Ja? Jein? Nein!

3. November 2011 1

Frank-Furter Schnauze: Aus der Traum!

Aus der Traum von der direkten Hellenendemokratie! Es dauerte nicht lange, sondern nur wenige Tage, da wurde in Griechenland aus einem „Ja“ zum Referendum über die Euro-Rettung ein „Nein“. Dazwischen dürfte viel hintergründiges „Jein“ im Spiel gewesen sein.

Mutmaßlich sind die Telefondrähte in Athen in den vergangenen Tagen heiß gelaufen. Heißer als sonst, wohlgemerkt. Und so manch ein Genosse in Berlin, Paris und Brüssel dürfte gar zum Stalker mutiert sein, um ja zu verhindern, dass in Griechenland das Volk über sein eigenes Schicksal entscheidet. Stattdessen soll es jetzt eine Übergangsregierung richten, in der Experten statt Politiker sitzen. Klingt gut? Ist es aber nicht. Statt dem Referendum als Urtyp der Demokratie wird nun eine parteiübergreifende Expertenkommission über das Schicksal der Griechen bestimmen. Und das ist faktisch nichts anderes, als die Vorstufe eines sozialistischen Politbüros, entschuldigung, Expertenbüros.

Verwundern kann das nicht. Im Gegenteil, es erscheint geradezu logisch, dass der gegenwärtigen Machtelite aus Herrschenden und Absahnenden kaum etwas unangenehmer ist, als Demokratie. Allen Beteuerungen, man sei gegen den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gewappnet, zum Trotz: ein „Nein“ im Athener Referendum hätte die gewaltige Blase aus schuldenfinanziertem Staatsgehabe zum Einstürzen bringen können. Und das zu einer Zeit, in der Frankreichs Milliardensassa Sarkozy einem Wahlkampf entgegen geht? Wohl kaum. Eher versöhnen sich zwei seit Jahren aufs Blut verfeindete Parteien und rufen gemeinsam eine Übergangsregierung aus. So geschehen heute in Griechenland.

Die Wahrheit ist zudem: es war längst nicht nur die Sorge vor dem in Medien und Politik an den Himmel gemalten volkswirtschaftlichen Schwarzen Loch, das ganz Europa im Falle eines griechischen „Neins“ zu verschlingen und in der Steinzeit wieder auszuspucken drohte, weswegen die Akteure in ihren Regierungspalästen und Bankentürmen tagelang panisch vor Angst und manisch vor Wut waren. Nein, viel dramatischer und gefährlicher erschien aus deren Sicht das folgende Szenario: ein Land, wenn auch ein kleines, macht den Bürgern  Europas vor, was sie längst vergessen haben. Nämlich, was Demokratie im Kern bedeutet: die Macht des Volkes. Und die lieben Merkel und Co. so sehr wie der Teufel das Weihwasser.

Ein anderes kleines Land im Herzen des Kontinenten zeigt übrigens seit Jahren, wie das geht: die Schweiz. Dort, im direkt-demokratischen Paradies, hat der Bürger noch die Hosen an und der Politiker ist – wenn man so will – nicht mehr als ein austauschbarer Dienstleister des Volkes.

Keine Experten, die über das Wohl des Landes bestimmen, sondern die dumme, breite Masse? Das kann ja nicht funktionieren, könnte man meinen. Ein Blick auf die volkswirtschaftlichen Zahlen der Eidgenossen, allen voran Arbeitslosigkeit und Kaufkraft, belegt das Gegenteil. Die Menschen scheinen instinktiv besser zu wissen, was gut für sie ist, als irgendwelche, in ihren eigenen Hirnwindungen umher irrenden, selbsternannten Experten. Und ein wesentlicher Faktor unterstützt diesen Eindruck: die Schweizer hatten nämlich für den Euro, gleichwohl für viele andere ökonomische Hirngespinste der Brüsseler Sozialistengarden, bisher nur eine Antwort. Nicht „Ja“, nicht „Jein“, sondern klipp und klar: „Nein!“

One Comment »

  1. Christopher v. Mengersen 4. November 2011 at 10:46 - Reply

    Mal wieder ein echt genialer Artikel von dir, Marco.
    Weiter so!!!

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