Vom Arabischen Frühling zum Islamistischen Winter

3. November 2011 0

Khaled Abu Toameh: Islamisten kommen aus ihren Verstecken

Arabellion: Demonstration in Kairo (Bild: Ramy Raoof, Quelle: Wikipedia)

Die „Revolutionäre“, die den libyschen Diktator Moammar Gaddafi sodomisierten, skandierten den berühmten islamischen Schlachtruf „Allahu Akbar!“ (Allah ist größer).

Als die Führer der Revolution auf einer Pressekonferenz Gaddafis Tod verkündeten, begannen selbst säkulare Muslime zu skandieren: „Allahu Akbar!“

Ein paar Tage später erklärte der Führer von Libyens Nationalem Übergangsrat, Mustafa Abdul Jalil, auf einer Demonstration in Benghazi, dass sein Land jetzt ein islamischer Staat werden würde. „Als muslimisches Land haben wir die islamische Scharia als Hauptquelle des Rechts übernommen. Entsprechend ist jedes Gesetz, das den islamischen Prinzipien mit der islamischen Scharia widerspricht, rechtlich außer Kraft gesetzt.“

An diesem Punkt ist noch nicht klar, welche Version des islamischen Rechts die neuen Herrscher Libyens durchsetzen wollen. Wird Libyen sich nach dem Beispiel des Iran, des Sudan und Saudi-Arabiens richten, wo Ehebrecher zu Tode gesteinigt und verurteilten Dieben die Hände abgehackt und auf öffentlichen Plätzen geköpft werden? Oder wird Libyen eine „moderatere“ Version des Islam gutheißen, wie es in vielen arabischen und islamischen Ländern der Fall ist?

Wie auch immer, inzwischen ist klar, dass das Libyen nach Gaddafi alles andere als ein säkulares und demokratisches Land sein wird, sondern eines, wo es keinen Raum für Liberale und Moderate gibt.

Diejenigen, die glaubten der arabische Frühling würde Moderatheit und Säkularismus in die arabische Welt bringen, stehen vor einer großen Enttäuschung.

Die Ergebnisse der ersten freien Wahlen, die unter dem Schirm des Arabischen Frühlings abgehalten wurden, haben in Tunesien jetzt die Islamisten an die Macht gebracht. Doch die Islamisten, die die Wahlen in Tunesien gewannen, werden bereits von ihren Rivalen beschuldigt zu „moderat“ zu sein, weil sie nicht Jihad und Terror gegen die „Ungläubigen“ befürworten.

Was ist mit all den jungen und charismatischen Facebook-Repräsentanten geschehen, die allen erzählten, dass die Aufstände den arabischen Ländern westliche Werte und Demokratie bringen würden? Einige der säkularen Parteien, die in Tunesien zur Wahl standen, gewannen nicht einen einzigen Sitz im Parlament.

Was vielen westlichen Beobachtern entging ist, dass die meisten der Antiregierungs-Demonstrationen, die im Verlauf der letzten zehn Monate über die arabischen Welt hinwegfegten, oft aus Moscheen heraus gestartet wurden und Freitagsgebeten folgten.

Das gilt insbesondere für Ägypten, den Jemen, Syrien und Jordanien.

Dank des Arabischen Frühlings beginnen die Islamisten in diesen Ländern aus ihren Verstecken zu kommen, um legitime Spieler auf der politischen Bühne zu werden.

Die Schrift an der Wand ist sehr groß und klar. In freien und demokratischen Wahlen werden diejenigen, die das Banner des „Der Islam ist die Lösung“ tragen, wichtige Siege in den meisten, wenn nicht allen arabischen Ländern davon tragen. Die Palästinenser waren die ersten, die diesen neuen Trend erfuhren, damals, 2006, als die Hamas die säkulare Fatah in freien und fairen Parlamentswahlen besiegten, die auf Forderung der USA und der EU abgehalten wurden.

Die Führer des Arabischen Frühlings haben es versäumt, sich ihrem Volk als eine bessere Alternative zu den Islamisten anzubieten. So weit es viele Araber angeht, ist dies eine gesichtslose Facebook-Revolution, die darin versagt hat neue Führer hervorzubringen. Der Arabische Frühling wird zum Islamistischen Winter.

Autor: Khaled Abu Toameh. Im Original erschienen auf Hudson-NewYork. Übersetzung: Heplev.


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