekommen?

Das erscheint mehr als abwegig. Die Frage ist vielmehr, ob Papademos in seiner Funktion als EZB-Vize erneut den Rest Europas belogen hat, so wie das in den von ihm miterarbeiteten Bewerbungsunterlagen Griechenlands für die Einführung des Euros geschehen war.

Allerdings gäbe es auch noch eine andere Variante, die – zugegeben – bisweilen konspirativ, aber doch wesentlich logischer erscheint: man war in europäischen Regierungskreisen entgegen öffentlichen Bekundungen stets bestens darüber informiert, was in Griechenland wirklich vorging – auch und gerade durch Papademos. Doch der politische Wunsch, Griechenland möge bloß schnell Mitglied der heiligen Euro-Zone werden, und die ökonomische Fehleinschätzung, so ein kleines Land würde schon keinen großen Schaden anrichten, überwog jegliche Bedenken über die dortige Lage.

In dem Fall könte Papademos gar über Jahre hinweg ein willfähriger Diener der Euro-Architekten gewesen sein, der erst die gewünschten Beitrittsunterlagen lieferte und dann als EZB-Vize nach außen seinen Mund hielt.

Das sind freilich Qualitäten, die Barroso, Merkel und Sarkozy, gleichwohl den mächtigen Bankenchefs Europas, mehr als willkommen erscheinen dürften: lieber Technokraten, als Demokraten. Und wer sich jahrelang als verschwiegener Diener der so genannten europäischen Idee erwiesen hat, ist zweifelsohne für den Posten des griechischen Ministerpräsidenten hervorragend geeignet.

Gut möglich also, dass die nun beginnende Amtszeit des Lucas Papademos etwas länger dauern wird, als es derzeit den Anschein hat. Der Unterstützung seiner vielen Freunde in Brüssel, Berlin, Paris und Frankfurt dürfte sich der Architekt des griechischen Euro-Beitritts jedenfalls sicher sein.

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