Keine Ahnung, aber eine Meinung…

13. Oktober 2011 1

Kolumne: Ordnung muss sein

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat ein Buch geschrieben. Wieder einmal. In seinem Werk neuen Mut zur Integration will er Lösungswege bieten und reflektiert sein persönliches Verständnis von Integration. Dem Berliner Tagesspiegel überließ er vorab einen Ausschnitt.

Dass Klaus Wowereit wesentliche Erfolge in der Integrationspolitik vorweisen kann, kann angesichts der gravierenden Integrationsprobleme in Berlin nicht behauptet werden. Über zehn Jahre regiert er nun eine Stadt, die mit Gewalt, Armut und Integrationsproblemen zu kämpfen hat. Er behauptet, auch er habe einen Migrationshintergrund und habe sich wunderbar in Berlin integriert. Vielleicht hätte er sich noch mal bei seinem Integrationsbeauftragten Günter Piening versichern lassen müssen, dass er eben keinen Migrationshintergrund hat – zumindest nicht im Sinne des Berliner Partizipations- und Integrationsgesetzes.

Immerhin weiß Klaus Wowereit, wie schwer und anstrengend es sein kann, sich von ganz unten bis zum Regierenden Bürgermeister von Berlin hoch zu kämpfen. Stolz berichtet er, wie der kleine Klaus jeden Monat zum Kohlenhandel musste, um die Schulden für das Heizöl zu bezahlen. Eine solche Geschichte hätte auch von Heinz Buschkowsky stammen können, der sein erstes Geld auf den Kartoffelfeldern verdiente, auf denen heute die Neuköllner Gropiusstadt steht. Und heute wäre eine solche Geschichte wegen Heizkostenzuschuss und Hartz-IV gar nicht mehr möglich.

Wowereit behauptet von sich, Chancen genutzt zu haben, die ihm die Gesellschaft geboten habe. Er vergisst dabei zu sagen, dass er diese Chancen haben wollte und sie auch nutzen wollte. Ja, den Willen zur Integration blendet Wowereit in seinem ersten Text, den der Tagesspiegel abdruckte, völlig aus. Er spricht Problemen, ohne diese zu benennen. Als einer, der nicht gerade als Integrationsexperte bekannt ist, behandelt Wowereit in seinem Buch Probleme, die er offensichtlich nicht kennt und auch nicht kennen will, die für ihn nur aus einem theoretischen Geflecht bestehen.

Er hätte gut daran getan, mit den Integrationsbeauftragten der Bezirke Mitte und Neukölln zu sprechen. Er hätte sich nach den Bildungsreisen des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Buschkowsky nach Neapel erkundigen oder mit Arnold Mengelkoch einmal eine Problemklasse in Neukölln besuchen sollen. Er hat es nicht gemacht.

Stattdessen liefert Wowereit mit seinem Buch die Antwort auf eine Frage, die ihm keiner gestellt hat. Mal sehen, ob der Rest des Buchs, das am morgigen Freitag auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wird, ebenso schön-rednerisch sein wird.

Klaus Wowereit (2011): Mut zur Integration: Für ein neues Miteinander. Berlin: Vorwärts Buch, 166 Seiten, 10 Euro. Kaufen bei: Amazon.

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  1. Sandra 15. Oktober 2011 at 20:54 - Reply

    Sehr gut, weiter so !

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