Form Follows Function – oder doch andersherum?

21. Oktober 2011 0

Über Steve Jobs Vorliebe für schwarze VONROSEN Pullover aus Berlin

Es war das Markenzeichen des Apple-Chefs Steve Jobs: Der schwarze, schlichte Rund- oder Rollkragenpullover. Ein junger Berliner Designer hat das letzte öffentlich von Jobs getragene Exemplar designt und vertrieben.

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[wptabtitle]VONROSEN[/wptabtitle]
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[wptabtitle]MAN Cashmere Sweater Black[/wptabtitle]
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[wptabtitle]MAN Turtle Neck Sweater Black[/wptabtitle]
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[wptabtitle]Steve Jobs auf der WWDC 2011[/wptabtitle]
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Als der Apple-Chef Steve Jobs zur World Wide Developers Conference 2011 (WWDC 2011) zum vorletzten Mal öffentlich auftrat, spekulierten schon seit Wochen Applefans auf der ganzen Welt, was der iGod – wie Steve Jobs in Applekreisen liebevoll hieß – dieses Jahr vorstellen würde. Worüber die Applefreunde nicht spekulierten mussten: Das Outfit des Unternehmers. Seit Jahren tritt Jobs immer im einfachen schwarzen Rollkragenpullover, einer Jeans und Turnschuhen auf.

Bei einer Reise nach Japan in den frühen 80iger Jahren hatte sich Jobs beim Elektronikkonzern Sony erkundigt, warum dort alle Mitarbeiter eine einheitliche Kleidung tragen. Sony-Chef Akio Morita erläuterte, dass viele Arbeiter nach dem Krieg keine Kleidung mehr hatten und die Firmen so für die Kleidung der Mitarbeiter sorgen mussten. Eine einheitliche Bekleidung im Unternehmen würde außerdem die Identifikation der Mitarbeiter mit dem eigenen Unternehmen verstärken. Jobs entschied sich auch dafür, seine Mitarbeiter auf diese Weise an das eigene Unternehmen zu binden. Bei dem Sony-Designer bestellt Jobs eine Reihe von Musterwesten, die er anschließend seinen Mitarbeitern vorstellte. Doch alle hassten diese Idee.

Jobs änderte seine Meinung, er wollte nur noch seine eigene Uniform. Bei einem Designer fragte er an, ob er ihm einige der schwarzen Rollkragenpullover machen könne, die er so mochte. Jobs erhielt rund 100 Stück.

Über die Jahre hat sich Jobs verschiedener Modelabels bedient. Das Model 1990 der US-Firma St. Croix ist bereits ausverkauft. Während seines letztens Auftritts aber trug er einen Pullover aus Berlin. Im Frühjahr 2010 sendete der junge Designer David von Rosen einen seiner schwarzen Rollkragenpullover, Modell Cashmere Sweater Black Turtleneck, nach Cupertino, in das Headquarter von Apple. Dabei war sich David von Rosen gar nicht sicher, ob der Pullover Jobs je erreichen würde. Als großer Apple-Fan ging er das Risiko einfach ein, gibt er heute zu. In den Büros seines mittelständischen Unternehmens im Herzen von Berlin stehen natürlich Apple-Computer.

Und dann kam die Überraschung: Jobs bestellte den schwarzen Pullover in verschiedenen Schnitten: Rundhals, V-Ausschnitt und den bekannten Rollkragenpullover, immer in schwarz. Als schließlich am Abend des 6. Juni 2011 bei David von Rosen das Telefon klingelt, ist ein Freund in der Leitung. Er ist sich nicht sicher, ob es tatsächlich ein VONROSEN-Pullover ist, den Jobs dort auf der WWDC gerade trägt. Doch das gesamte Team von VONROSEN kann sich selbst am Bildschirm überzeugen. „Wir haben uns natürlich sehr darüber gefreut, als Steve Jobs im Frühjahr 2011 den Pullover bei uns bestellt hat. Das hat uns gezeigt, dass er unsere Qualität und unser Design schätzt“, sagt der Unternehmer. „Doch bis zu diesem Tag hätten wir nicht gedacht, dass er einen unserer Pullover bei einem so wichtigen Termin tragen würde.“

Die klare Sprache der Form, die Qualität und der Lebensstil verbinden den kleinen Modedesigner mit dem Computer-Konzern aus den USA, findet David von Rosen. Jobs schwarzer Rollkragenpullover hatte 420 Euro gekostet, besteht aus reinem Kaschmir und wurde in Italien produziert.

Steve Jobs hatte einmal über seine Pullover gesagt, es habe den einfachen Vorteil, sich nicht jeden Morgen überlegen zu müssen, was man anziehen will, weil man ohnehin nur das eine anziehen wird. Der schwarze Rollkragenpullover wurde zu Jobs Markenzeichen. „Aber Jobs wurde auch zum Markenzeichen des schwarzen Rollkragenpullovers“, so David von Rosen. „Es ist schon außergewöhnlich, privat immer dasselbe Outfit zu tragen, diese Art sich durchgängig zu kleiden interessiert andere Menschen.“ Seinen Kunden, so denkt David von Rosen, geht es beim Tragen seiner Waren, nicht vordergründig um die Marke, sondern „um ihr eigenes Wohlbefinden und um Understatement. Das sind Menschen, die Qualität und Purismus sehr schätzen, die sich selber etwas gönnen möchten.“

Auch Steve Jobs war einer von Ihnen, ein Mann der die Lebensqualität für sich genoss. „Wir sind froh darüber, dass sich Steve Jobs, der Branding-Guru schlechthin, für VONROSEN entschieden hatte“, sinniert von Rosen. Seitdem bekannt wurde, dass Jobs die Pullover des Berliner Designers trägt, stieg die Zahl der Bestellungen, Zahl der Registrierungen im Onlineshop verdreifachte sich in den vergangenen Wochen: „Unser schwarzer Rundkragenpullover wird wohl bald ausverkauft sein.“

Doch wie immer gibt es auch einen Wermutstropfen: Lange wird es David von Rosens Marke VONROSEN nicht mehr geben. In einem Markenrechtsstreit mit Anson’s unterlag von Rosen. Die Verwechslungsgefahr mit der Marke Paul Rosen sei zu groß. David von Rosen entschied sich vor einigen Monaten zu einer außergerichtlichen Einigung, so dass er und seine kleines Unternehmen zum 31. Dezember 2011 die Marke VONROSEN aufgeben werden. Für eingefleischte Apple-Fans also Chance, sich noch einmal ein richtiges Weihnachtsgeschenk zu gönnen.

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