Innovationsindikator 2011: Deutschland hat sich deutlich verbessert

14. Oktober 2011 0

Studie der Deutsche Telekom Stiftung und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)

Institution: Deutsche Telekom Stiftung, Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)
Titel: Innovationsindikator 2011
Veröffentlicht: 13.10.2011
Download: Zentrale Ergebnisse (html), gesamter Bericht (PDF), English Abstract (PDF)

Deutschland hat seine Innovationsleistung in den vergangenen fünf Jahren deutlich verbessert und belegt im Vergleich von 26 Industriestaaten Rang 4 (2009: Rang 9 von 17). Wesentlicher Grund dafür sind die hohen Investitionen der öffentlichen Hand in Forschung und Wissenschaft. Zu diesem Schluss kommt der Innovationsindikator 2011, den die Deutsche Telekom Stiftung und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in diesem Jahr zum sechsten Mal herausgeben.

Zu den großen Schwachstellen des deutschen Innovationssystems zählt nach wie vor der Bildungsbereich. Die Mängel im Bildungssystem lassen die Bundesrepublik im Innovationsranking auf Platz 17 (2009: Rang 12) abrutschen. Deutschland schneidet mit Ausnahme der beruflichen Bildung bei keinem der Bildungsindikatoren gut ab. Das duale System leistet einen wesentlichen Beitrag zum Innovationserfolg, kann andere Schwächen jedoch nicht ausgleichen. Besonders fehlen akademische und beruflich qualifizierte Fachkräfte. Selbst bei der ehemaligen deutschen Stärke, dem Anteil der Promovierten in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), ist Deutschland zurückgefallen. Langfristige Verbesserungen – so die Innovationsforscher – erfordern unter anderem Bildungsbündnisse von Bund, Ländern und Kommunen mit Handlungsspielräumen. Der Bildungsföderalismus sei reformbedürftig und das im Grundgesetz verankerte Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern müsse wegfallen.

Der Ländervergleich zeigt: Steuerliche Anreize sind internationaler Standard. Im Vergleich zu den meisten anderen Industrieländern leistet der deutsche Staat insgesamt weniger finanzielle Unterstützung für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen und nutzt dabei ausschließlich Instrumente der direkten Projektförderung. So entwickeln die Firmen in Deutschland ihre Innovationen ohne Steuerentlastungen. Die Bundesregierung – so die Experten – könnte mit einer solchen Förderung kontinuierlichere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten anstoßen und damit die Attraktivität Deutschlands als Innovationsstandort stärken. Die steuerliche Entlastung käme allen forschenden Unternehmen zugute und wäre ein wichtiger Standortfaktor gerade für international tätige Unternehmen. Besonders kleine und mittlere Betriebe, die neu in Forschung und Entwicklung einsteigen oder ihre Aufwendungen dafür erhöhen möchten, würden von dieser Maßnahme profitieren. Für sie sind Instrumente der direkten Projektförderung häufig zu aufwendig.

In konkreten Handlungsempfehlungen raten die Experten, in Deutschland Forschung und Entwicklung der Unternehmen steuerlich zu fördern, wissenschaftlichem Nachwuchs Perspektiven zu bieten und das geistige Eigentum verlässlich zu schützen. Ebenso braucht Deutschland mehr akademische und beruflich qualifizierte Fachkräfte, eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen

Das Länderranking wird in diesem Jahr von der Schweiz angeführt, gefolgt von Singapur und Schweden. Die USA fallen erheblich ab und landen auf Platz 9 (2009: Rang 1). Der asiatische Raum holt in punkto Innovationsstärke auf. Die Ergebnisse 2011 unterstreichen die Entwicklung der Region zu einer der weltweit bedeutendsten Wirtschaftsregionen. Asien ist damit ein attraktives Feld für Forschung, Entwicklung und Investitionen. Was ihre Innovationsstärke angeht, haben die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika derzeit noch erheblichen Aufholbedarf. Die Studie zeigt jedoch, dass sie sich immer stärker auf dem Vormarsch befinden und sich zu Kraftzentren entwickeln. In dieser Gruppe spielt China eine Sonderrolle. Nicht allein wegen seiner Größe und seiner Dynamik, sondern auch wegen der hohen Innovationsbereitschaft seiner Bevölkerung. Hier rechnen die Experten mit hohen Innovationszuwächsen.

Der Innovationsindikator wurde in diesem Jahr erstmals von einem Institutskonsortium erarbeitet. Dazu gehören das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI), das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und das Maastricht Economic and Social Research Institute on Innovation and Technology der Universität Maastricht (MERIT). Die Ökonomen haben die Innovationsfähigkeit der 26 Volkswirtschaften in allen dafür wichtigen Feldern beleuchtet: Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft. Insgesamt setzt sich der neue Innovationsindikator aus 38 Einzelindikatoren zusammen, die für die Beschreibung der Innovationskraft eines Landes relevant sind. (Quelle)

Leave A Response »