Scheinheilige Fassade

26. Oktober 2011 0

Ditib: Hinter der Fassade des Kölner Moscheebauprojekts

Am Wochenende kündigte die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ (Ditib), Bauherrin einer gigantischen Moschee in Köln-Ehrenfeld, den Vertrag mit dem Architekten Paul Böhm. Dessen Beauftragung für den Bau der Moschee war einst in Köln als Zeichen für den interreligiösen Dialog gefeiert worden, da Böhm Sohn eines bekannten katholischen Kirchenbaumeisters ist. Sein Entwurf sah zudem eine transparente Architektur mit einer freistehenden Kuppel vor, die Offenheit symbolisieren sollte.

Als Grund für die Kündigung gab die Ditib vor, ein Gutachten habe Baumängel nachgewiesen. In einer Pressemitteilung vom Wochenende heißt es zudem, Architekt Böhm würde „in der technischen Abwicklung den eigenen gestalterischen und qualitativen Ansprüchen nicht mehr gerecht“.

Wie FAZ.net aktuell berichtet, antwortete Böhm nun seinerseits in einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe. Tatsächlich sei die Ditib einer Kündigungsandrohung durch Böhms Büro zuvorgekommen. Das Verhältnis zwischen beiden Parteien sei seit der Neubesetzung des Vorstands der Ditib und dem kompletten Austausch des  vierzigköpfigen (!) Moscheebeirats zerrüttet. So seien verbindliche Absprachen nicht mehr eingehalten worde, zudem hätte die Ditib seit April fällige Zahlungen nicht mehr bezahlt.

Verwunderlich ist auch der Zeitpunkt der Kündigung. Die Moschee soll im April 2012 fertig gestellt sein, es fehlen lediglich noch Fassadengestaltung, Farbgebung und die Gestaltung des Innenraums. Gerade hier gehen aber wohl die Vorstellungen des Architekten und der neuen Führung der Ditib auseinander, meint FAZ-Redakteur Andreas Rossmann, und schlussfolgert: „Hat Böhm, den sie (die Ditib, Anm. der Redaktion) gleichsam als Bautrojaner einsetzen konnte, um als weltoffene, liberale Organisation zu erscheinen, seine Schuldigkeit getan?“

Die Ditib ist nach eigenen Angaben die mitgliederstärkste Migrantenorganisation in Deutschland. Ihr sind zahlreiche Moscheevereine angeschlossen, die insgesamt über 800 Moscheen betreiben. Der in Köln ansässige Verein untersteht laut Wikipedia der „dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten der Türkei in Ankara und damit indirekt dem türkischen Ministerpräsidenten.“

 

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