Charlie Hebdo und der Dschihad der Gegenwart

6. November 2011 0

Kolumne: Die Meinung der Anderen | Von Peter Schulze

„Natürlich sind nicht alle Muslime Terroristen oder auch nur Fanatiker. Der Islam ist ein soziales System, und ein solches würde nur mit Terroristen ebenso wenig funktionieren, wie es nur mit Bäckern oder Philosophen funktionieren würde.“

Diese Worte schreibt Manfred Kleine-Hartlage in seinem herausragenden Buch Das Dschihadsystem. Dies beruhigt aber nicht wirklich, denn schon wenige Seiten später stellt er die These auf, „dass die militante Feindseligkeit gegen Andersgläubige in der theologischen Tiefenstruktur des Islams verankert ist, ja dass man den Islam am besten versteht, wenn man ihn als ein Dschihadsystem interpretiert.“ Der Dschihad, als Grundpflicht jedes Muslims, kann in vielfältiger Form ausgeübt werden. Die militante Form, auch wenn sie nur von einer winzigen Minderheit ausgeübt wird, ist aber keinesfalls wirkungslos.

Ein Grundprinzip des chinesischen Revolutionäres Mao Tse-tung war: Bestrafe einen, erziehe Hunderte. Der gezielte islamistische Mord an dem niederländischen Filmemacher Theo von Gogh hat Hunderte andere davon „überzeugt“, eben keinen islamkritischen Film zu drehen. Die mittlerweile zahlreichen Mordanschläge auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard und der Brandanschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo am 3. November 2011 haben islamkritische Zeichnungen nahezu weltweit gestoppt.

Der minutiös geplante Terroranschlag auf die dänische Zeitung Jyllands-Posten Ende 2010 – in allerletzter Sekunde aufgedeckt und gestoppt – hat weltweit Printmedien vorsichtig werden lassen. Die ständigen Morddrohungen gegen die aus Somalia geflüchtete niederländische Abgeordnete und islamkritische Autorin Ayaan Hirsi Ali haben dazu geführt, weil sie in den Niederlanden nicht mehr sicher war, dass sie erneut flüchten musste und dass viele andere Autoren eingeschüchtert wurden.

Der rituelle ausgeführte Mord an dem katholischen Bischof Luigi Padovese am 3. Juni 2010 in türkischen İskenderun hat in der katholische Kirche zu höchster Zurückhaltung, was ihre Präsenz in einem islamischen Land angeht, geführt. Der Befürworter eines „Reform-Euroislams“, Bassam Tibi, der jetzt in den USA lehrt, hat in einem Interview berichtet, dass er wegen ständiger Morddrohungen die letzte Zeit in Deutschland nur noch mit Personenschutz zubrachte.

Das Prinzip wirkt, von Speiseplänen und Aktivitäten in Kindergärten, über Schulen, bis zu Theatern und Opernhäusern. Unsere Zeitungen stellen den Islam, von einigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen, nur in einer verklärten, verharmlosenden Wunschform dar. Keinen Deut besser, das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Alle Sendungen, die auch manchmal nur zum Teil den Islam zum Thema haben, basteln sich unter Verdrehung historischer Tatsachen, durch Auslassungen, durch euphemistische Verbrämungen, durch schlichte Unkenntnis des Islams, letztlich durch selektive Auswahl bestimmter Interviewpartner ein Wunschbild desselben.

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