Der schmale Grat der Wahrheit

11. November 2011 2

Die Meinung der Anderen: Jörg Schallehn über Papandreous Wette gegen Griechenland

Georgios Papandreou bei seiner Vereidigung als griechischer Ministerpräsident am 6. Oktober 2009 (Bild: Flickr/ΠΑΣΟΚ, Quelle: Wikipedia)

Die Webseite Zeitenwende24.de hat kürzlich ausgegraben, was eigentlich schon seit Mai 2011 bekannt ist und auch bereits im griechischen Parlament diskutiert wurde:

„Die staatlich geführte griechische Postbank soll 2009 im Auftrag von Ministerpräsident Papandreou (bereits kurz nach seinem Amtsantritt) sogenannte CDS (Credit Default Swaps, also Kreditausfallversicherungen) auf griechische Staatsanleihen im Volumen von weit über 1 Mrd. Euro gekauft haben. Erste offizielle Schätzungen gehen von etwa 1,3 Mrd. Euro aus. Der Wert solcher CDS steigt, wenn die Bonität eines Landes sinkt, die Anleihekurse also fallen und sich damit das Ausfallrisiko erhöht.“

Als nun die Zahlungsfähigkeit Griechenlands abstürzte, wiesen die Kurse dieser CDS ein Plus von über 2.000 Prozent auf – sie betragen jetzt knapp 27 Milliarden.

Die erste Reaktion auf eine solche Nachricht löst freilich Empörung aus und bringt die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Nur einmal angenommen, Herr Papandreou wäre die Wette eingegangen, um seinem Volk dieses Geld zu überlassen, dann macht ihn das zum Robin Hood der Neuzeit. Er hätte dann denen das Geld entzogen, die es vorher Griechenland entwendeten. Unter dieser Annahme ist die Ankündigung des (wieder abgesagten) Referendums kein Schildbürgerstreik, sondern im Geiste von Robin Hood genial.

Sollte Papandreou sich, wie wohl leider zu vermuten ist, selbst bereichert haben, dann ist Insidergeschäft noch sehr vornehm ausgedrückt. Leichenfledderern wäre dann passender, wenn man gegen das eigene Land und Volk wettet. Wie man sieht, ist der Grad der Wahrheit sehr schmal.

2 Comments »

  1. P.K. 11. November 2011 at 15:12 - Reply

    Wonach ihr gesucht habt nennt sich „Grat“.

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