Wie? Wo? Wagenknecht!

11. November 2011 3

Frank-Furter Schnauze: Mit Volldampf in die Wagenknechtschaft!

Sarah Wagenknecht bei einem Auftritt in Soest (Bild: Michael Bruns, Quelle: Wikipedia)

Die ganz, ganz Linke in Deutschland hat eine neue Heilsbringerin: Sarah Wagenknecht. Vor einigen Tagen wählte sie die Nachfolgepartei der SED, man nennt sie gemeinhin „Linkspartei“, zur stellvertretenden Fraktionsleiterin hinter Gregor Gysi. Wohlgemerkt: Zur „ersten Stellvertreterin“. Das Amt hat man extra für sie eingerichtet.

Es steht außer Frage: optisch ist Wagenknecht ein Gewinn, beispielsweise – ach, wie politisch inkorrekt! – im Vergleich zu Gesine Lötzsch. Inhatlich jedoch stehen sich beide in ihrer Systemkritik in kaum etwas nach. Wagenknecht wie Lötzsch machten in der Vergangenheit nur all zu oft deutlich, wie sehr sie sich die Rückkehr Deutschlands in die menschen- und freiheitsfeindliche Systematik des Sozialismus wünschen. Tatsächlich verbirgt sich bereits hinter dem trügerischen „demokratischen Sozialismus“, von dem manch einer in der Linkspartei schwärmt, nichts anderes als das „System DDR“. Der linke Rand innerhalb der Linken, und dazu gehört Sarah Wagenknecht, täte es am liebsten gar dem größten Pleitestaat in der Geschichte der Menschheit gleich: der kommunistischen Sowjetunion.

Die Euro-Krise spühlt Sarah Wagenknecht derzeit an die Frontlinie der linken Systemkritik. Und kaum eine Talkshow zu dem Thema vergeht, ohne dass die Nachwuchskommunistin in erlauchter Runde die Reinkarnation von Rosa Luxemburg gibt. Sicher ist nicht alles falsch, was an „Kapitalismuskritik“ aus ihrem Munde kommt. Umso falscher ist jedoch, welche Antworten sie selbst und ihre Partei auf die Probleme der Gegenwart geben.

Wer ernsthaft behauptet, der Kapitalismus selbst sei schuld an der aktuellen Krise, hat die Entstehung derselben wohl in wesentlichen Punkten nicht ansatzweise verstanden – oder lügt bewusst. Doch fatalerweise klatschen auch Politiker anderer Couleur brav Beifall zu den Wagenknecht‘schen Floskeln, kommen sie ihnen doch gelegen, um die wesentliche Mitschuld ihrer Parteien, ihrer Parteifreunde und ihrerselbst den bösen „Bänkern“, „Spekulanten“ und – mittlerweile sogar! – ganzen „Märkten“ in die Schuhe zu schieben.

Wer ernsthaft aus der Krise schlussfolgert, es bräuchte mehr – beziehungsweise: noch mehr! – Sozialismus, wo erstens das Gros aller Märkte ohnehin längst überreguliert ist, und zweitens sowohl die Immobilienblase in den USA, als auch die Euro-Krise in Europa, wesentlich durch geradezu planwirtschaftliche Eingriffe der Politik in die Märkte verursacht wurden (dort durch eine „jedem-Ami-sein-Haus-auf-Pump“-Sozialpolitik, hier durch eine „wir-führen-eine-Währung-für-alle-ein“-Europapolitik, beides wider jede ökonomische Vernunft!), hat sich damit spätestens als seriöser Ansprechpartner in volkswirtschaftlichen Fragen disqualifiziert.

Umso unverständlicher also, dass Sarah Wagenknecht jetzt gar schon in der ehemals bürgerlich-liberalen Frankfurter Allgemeinen Zeitung hofiert wird. Ihre große Fähigkeit, so heißt es dort und gleichwohl in Reihen der Linkspartei, sei der medienwirksame Auftritt in Talkshows. Das also macht heutzutage Politiker aus. Für Inhalte mit einem Anspruch jenseits der infantilen Occupy-Bewegung sind das Volk und seine Berichterstatter wohl überwiegend nicht mehr empfänglich. Das mag verständlich sein (vor allem angesichts dramatisch sinkender Bildungsstandards), birgt aber große Gefahren: denn Sachverhalte wie die gegenwärtige Dauerkrise lassen sich nicht in der Kürze dreier Sätze erklären. Was in Talkshows zu diesem Thema überhaupt möglich ist, ist Verklärung. Kein Wunder, dass sich gerade Sarah Wagenknecht auf diesem Terrain so hervorragend schlägt.

Wirklich beängstigend ist an alledem die moralische Komponente: Deutschland anno domini 2011, das ist ein Land, in dem Menschen, die erklärte Demokraten sind, die es wagen, die fatale Systematik der Währungsunion oder die freiheitsfeindliche Ideologie des politischen Islam zu kritisieren, als Rechtspopulisten beschimpft und medial geächtet und gebrandmarkt werden. Gleichwohl wird mit Sarah Wagenknecht einem ehemaligen Führungsmitlgied der „Kommunistischen Plattform der PDS“ beinahe täglich der dunkelrote Teppich ausgerollt, auf dass sie in sinnbefreiten Talkrunden ihre dunkelroten Phrasen vom Stapel lässt, denen im Kern eine verfassungsfeindliche Ideologie zu Grunde liegt.

Warum? Weil sie gut aussieht. Weil sie lange Beine hat. Weil sie rote Kleider trägt. Und ganz am Rande: weil sie es schafft, in drei Sätzen völligen Unsinn von sich zu geben, der aber die typischen Neid- und Gerechtigkeitsmuster der achso benachteiligten, unschuldigen Mehrheit animiert. Und das, ohne dabei inkompetent zu wirken. Tatsächlich könnte man meinen: ein Land, in dem sich derart Suspektes allabendlich vor einem Millionenpublikum abspielt, hat freilich auch nichts Besseres verdient, als die endgütlige, ewig-währende, kommunistische Wagenknechtschaft.

 

3 Comments »

  1. Prof.Kantholz 11. November 2011 at 07:47 - Reply

    Wie sehr Frau Wagenknecht der DDR in schwärmerischer Ostalgie zugetan ist, hat sie ja bereits bei mehr als einer Gelegenheit kundgetan. Beispiel:
    http://www.superillu.de/aktuell/_Fakt_ist_._._.__642792.html
    („SuperIllu“ gehört nicht zu den Informationsquellen, die ich gewöhnlich nutze, hab aber auf die schnelle zu dem Skandal in der MDR-Talkshow „Fakt ist..:“ keinen anderen Link gefunden)

    Sie mag ja auch aus ihrer eigenen Sicht sogar „recht“ haben. Wenn man brav mitmarschiert ist, wenn man sich frühzeitig ganz und gar der Indoktrination geöffnet hat, wenn man keinen Bedarf an Freiheit und keine Skrupel hatte, dann konnte man vielleicht sogar recht angenehm leben in der DDR.

    Dass aber nun bei Weitem nicht jeder damalige DDR-Bürger mit Plan- und Mangelwirtschaft, Bespitzelung, verstaatlichter Zwangsparanoia, „eingeschränkter“ Reisefreiheit, Mauerschützen und vom Zentralkomitee
    verordneten Gesinnungsschranken leben wollte, kommt ihr dabei vielleicht gar nicht in den Sinn.

    Man darf nicht vergessen, dass lebens-, welt- und bürgerferne Politiker nicht wirklich eine Erfindung der letzten Jahre sind.

    „Tatsächlich könnte man meinen: ein Land, in dem sich derart Suspektes allabendlich vor einem Millionenpublikum abspielt, hat freilich auch nichts Besseres verdient, als die endgütlige, ewig-währende, kommunistische Wagenknechtschaft.“

    In der Tat.

  2. insider 11. November 2011 at 16:00 - Reply

    „Wohlgemerkt: Zur „ersten Stellvertreterin“. Das Amt hat man extra für sie eingerichtet.“

    Richtigstellung:
    Die von Ihnen gebrauchte Formulierung erweckt den Eindruck, dass Frau Wagenknecht der Grund für diese Stellvertreterkonstruktion sei, dass sie selbst darauf bestanden hat, in eine derartige Position zu kommen.

    Richtig ist, dass Gregor Gysi sich weigerte mit Frau Wagenknecht gleichberechtigt die Fraktionsspitze einzunehemen. Einen Platz den sie mit ihrem Rückhalt in Partei und Fraktion durchaus verdient hätte.

    Die Initiative diesen Posten so auszugestalten liegt also nicht bei Frau Wagenknecht, sondern bei Herrn Gysi.

  3. Claire Grube 11. November 2011 at 21:20 - Reply

    Im direkten Vergleich zu ihren linksgrünen KollegINNEN Fatima Roth oder Krawall Künast macht sie doch noch auf den ersten Blick eine
    halbwegs gute Figur.
    Gefährlich wirds, wenn man bei der recht ansprechenden Optik von Frau Genossin kurz abgelenkt ist und ihren nicht ganz demokratiekompatiblen Brei zu lange einwirken lässt.

    Beängstigend ist z.B. ein Blick in den Landtag von Sachen, wo die roten & braunen Sozialisten mit 38 Sitzen bereits eine Stärke erreicht haben, die beinahe der Stärke der NDSAP bei der Reichstagswahl im November 1932 entspricht.

    Da darf man sich als Konservativer sogar schon über einen %-Gewinn von SPD und Grünen freuen, die wenigstens noch Demokraten sind.

    Gregor Gysi nehme ich sogar noch ab, dass er es in „seiner Linkspartei“ nicht so weit kommen lassen will und sich deshalb ein neues Amt ausdenkt, welches die Machtverhältnisse klar regelt. Das wird nur nicht lange funktionieren, denn der rote Mob (ähm, die Parteibasis) wirds schon richten.

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