Saudis, Dollars, Pilgerer

8. November 2011 0

Frank-Furter Schnauze: Du kommst hier nisch rein!

Einfahrt nach Mekka: "for Muslims only" (Bild: James Enloe, Quelle: Wikipedia)

Auf Welt-Online ist ein interessanter Bericht mit zeitgemäßer Bildgalerie erschienen. Allerdings stellt sich die Frage, ob es pure Ironie sein soll, dass der Artikel in der Rubrik „Reise“ veröffentlicht wurde. Denn Bereisen darf man den besagten Ort nur, wenn man zu den 1,3 Milliarden Muslimen unter den Erdenbewohnern zählt. Für alle anderen gilt nämlich: „Du kommst hier nisch rein!“

Die Rede ist allerdings nicht von den Privatgemächern des Obermuftis an der alt-ehrwürdigen Universität von Kairo. Es geht vielmehr um Mekka, die heilige Stadt der Muslime, mutmaßlich Geburtsort des Propheten Mohammed, Schauplatz des alljährlichen „Haddsch“, der großen Pilgerreise der Muslime, deren Höhepunkt das Umrunden der Kaaba ist. Und: Mekka hat zirka 1,5 Millionen Einwohner. Wallfahrtsort hin oder her: man stelle sich nur einmal vor, in München oder Hamburg sei der Zutritt für alle Nicht-Christen verboten.

Die Spitze des Hotelturms: ein Hauch von Big Ben (Bild: King Eliot, Quelle: Wikipedia)

Im Mittelpunkt des Welt-Artikels steht die Eröffnung eines neuen Luxushotels in unmittelbarer Nähe zur al-Haram-Moschee. Durchaus sehenswert, und zwar nicht nur für Muslime, ist der 601 Meter hohe Turm des „Makkah Clock Royal Tower Hotel“, der wie eine Mischung aus Empire-State-Building und Big Ben daher kommt. Damit zählt das Gebäude – wen wundert’s? – zu den höchsten der Welt. Spitzenreiter ist nach wie vor der Burj Kalifa in Dubai. Und den dürfen sogar Nicht-Muslime aus der Nähe bestaunen.

In Mekka braucht es dazu freilich schon eine gehörige Portion Mut, sich entweder als „Ungläubiger“ hineinzuschmuggeln, oder nur der Reise wegen zum Islam zu konvertieren, um danach selbigem wieder abzuschwören. Mutmaßlich ist letzteres noch gefährlicher, wenn man an die falschen Leute gerät.

Der Turm selber ist – wie in diesen Breiten der Erde mittlerweile üblich – eine in Prunk und Luxus ertränkte Parodie auf die Armut der Region. Und das ist auch das eigentlich Interessante daran: der Islam offenbart sich in Mekka als höchst lukratives Geschäft. Welcher Reiseanbieter kann sonst schon von sich behaupten, die Säule einer Weltreligion zu sein?

Kein Wunder also, dass insbesondere saudische Prinzen nicht müde werden, einen guten Teil ihrer mit Öl gescheffelten Milliarden für den Bau von Moscheen – auch hierzulande – zu spenden. Wahrscheinlich verbucht man die Gelder dort als Ausgaben für die Neukundengewinnung. Die meisten dieser Dollars sind freilich gut investiert und kommen früher oder später wieder zurück – in der Regel sogar persönlich.

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