China kommt über Griechenland

7. November 2011 2

Kolumne: Die Meinung der Anderen | Wolfgang Hübner über die Flucht der „Demokraten“ aus der Demokratie

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Frankfurter Römer: Wolfgang Hübner

Ein neues Gespenst geht um in EUROpa, das Gespenst der demokratischen Selbstbestimmung der Völker und Nationen. Wie nackt Angst und Panik vor diesem Gespenst ausgerechnet bei denen zum Vorschein kommen, die sich so gerne der ganzen Welt als vorbildliche Demokraten und selbstlose Demokratiestifter zu präsentieren pflegen, sollte seit dem Verzweiflungsbeschluss des griechischen Ministerpräsidenten, demnächst sein wütendes Volk über den weiteren Weg des Landes abstimmen zu lassen, auch für den schläfrigsten deutschen Michel offensichtlich geworden sein.

Mit seiner Flucht in die Volksabstimmung hat der griechische Politiker, dem man keineswegs die edelsten Motive bei seiner Entscheidung unterstellen muss, für immerhin 24 Stunden eine in Demokratien eigentlich selbstverständliche Möglichkeit aufgezeigt: Nämlich dass nicht länger die wegen der staatlichen Schuldenberge den „Märkten“ ausgelieferte Politikerkaste EUROpas allein und unkontrolliert das Schicksal von hunderten Millionen Menschen bestimmen darf, sondern vielmehr die Völker und Nationen selbst. Doch genau das gilt im Zeitalter der permanenten  Krisenkonferenzen und schamloser Vertragsbrüche samt multimedial geschwätziger Ratlosigkeit als geradezu unerhörter Frevel, der schon im Keim erstickt werden muss.

Das ist ja nun – ausgerechnet in der „Wiege der Demokratie“ – auch bestens gelungen: Die griechische Volksabstimmung wurde so schnell abgesagt, dass niemand auch nur den geringsten Zweifel hegen kann, was Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Sarkozy dem griechischen Ministerpräsidenten wenige Stunden zuvor ganz „freundschaftlich“ zu verstehen gegeben haben:  Entweder Geld oder Volksentscheid! Es gehört übrigens wenig Fantasie zu der Vorstellung, dass der verzweifelte Grieche höchst persönlich noch mit ganz anderen „freundschaftlichen“ Alternativen konfrontiert wurde.

Einige tausend Kilometer von EUROpa entfernt werden die chinesischen Führer aus dem Hohnlachen derzeit kaum noch herauskommen: Erst betteln die heillos überschuldeten Langnasen geradezu demütig um riesige Kredite, damit der fällige Konkurs ihrer Staatshaushalte und Sozialsysteme noch einige Jahre hinauszögert werden kann. Und dann stellen in der Stunde der Not all jene bis heute so begeisterten Freunde des Dalai Lama auch noch unter Beweis, was den kapitalkommunistischen Mandarinen in Peking schon immer gewiss war: Dass die westlichen Demokratien nicht mehr als Schönwetter-Veranstaltungen sind, die  bereits beim ersten richtigen Sturm erbärmlich in die Knie gehen.

Aber auch bei uns, die wir im Herzen dieses demokratieflüchtigen Panik-EUROpa leben, ist nach der Reaktion auf die griechische Volksabstimmung und deren blitzschneller Absetzung vom Programm jedem denkenden Zeitgenossen sonnenklar geworden, wen die bankrotten Eliten in Brüssel, Paris und Berlin als den gefährlichsten Feind fürchten und wen es unter allen Umständen in Schach zu halten gilt: nämlich das Volk selbst! Jenes Volk,, das doch – wenigstens auf dem bekanntlich überaus geduldigen Papier – der Souverän sein soll, tatsächlich aber den hochdotierten politischen Charaktermasken nur noch als Störfaktor bei ihrem demütigenden Götzendienst vor den Altären der „Märkte“ gilt, denen nun auch noch das Gold der Deutschen geopfert werden soll.

Nun wissen wir allerdings auch viel besser noch als zuvor, warum seit einigen Jahren all jene, die sich gegen die immer umfassendere Entmachtung, Ausplünderung und Zwangsmultikulturalisierung der Völker auflehnen, als „Populisten“ diffamiert,  als „Rechtspopulisten“ ausgegrenzt und zum Abschuss freigegeben werden. Denn das sind eben diejenigen, die ganz hartnäckig daran festhalten, dass Demokratie nur dann ist und währen kann, wenn das Volk die Entscheidung über Schicksalsfragen nicht nur an korrupte und korrumpierte Parteien und Politikdarsteller delegieren darf, sondern sich diese Entscheidungen selbst vorbehält.

Der deutsche Parteienblock mag intern über einiges uneinig sein, gewiss aber nicht über den entschiedensten Widerstand gegen Volksentscheide.  Die darf es unter gar keinen Umständen geben – schon gar nicht über EURO-Rettungsschirme, die im Ernstfall vor keinem Wassertropfen schützen werden. Denn der Berliner Parteienblock, der auch in Frankfurt und anderswo alle Macht besitzt, weiß nur zu gut, wie sich das Volk entscheiden würde, wenn es sich entscheiden dürfte.

Gewiss hat der griechische Ministerpräsident in seiner ausweglosen innen- und außenpolitischen Lage am wenigsten daran gedacht, ausgerechnet den  um ihr Geld fürchtenden Deutschen Appetit auf einen eigenen Volksentscheid zu machen. Tatsächlich aber ist ihm das gleichwohl gelungen. Das werden ihm die Merkels, Schäubles und all die anderen „Demokraten“ niemals vergessen und vergeben. Doch diese „Demokraten“ mit sehr beschränkter Haftung mögen durchaus den außer Kontrolle geratenen Politiker eines kleinen Volkes in die Kulisse verbannen können. Das Gespenst der Selbststimmung des Volkes werden sie allerdings so wenig bannen können wie das den DDR-Oberen möglich war, als der Ruf „Wir sind das Volk!“ durch Leipzigs Straßen hallte.

Von nun an werden die Forderung von immer mehr Menschen in Deutschland, nicht länger Spielball bankrotter politischer und ökonomischer Mächte zu sein, weder mit Unrecht noch gar Gewalt zum Verstummen gebracht werden können. Und wenn das die noch Mächtigen in Berlin und EUROpa nicht glauben sollten, sei ihnen empfohlen, sich mit den im Vergleich geradezu grundehrlichen sowie weitaus professioneller agierenden Undemokraten im Reich der Mitte in Verbindung zu setzen: Noch nicht einmal denen ist es in vielen Jahrzehnten gelungen, ihr Volk zum Schweigen zu bringen.

Immerhin zeichnen sich chinesische Verhältnisse nun aber auch in Deutschland und EUROpa deutlich ab – der Weg  von Peking über Athen nach Berlin und Brüssel ist nicht nur  geographisch kein allzu großer Umweg.

2 Comments »

  1. cicero 7. November 2011 at 22:50 - Reply

    Die vom Krieg geprägte Generation kannte noch den Satz: „So etwas mache ich nicht“. Sie hatte Prinzipien, oder wenigstens „rote Linien“. Heute dagegen rennt man jeder Sau hinterher, die durchs Dorf getrieben wird, und tut alles, um den schönen Schein aufrecht erhalten zu können. Man kippt Milliarden in ein Fass ohne Boden, man holt China ins Boot, man greift die Goldreserven an. Wie ein Spieler, der immer weiter spielt, weil er glaubt, alles wieder gut machen zu können, wenn er nur einmal noch gewinnen würde.

  2. alha 7. November 2011 at 22:54 - Reply

    Herr W. Hübner hat mit seinen Worten exakt die Situation in der EU analysiert. Ich verstehe nicht, weshalb DIE FREIHEIT in diesen schweren Tagen / Wochen nicht ihre Stimme erhebt, um Widerstand zu leisten gegen die EU- und Eurodiktatur. Dieses Unverstandnis meinerseits war der Anlasse, meine Mitgliedschaft zu kündigen. Trotzdem hoffe ich, dass DIE FREIHEIT endlich ihre Ziel, sich für das deutsche Volk einzusetzen, kraftvoll in Angriff nimmt. Dann bin auch ich wieder dabei.
    alha

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