Der 9. November – Schicksalstag der Nation

9. November 2011 3

Ein Datum zum Gedenken und zum Feiern

Wir sind das Volk! Eine Gedenkbriefmarke aus dem letzten Jahrgang der DDR-Post (ausgegeben 1990)

Der Nationalfeiertag der Bundesrepublik Deutschland findet derzeit am 3. Oktober statt, dem Tag an dem die fünf neuen Bundesländer auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, dem Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Artikel 23 beitraten. Auf das Für und Wider dieses Prozesses soll hier nicht näher eingegangen werden, vielmehr soll der 9. November als Schicksalstag der Deutschen näher beleuchtet werden, welcher in der Diskussion im Jahre 1990 auch als möglicher Nationalfeiertag gehandelt wurde.

Der 9. November symbolisiert wie kein anderer Tag die Vielschichtigkeit der Geschichte unseres Landes. Ein Tag zwischen Aufbruch und Niedergang, der die hellen und positiven Seiten unserer Geschichte ebenso darstellt, wie die vorhandenen dunklen Kapitel.

Der 9. November 1918 – der Tag der Ausrufung der Republik. Der Anfang vom Ende des 1. Weltkrieges und Aufbruch in die erste deutsche Demokratie. Die Hoffnung Vieler im deutschen Volk auf Frieden wurde ebenso geweckt, mit dem Aufbruch in die Demokratie und damit auf die Verwirklichung der ersten deutschen Volksherrschaft – 70 Jahre nach der Paulskirchen-Versammlung im Jahre 1848.

Die großen Hoffnungen, die sich mit diesem Tag verbanden wurden jäh enttäuscht. Der Höhepunkt von Instabilität in den ersten Jahren der Weimarer Republik – verursacht durch einen Friedensvertrag, der kein Vertrag war, durch seinen Inhalt, seine Feststellungen und Forderungen, keinen Frieden bringen konnte und in seiner, für die deutsche Seite, kränkenden Form die Grundlage für einen möglichen neuen Krieg legte – war zweifellos ein weiterer 9. November, der des Jahres 1923. Mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch in München trat das erste Mal ein Mann wirklich öffentlichkeitswirksam in Erscheinung, der 10 Jahre später unser Land in den Abgrund führte. Der Hitler-Ludendorff-Putsch konnte gerade noch verhindert werden, sodass die Weimarer Demokratie noch eine Chance erhielt und sich in den Jahren 1924-1929 sogar relativ stabilisieren konnte.

Einer der dunkelsten und beschämensten Momente unserer Geschichte folgte 15 Jahre später. Am 9. November 1938 brannten im Nazireich Synagogen und jüdische Geschäfte. Angestachelt durch Reichspropagandaminister Dr. Goebbels verübten SS- und SA-Männer schwere Gewalttaten gegen Juden, Hunderte von ihnen wurden innerhalb weniger Tage ermordet.

1989 – Deutschland war seit 44 Jahren in zwei Teile zerrissen. Kaum jemand, abgesehen von Axel Springer vielleicht, glaubte noch an eine Wiedervereinigung des geteilten Vaterlandes. Im 40. Jahr des Bestehens der DDR formierte sich jedoch, wie in vielen „sozialistischen Bruderstaaten“ auch, eine Reformbewegung. Anders als noch am 17. Juni 1953 in Berlin war die Führung der Sowjetunion nicht mehr bereit, durch Panzer den Volkswillen blutig niederzuschlagen. Wieder stand das Volk in der DDR auf, diesmal zu Hunderttausenden – und forderte Freiheit! Die abgewirtschafteten DDR-Machthaber hatten ihm nichts mehr entgegenzusetzen.

Am 9. November 1989, kurz vor Mitternacht, fiel schließlich die Berliner Mauer als die in Stein gebaute Grenze – durch das sich gegen die Unterdrückung und sich nach Freiheit und Mitbestimmung sehnende Volk. Der Ruf des Volkes „Wir sind das Volk!“, aus dem wenige Monate später „Wir sind EIN Volk!“ wurde – ging in die Geschichte ein.

Die Demokratiebewegung formierte sich nach diesem großen historischen Tag recht schnell zur Einheitsbewegung und spülte schließlich die Reste des sozialistischen Gesinnungsstaates in den Orkus der Geschichte.

In diesem Zusammenhang kann nur eine Inkonsequenz kritisiert werden, wenn man bedenkt, dass die Nachfolger derjenigen, die einst unsere Landsleute an der deutsch-deutschen Grenze, der Mauer, erschießen ließen, heute immer noch in der deutschen Politik irrlichternd ihr Unwesen treiben und oftmals versuchen, alle nicht-linken Deutschen als Faschisten oder Rassisten zu brandmarken.

Der 9. November wäre ein würdiger Nationalfeiertag für Deutschland. Er könnte gleichzeitig Feier-Tag wie auch Gedenk-Tag sein. Man könnte würdig der Opfer der Novemberpogrome, der „Reichskristallnacht“ 1938 gedenken und gleichzeitig den Fall der Berliner Mauer und damit die Wiedervereinigung Deutschlands feiern.
Man könnte das dunkelste Kapitel unserer Geschichte ebenso kritisch beleuchten, wie man die Einheit der vormals getrennten beiden deutschen Staaten feiern könnte.

Der 9. November als Nationalfeiertag wäre ein Symbol von Gedenken, Versöhnung, von Nationalstolz und vor allem der Beweis, dass wir Deutschen es endlich geschafft haben, das Verhältnis zu uns selbst und zu unserer Nation zu normalisieren.

Die Gefahr, der derzeitigen politischen Landschaft dieses Instrument des Nationalfeiertages am 9. November in die Hand zu geben, bestünde darin, dass die vereinigten Linksfraktionen des Bundestages mit ihrem ablehnenden oder zumindest zwiespältigen Verhältnis zu einem gesunden Patriotismus, diesen Tag dazu missbrauchen könnten, um hauptsächlich die negativen Seiten zu beleuchten und diesen Tag zu einem zweiten Buß- und Bettag, wobei die Betonung auf büßen liegt, umzufunktionieren. Man stelle sich vor, dass zum Jahrestag des Mauerfalls Bundespräsident Wulff am Brandenburger Tor davon spricht, der Islam gehöre zu Deutschland. Zuzutrauen wäre es ihm.

Die patriotische Flanke dieser Republik ist offen. Es ist Zeit für eine Bewegung, für Menschen, die kein Problem mit ihrer Nation, ihrer Geschichte – und vor allem nicht mit sich selbst als Deutsche haben. Schon 1848 wussten die jungen Studenten und das gebildete Bürgertum, dass Nationale Einheit und Freiheit zusammen gehören, dass Patriotismus und Freiheit nicht trennbar sind.

Und auch im Jahr 2011 wissen junge Menschen wieder, wo ihr gesunder Patriotismus gut aufgehoben ist. Sie haben sich, in jeglicher Hinsicht passend, einen Namen gegeben, sie sind das, als was sie sich bezeichnen. Wir sind die GENERATION FREIHEIT!

3 Comments »

  1. Thomas Härtel 12. November 2011 at 19:11 - Reply

    Ein geschichtliches Ereignis, wenn auch kein positives, habt ihr noch vergessen. 9. November 1923 : Hitlers Putschversuch in München.

    Überhaupt ist der Monat November ein Schicksalsmonat in der deutschen Geschichte und des deutschen Volkes. Man denke dabei nur an den November 1942 der Beginn der Stalingradkatastrophe etc.etc. .

    Die herrschende politische Kaste in Deutschland kann jedenfalls immer drei Kreuze machen wenn der November vorrüber ist, ohne das etwas passiert ist. Bis zum nächsten Jahr…….

    • Julien Wiesemann 14. November 2011 at 12:19 - Reply

      Zum 09. November 1923 steht doch was da…

  2. R. Innerer 23. Juli 2012 at 21:55 - Reply

    Aber ein anderer 9. November fehlt: 1848 – Hinrichtung des Abgeordneten des „Paulskirchen“-Parlament Robert Blum. Dieses Datum markiert den Wendepunkt der „Märzrevolution“ von 1848 und der Schwenk zurück zur alten, reaktionären Ordnung.

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