Erdogan von Sinnen

2. November 2011 3

Türkischer Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wirft Deutschland Menschenrechtsverletzung vor

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat anlässlich seiner Deutschland-Reise der Bild-Zeitung ein Interview gegeben, in dem er einmal mehr schwere Vorwürfe gegen die deutsche Integrationspolitik erhob.

Genetisch bedingt „offen und loyal“

Die Türken seien grundsätzlich – und zwar genetisch bedingt! – offen und loyal, sagte Erdogan gleich zu Beginn des Interviews und führte aus: „Das türkische Volk sieht das deutsche Volk immer noch mit sehr positiven Gefühlen an. Deswegen sollte Deutschland mit der Türkei viel mehr Solidarität zeigen.“ Auf die Frage, was der größte Fehler sei, den die deutsche Politik mit Blick auf die Integration gemacht habe, sagte Erdogan: „Die deutsche Politik würdigt die Verflechtung der drei Millionen Türken in Deutschland nicht genug.“

Deutschland müsse zudem viel mehr für den EU-Beitritt der Türkei tun, „weil er die Integration massiv vorantreiben würde.“ In dem Zusammenhang forderte Erdogan erneut die Doppelte Staatsbürgerschaft für türkische Einwanderer in Deutschland: „Natürlich würde ich es vorziehen, wenn alle drei Millionen doppelte Staatsbürger sein könnten.“

Deutsche Politik „verletzt Menschenrechte“

Auf die Frage, was der größte Fehler sei, den die türkischen Einwanderer in Deutschland machen, antwortete Erdogan hingegen nur pauschal, dass sicher Fehler gemacht würden. Auf Nachfrage von Bild-Online, was dies konkret bedeuten würde, ging Erdogan erneut in die Offensive und formulierte weitere Vorwürfe gegen die deutsche Politik, die die zugezogenen Türken nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung sehen müsse. Dazu fiel dem türkischen Ministerpräsidenten ein Beispiel ein: „Wenn ein junger türkischer Mann ein Mädchen aus der Türkei liebt und heiraten möchte, wird dies als ein Fehler angesehen, denn die Bundesregierung verlangt, dass diese Frauen vorher Deutsch lernen müssen. Aber ich bitte Sie, welche Sprache spricht die Liebe?“

Es könne nicht sein, dass die Liebe junger Menschen per Verordnung nur auf Deutsch funktionieren dürfe, so Erdogan, der an die Adresse deutscher Politiker noch hinzufügte: „wer Deutschkenntnisse zur wichtigsten Voraussetzung erklärt, verletzt die Menschenrechte“.

Deutlicher Trend zur Re-Islamisierung

Aufgrund zahlreicher Probleme mit zwangsverheirateten Frauen vor allem aus muslimischen Ländern hatte die Bundesregierung im Jahr 2007 das Gesetz zum Ehegattennachzug verschärft. Seitdem gilt ein Mindestalter von 18 Jahren, zudem müssen einfache Deutschkenntnisse nachgewiesen werden. In der Türkei löste diese Neuregelung heftige Proteste aus.

Derweil ist es um die Umsetzung der Menschenrechte in Erdogans Heimatland nach wie vor sehr schlecht bestellt: religiöse Minderheiten werden unterdrückt, das Problem mit häuslicher Gewalt, insbesondere gegen Frauen, ist nach wie vor ungelöst und der Konflikt mit der kurdischen Bevölkerung hat sich jüngst erneut verschärft. Darüber hinaus ist seit der Regierungsübernahme durch die islamistisch-konservative Partei AKP von Recep Tayyip Erdogan ein deutlicher Trend zur Re-Islamisierung erkennbar.

3 Comments »

  1. warthog 4. November 2011 at 00:16 - Reply

    „Dein Kommentar muss noch moderiert werden“

    wie lange dauert das denn?

  2. Marco Pino 4. November 2011 at 00:42 - Reply

    Hallo Warthog,
    erst einmal vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir wünschen uns in unserem Forum eine kontroverse und kritische Auseinandersetzung zu den Themen dieser Zeit. Jedoch möchten wir Sie bitten, keine Schimpfwörter und Beleidigungen zu verwenden. Denn so etwas bringt uns in einer politischen Debatte nicht weiter. Da wir Leserkommentare grundsätzlich nicht editieren möchten (Sprich: Beleidigungen löschen), würden wir uns freuen, wenn Sie Ihre Meinung auf eine sachlichere Weise erneut posten. Vielen dank. MfG

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