Verteidigt die Pressefreiheit!

3. November 2011 2

Kolumne: Ordnung muss sein

Ein Screenshot des von Muslimen beanstandeten Cover der Charlie Hebdo

Auf der Titelseite war eine Zeichnung des Propheten Mohammed zu sehen, mit einer Sprechblase in der er sagte: „100 Stockschläge wenn Sie sich nicht totlachen.“ Den Ausgang der ersten freien Wahlen in Tunesien hat das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo dazu genutzt, ein Sonderheft zu produzieren. Als Chefredakteur war Mohammed genannt.

Schon als in der Nacht nur die Titelseite im Internet zu sehen war, flogen Brandsätze in die Redaktionsräume der französischen Zeitung. Aufgebrachte Muslime schrieben Droh-E-Mails an die Redaktion. Das ist nicht etwa eine Geschichte aus einem fernen Land in den arabischen Staaten oder aus Griechenland, wo derzeit sicherlich auch viele Brandsätze in öffentliche Gebäude fliegen. Der Vorfall ereignete sich in der Hauptstadt Frankreichs, in Paris.

Das Satire-Magazin hatte den Ausgang der Wahlen in Tunesien dazu aufgegriffen, um zu einer allgemeinen öffentlichen Debatte anzustoßen. Darf man das? Innerhalb der Europäischen Union herrscht Meinungs- und Pressefreiheit. Diese wird sogar europarechtlich garantiert. Es ist doch gerade das Wesen der Satire, dass sie meist auf eine lustige Art daherkommt und durch direkte Art auf jeden Fall zu einer öffentlichen Diskussion anstoßen darf. Der Ausgang einer Parlamentswahl ist so ein Grund, um darauf aufmerksam zu machen, in welche Richtung ein Land steuert.

Insofern ist Charlie Hebdo nichts Verwerfliches vorzuwerfen. Darf man sich ein Bild von Mohammed malen? Zwar gibt es ein entsprechendes Verbot innerhalb des Koran, aber das richtet sich ja nur an Muslime. Jeder der will, kann und darf Mohammed malen. Anders sieht es auch nicht mit Jesus aus, der in unzähligen Gemälden verewigt wurde.

Dass sich Muslime durch die Zeichnung des Propheten persönlich gekränkt gefühlt haben könnten, hat keinen zu interessieren. Sie können sich beleidigt fühlen, wenn sie ein Bild des Propheten sehen, weil es den Befehlen des Korans widerspricht. Aber es widerspricht eben nicht der Presse-, der Meinungs- oder der Kunstfreiheit.

Und deswegen sollten wir uns nicht durch Gewalt oder Brandanschläge einschüchtern lassen.

Charlie Hebdo bringen all diese Worte nichts mehr. Ihre Computer sind durch die hohe Hitze und das Löschwasser zerstört. Es ist ein Zeichen der Solidarität, dass eine konkurrierende Zeitung seine Redaktionsräume und Infrastruktur für die nächste Ausgabe zur Verfügung stellt. Und eigentlich müssten jetzt alle Zeitungen Europas – so wie im Falle der dänischen Mohammed-Karikaturen 2006 – aus Solidarität die Karikatur auf ihrer Titelseite drucken.

Es lebe die Pressefreiheit!

2 Comments »

  1. Felix Strüning 3. November 2011 at 15:08 - Reply

    Bei EuropeNews gibt es die Karikatur auch auf Deutsch und zum Ausdrucken – falls irgendjemand sie sammeln, im Bus liegen lassen oder an die nächste Laterne heften will…

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