Ein „dekadenter historischer Sonderfall“

10. November 2011 1

Investmentbänker und Buchautor Gerald Hörhan kritisiert „die Jugend von heute“

Die "Jugend von heute": Party-machen bis zum Morgengrauen wie hier bei der "Mayday" in Dortmund (Bild: Arne Müseler, Quelle: Wikipedia)

In einem aktuellen Interview mit Welt-Online spricht der Investmentbanker und Buchautor Gerald Hörhan Klartext über „die Jugend von heute“, die er in seinem neuen Buch „Gegengift“ als dumm, faul und wohlstandsverwahrlost bezeichnet.

„Chillen, shoppen und Schulden machen

Darauf angesprochen gibt Hörhan im Interview zu, dass er aufrütteln wolle, denn die Jugend müsse bluten für das, „was gerade in Europa verbrochen wird.“ Sie hätte in der Politik keine Lobby und müsse „ihr letztes Hemd für Sozialsysteme ausziehen, aus denen sie kaum noch was herausbekommt.“ Doch anstatt auf die Barrikaden zu gehen, würden die jungen Leute chillen, shoppen und Schulden fürs nächste Auto machen.

Auf den Verweis, die akuelle „Occupy-Bewegung“ sei doch eine fast durchweg jugendliche, macht Hörhan kompromisslos klar: „Aber nicht ernst zu nehmen. Da wird nur demonstriert, weil es so lustig ist. Die Protestler wissen nicht, was sie wollen oder um was es überhaupt geht.“ Und wer ökonomisch so völlig ungebildet sei, richte nichts aus.

Ein dekadente historische Sonderfall

Hörhans provokativen, dem Mainstream vollkommen zuwider laufenden Aussagen setzen sich auch in den folgen Antworten fort: wer wirklich arbeiten wolle, bekäme auch was, müsse sich aber dafür „auf die Hinterfüße“ stellen. Beispielsweise würden in der Wirtschaft händeringend Verkäufer gesucht, doch dazu seien sich die meisten zu fein: „Nein, die heutige Jugend ist der ziemlich dekadente historische Sonderfall einer jungen Generation, die den Alten lieber hinten reinkriecht, als zu revoltieren. Für das System ist diese Lethargie natürlich sehr kommod.“

Gute Erfahrungen hätte er hingegen mit Migrantenkindern gemacht, von denen viele noch „richtig Hunger und Biss“ hätten. Die Ausländer würden ohnehin nur als Sündenböcke missbraucht, um davon abzulenken, dass das Gros der eigenen Jugend nur noch faulenzt.

„Brav, bequem und angepasst“

Auf die typisch sozialpädagogische Frage, ob viele Menschen nicht mit der immer komplexer werdenden Welt überfordert seien, antwortet Hörhan: „Zehn Prozent der Burn-outs oder Depressionen sind echt, der Rest ist einfach wohlstandsverwahrlost. Der Sozialstaat hat sich eine wohlgenährte geistige Unterschicht herangezüchtet und den Leuten das Arbeiten abgewöhnt. Und der Großteil des arbeitenden Rests will nur den Regeln des Systems gehorchen und möglichst brav, bequem und angepasst leben.“

Allerdings meckert Hörhan nicht nur, sondern gibt auch Ratschläge, wie es besser geht: Wer Ahnung von Geld hätte, legt als Mittzwanziger etwas von seinem Verdienst zurück, um nach drei, vier Jahren einen Grundstock für die erste Anliegerwohnung, eine Firmenbeteiligung oder eine eigene Gründung zu haben. Die Jugend gäbe aber lieber gleich wieder alles aus, was sie verdient, und meistens noch mehr. Und weiter: „Dabei hat der zügellose Konsum der Mittelschicht doch diese ganze Krise überhaupt erst geschaffen.“

Krisen werden immer dichter aufeinander folgen

Gerade die Mitte sieht Höhrhan ohnehin auf dem absteigenden Ast. Einen Aufschwung wie in den letzten 60 Jahren würde es nicht mehr geben. Stattdessen würden die Krisen immer dichter aufeinander folgen, und immer mehr Menschen würden hinten herunterfallen. „Mit dem Export von Milliarden in kaputte Staaten importiert die Politik gerade die dortigen sozialen Verhältnisse.“

Auch der gegenwärtigen Strutkur der Europäischen Union kann Hörhan nichts Gutes abgewinnen, denn dort hätten „doch sowieso Apparatschiks die meiste Verantwortung, die nie gewählt wurden.“

Erkenntnisse höchst unangenehm

Freilich wirken Hörhans Antworten geradezu gezwungen provokativ und krampfhaft politisch unkorrekt. Allerdings steckt in seinen Antworten wohl (leider) viel Wahres, auch wenn die daraus resultierenden Erkenntnisse höchst unangenehm sind.

 

 

One Comment »

  1. FlorianB 14. November 2011 at 08:39 - Reply

    Ich weiss ja nicht, wie es heute aussieht, aber als ich Mittzwanziger war, da hat der durchschnittliche Mittzwanziger entweder noch studiert oder gerade seinen ersten Job nach der Uni gehabt. Ich weiß nicht, wie man als Student oder Berufseinsteiger „in drei, vier Jahren“ den Grundstock für eine Firmenbeteiligung ansparen soll. Und ich habe nicht den Eindruck, dass sich Herr H. an die Schichten richtet, die mit 25 deshalb schon voll im Berufsleben stehen, weil Sie mit 16 als Lehrbub angefangen haben.
    Vielleicht kennt Herr H. das Leben der „jugend von heute“ ja nur aus dem Fernsehen.

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