Bla, Bläh, Blubb

2. November 2011 1

Frank-Furter Schnauze: Der Erdowahn geht weiter

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist in Deutschland zu Besuch und hat sich einmal mehr größte Mühe gegeben, bloß jedes negative Klischee über seine Landsleute zu bestätigen. Den Anfang machte er in einem Bild-Interview. Darin gab er sich zwar Staatsmännisch und warb für ein friedliches Miteinander, machte jedoch (unwissentlich) ebenso deutlich, warum die Integration vieler Türken hierzulande so viel schwieriger war und ist als die von Spaniern, Griechen und Italienern.

Schon in der ersten Frage ließ er den Leser wissen, Türken seien ihrer Gene wegen „offen und loyal“. Diese wirklich bemerkenswerte Aussage sollte der Auftakt sein zu einem neuerlichen erdowahnschen Forderungskatalog. So solle Deutschland sich beispielsweise für den EU-Beitritt der Türkei stark machen. Dies diene nämlich der Integration, so Erdogan. Interessant wäre freilich die Frage, von was für einer Integration da überhaupt die Rede ist. Bei seinem heutigen Auftritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erneuerte Erdogan seine Behauptung, Assimilation sei ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Und wieder hat niemand nachgefragt, was eigentlich so unmenschlich daran ist, von jemandem zu verlangen, deutsch zu sein – und was wir Deutsche von einem türkischen Ministerpräsidenten halten sollen, der so einen banalen Unfug von sich gibt.

Nicht weniger widersinnig äußerte sich Erdogan im Bild-Interview auf die Frage, warum er den Türken in Deutschland empfohlen habe, zu erst türkisch und dann deutsch zu lernen. Seine Antwort: es sei eine sprachwissenschaftliche Erkenntnis, dass ein Kind erst eine neue Sprache erlernen soll, wenn es die eigene Sprache gut kann. Man merke: selbst in der vierten Generation ist die „eigene Sprache“ eines  Kindes türkischer Einwanderer per Definition also türkisch. Freilich, wenn die drei Generationen zuvor nicht anständig deutsch gelernt haben, macht das durchaus Sinn. Das sollen „sprachwissenschaftliche Erkenntnisse“ sein? Tatsächlich handelt es sich wohl eher um einen integrationsverweigerischen Offenbarungseid.

Gänzlich absurd kam Erdogans Antwort auf die Frage nach den Verfehlungen türkischer Einwanderer daher. Anstatt sich überhaupt nur damit auseinander zu setzen (oder gar ein einziges mal Selbstkritik zu üben, wenn auch nur zum Scheine!), nahm der türkische Ministerpräsident erneut die Deutschen ins Visier und packte dazu ein Beispiel aus, das weltfremder nicht mehr hätte sein können: die Forderung der Bundesrepublik, dass Ehegatten aus der Türkei einfache Deutschkenntnisse vorweisen müssen, um nach Deutschland nachziehen zu dürfen, stünde den vielen innigen, sehnsuchtsvollen türkisch-türkischen Liebschaften im Wege, die es da zwischen jungen Menschen in Ankara und Berlin, Frankfurt und Istanbul, Hamburg und Izmir (und sonstwo) zu geben scheint – und sei daher eine Verletzung der Menschenrechte. Kein Wort von Importbräuten und Zwangsverheiratungen – Liebe scheint unter Türken schon zu bestehen, wenn man sich noch gar nicht getroffen hat. Wahrscheinlich liegt auch das in den Genen.

Erdogans Aussagen im Bild-Interview sind mit drei einfachen Worten höchst trefflich beschrieben: Bla, Bläh, Blubb. Tatsächlich steht seine mangelnde Fähigkeit zur Selbstkritik, sein ständiges, penetrantes Fordern, und seine – vornehm ausgedrückt – höchst merkwürdige Wahrnehmung und Darstellung der Realität geradezu exemplarisch dafür, warum es bei der Integration türkischer Einwanderer so viele Probleme gibt. Einen Hinweis auf einen anderen, nicht weniger gewichtigen Grund hat indes die Bundesregierung selbst geliefert: die lud nämlich weder den spanischen, noch den griechischen oder den italienischen Ministerpräsidenten zu vergleichbaren Feierlichkeiten ein, als sich die Anwerbeabkommen mit deren Ländern zum 50. mal jährten.

Aber warum auch? Diese Einwanderergruppen wurden ja schließlich auf höchst unmenschliche Weise mehrheitlich erfolgreich assimiliert.

One Comment »

  1. Claire Grube 2. November 2011 at 22:55 - Reply

    Treffend formuliert. Herr Erdowahn zeichnet sich vor allem durch Realitätsverlusst aus. Was will man erwarten, wenn man bei selbst bei einer ganzen Insel wie Zypern nicht „mein“ und „dein“ auseinander halten kann.

    Aber was soll er auch sagen – er will auch an den Tropf der EU – jetzt wo seine griechischen „Freude“ diesem Plan bald schon nicht mehr im Wege stehen könnten, weil sie entgegen aller „Warnungen“ der EU demokratisch über die Sache entscheiden wollen. Nun müssen wieder EU-Millionen für Propaganda verbraten werden, um die irren Helenen doch noch auf den Pfad der Tugend zu führen.

    Selbst der Spiegel-Geschädigte Pöbel mit leichten Ambitionen zu totalitären Regimen sollte bei seinem offensichtlichen Krankheitsbild hellhörig werden – das verbindet ihn nämlich mit anderen Herrschern garnicht all zu lang vergangener Tage.

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