Gute, Böse, Weltenretter

4. November 2011 1

Frank-Furter Schnauze: Filmreifes Szenario

G20: Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer

Das G20-Treffen in Cannes ist zu Ende. Auf Spiegel-Online ist dazu zu lesen, der Gipfel hätte alles geboten, was ein guter Action-Streifen braucht: „Zwei Bösewichte aus Griechenland und Italien, zwei harte Cops aus Deutschland und Frankreich – und eine strahlende Heldin.“ Nur auf das Happy End müsse die Welt leider noch warten.

Tatsächlich beschreibt der Spiegel damit ungewollt höchst trefflich, was sich in der französischen Filmstadt ereignet hat: ein Schauspiel sondergleichen, auf dem Niveau eines unterklassigen Actionfilms. Die beiden Bösewichte sind Berlusconi und Papandreou. Letzterer hat übrigens das Verbrechen begangen, zur Euro-Rettung ein Referendum seines Volkes anzustreben. Böser Papandreou, sowas macht man nicht!

Glücklicherweise schickte die Europäische Union schon frühzeitig ihre besten Cops ins Rennen, um den Bösewichten das Handwerk zu legen: die deutsche Mutti und den französischen Milliardensassa. Er die treibende Kraft dabei, die Maastrichter Stabilitätskriterien über Nacht in einen nie dagewesenen, kontinentalen Transferzirkus zu verwandeln. Sie das Fähnchen im Wind, das die wundersame Gabe besitzt, sich gleichzeitig nach Milliardensassas Launen, als auch nach medialen Stimmungsschwankungen am heimischen Hofe auszurichten. Gut, dass es solche Guten gibt, in dieser bösen, bösen Zeit.

Am Ende ist außer Spesen jedoch wieder mal nichts gewesen. Da konnte selbst Barrack Obama nichts dran ändern. Dessen Rolle war ohnehin höchst merkwürdig: einst als potenzieller Weltenretter ins Weiße Haus gewählt und wegen – genau genommen – gar nichts zum Friedensnobelpreisträger ernannt, hechelte der US-Präsident den chaotischen Wirrungen und Windungen seiner europäischen Verbündeten nur so hinterher. Und wahrscheinlich kam er sich bei seinen gelegentlichen Forderungen, Europa müsse die Euro-Krise in den Griff bekommen, selbst ein wenig doof vor angesichts des ökonomischen Scherbenhaufens, der in seiner Heimat auf ihn wartet.

Was bleibt? Der Internationale Währungsfonds soll zukünftig alle drei Monate ein Auge auf den italienischen Staatshaushalt werfen. Mit Verlaub: da hätten sie auch gleich die Cosa Nostra ins dortige Innenministerium schicken können.

Derweil hat übrigens ein anderer Italiener, nämlich Mario Draghi, das Ruder in Europas größter Bad Bank (EZB) übernommen. Frei nach dem Motto: Bad Banks need bad People. Erste Amtshandlung des neuen Euro-Druckers: die Leitzinsen senken. Das macht Sinn, in Zeiten der drohenden Hyperinflation. Wahrscheinlich hat auch da die Cosa Nostra, entschuldigung: der Währungsfonds seine Finger im Spiel gehabt.

Bei wirklich guten Action-Filmen weiß man am Ende oft gar nicht mehr, wer jetzt eigentlich der Gute und wer der Böse ist. Genau dann hatte der Film Tiefgang, weil mehr geboten wurde, als nur simples Hauen und Stechen mit sinnbefreiter Schwarz-Weiss-Malerei. So gesehen war das heutige Schauspiel in Cannes vielleicht doch nicht ganz so unterklassig, wie es eingangs (im Spiegel) den Anschein hatte. Auf ein Happy-End muss die Welt trotzdem warten. Mutmaßlich noch eine ganze Weile.

One Comment »

  1. Claire Grube 5. November 2011 at 13:08 - Reply

    Was für einen „Schutzwall“ möchte der Spiegel eigentlich um Italien ziehen? Ein Wall aus Spielgeld, der zu einer gigantischen Inflation führen wird, wenn er in optimistisch geschätzten 4-5 Jahren verbrannt sein wird? Der Dumme wird nur der Bürger sein, der die Zeche zahlt.

    Barack Obama: „Es gibt viele Regierungen, viele Parlamente und viele europäische Institutionen.“
    Diese Einsicht ist für einen Ami doch schon bemerkenswert.

    Bei den Helenen wird aus dem Action-Movie aber ein klassisches Drama mit unfreiwilliger Komik. Niemand anders als der aktuelle FINANZminister soll möglicherweise das Ruder im Land übernehmen, wenn die Koalitionsverhandlungen scheitern. Da kann man sich dann fast sicher sein, dass im angesetzten Referendum noch ein Verfahrensfehler gefunden wird.

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