„Lieber hinter Olaf als hinter Achmed“

3. November 2011 2

Vergewaltigungsserie erschüttert Norwegen

Oslo am 22. Juli 2011: Rauch steht über der Stadt, nachdem der Amokläufer Anders Breivik einen Sprengsatz im Regierungsviertel gezündet hat. (Bild: Wikipedia)

Gut drei Monate nach den verheerenden Anschlägen in Oslo und Utoya erschüttert eine Vergewaltigungsserie die norwegische Hautpstadt. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, gab es in diesem Jahr 49 Vergewaltigungen in der Stadt, 24 waren es im letzten Jahr – und schon das waren für Osloer Verhältnisse außerordentlich viele.

Bürgermeister fordert „dramatische Schritte“

In 45 Fällen wurden die Täter als Ausländer beschrieben, beziehungsweise als „nicht-westlicher Herkunft“, wie es offiziell heißt. Das schürrt freilich Ressentiments. Fabian Stang, der konservative Bürgermeister der Stadt, fordert „dramatische Schritte“: Man müsse das „Menschen- und Frauenbild“ gewisser Gruppen in Frage stellen und gar die Bewegungsfreiheit von Alsylbewerbern einschränken.

Auch Arne Johannesen, Chef der Polizeigewerkschaft sieht das ähnlich. Er fordert sogar Internierungslager für Asylbewerber ohne gültige Papiere. Denn das würde die Zahl der Vergewaltigungen drastisch reduzieren.

Ein moralisches Dilemma

Natürlich ist nicht jeder Ausländer per se ein Krimineller und nicht jeder Krimineller per se ein Ausländer, stellt unter anderem auch die Integrationsbeauftragte Ida Børresen in der öffentlichen Debatte klar. Doch auch sie muss zugestehen: „Tatsache ist, dass kriminelle Asylbewerber ohne Dokumente in der Täterstatistik klar überrepräsentiert sind.“

Wegen der Anschläge im Juli diesen Jahres stecken die Norweger in einem moralischen Dilemma: die Rechtspopulisten, die mit dem Täter Anders Breivik in Verbindung gerbacht wurden, verloren drastisch an Zuspruch in der Bevölkerung. Nun aber erreicht die Anzahl der Vergewaltigungen ähnliche Ausmaße wie die Zahl der Todesopfer in Oslo und Utoya. Darf man also – wenn die Relation der von Ausländern begangenen Vergewaltigungen derart überproportional ist – im Norwegen nach Breivik öffentlich noch Meinungen äußern und Haltungen einnehmen, die gemeinhin als Sichtweise von „Rechtspopulisten“ gelten?

„Lieber hinter einem Olaf als hinter einem Ahmed“

Die norwegische Gesellschaft ist besonders offen, offener als die meisten anderen in Europa. Und die Norweger betrachten dies als ihr Markenzeichen. Dennoch braucht es gerade in dieser Zeit wohl Stimmen wie die von Kadra Yusuf, einer aus Somalia stammenden Chronistin, die sagt: „Ich gehe lieber hinter einem Olaf als hinter einem Ahmed nach Hause“.

2 Comments »

  1. the_critical 3. November 2011 at 16:40 - Reply

    Das Dilemma von Norwegen… Ich wünsche Oslo viel Erfolg bei der Suche nach einer Lösung, die die Sicherheit der Frauen verbessert. Der Begriff Internierungslager klingt etwas nach KZ, gibt des da eine Erklärung, was in Norwegen unter einem solchen Lager zu verstehen ist?

    Wie sehen die Zahlen in Deutschland aus und ist hier eine solche Debatte überhaupt möglich?

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