Unsere Jugend verdirbt

6. September 2011 7

Kolumne: Ordnung muss sein

Die Sonne brennt uns an diesem Freitagnachmittag im Nacken. Erst eine Viertelstunde stehe ich an Infostand der Partei DIE FREIHEIT, im Märkischen Viertel, einem sozialen Brennpunkt im Norden Berlins. Das RBB dreht eine Reportage mit dem Arbeitstitel „Ein Jahr nach Sarrazin – Wo steht die Integration jetzt?“

Nach einigen Schnittbildern passiert etwas, das man als „Journalistenglück“ bezeichnen könnte: Eine Gruppe junger Berliner mit Migrationshintergrund lässt sich mit uns auf ein Gespräch ein. Zumindest ein kleiner Teil dieser Gruppe, der Rest albert eher im Hintergrund umher.

Einer der jungen Männer berichtet uns fast mit einem Unterton von Stolz, dass er in der neunten Klasse sitzen geblieben ist. Ob er daran schuld sei, will ich wissen. Nein, antwortet er nüchtern. Seine Freunde seien daran schuld gewesen. Ob er denn deutsche Freunde habe? Wieder antwortete er in einem kühlen Ton „Ja, habe ich. Aber die sind nicht hier.“ Ob er auch schon strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, möchte ich von ihm wissen. Die Formulierung bereitet ihm Schwierigkeiten, „strafrechtlich in Erscheinung getreten. Was das?“ – „Ob du schon mal mit der Polizei oder Gerichten zutun hattest“, erläutere ich ihm. „Ja!“ Er kramt einen Zettel hervor. Am Montag sind er und drei weitere in einem Strafverfahren als Angeklagte geladen. Es ginge wohl um eine Schulhofschlägerei, an der er aber nicht beteiligt gewesen sei.

Ob es hilfreich sei, einen Migrationshintergrund zu haben, wenn man mit jungen Menschen aus islamischen Kreisen in Kontakt kommen will, möchte der Produzent von mir wissen. Das kann ich nicht beurteilen. Es ist sicherlich nicht schlecht, aber ob es auch nützlich ist, weiß ich gar nicht. Mir wäre lieber gewesen, gar nicht mit dieser Gruppe zu sprechen.

Von dem nächsten jungen Mann wollen wir wissen, warum er ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich liebe die Türkei“ trägt. Weil die Türkei sein Vaterland sei, erklärt er uns, während er Kaugummi kaut. Auf die Frage, wo er geboren sei, antwortet er „Na, hier! Berlin.“ Warum denn dann nicht Deutschland sein Vaterland oder seine Heimat sei, sondern die Türkei, will der Produzent des RBB wissen. Na, weil sein Vater aus der Türkei stammt. Aha. Ich hake nach: Ob denn dann auch die Heimat seiner Kinder, wenn sie denn hier geboren werden, Berlin, also Deutschland sein wird. „Nein. Meine Kinder bleiben Türken“, sagt uns der 15-jährige.

Eine deutsche Frau will keiner in der Gruppe heiraten, weil sie „alle verdorben sind“, wie uns ein Mädchen, das ein Kopftuch trägt erklärt. „Verdorben“, wie soll das gemeint sein? „Na, unrein, Schlampen einfach.“ Die würden mit jedem, den sie kennenlernen ins Bett steigen, sagen sie.

Angesprochen auf die Terroranschläge vom 11. September teilen sie eine einfache Ansicht: Nicht die Al-Qaida, nicht Osama Bin-Laden sind die Terrorristen. Nein, die Terroristen wären die Juden und George W. Bush. Als die beiden Zwillingstürme vor den Augen der Welt ineinander zusammen brachen, sei kein einziger jüdischer Mensch gestorben, erklärt uns einer der Schüler. Auf meine Frage, woher er das denn weiß, reagiert er unsicher: „Das erzählt man sich halt so.“ Ich rate ihm, sich einmal ein wenig besser darüber zu informieren.

Der Produzent und ich haben genug gehört, er fragt mich nach meiner abschließenden Beurteilung: Ich hole tief Luft, eigentlich kenne ich das ja alles schon. Was Neues war nicht dabei. Alles lässt sich wieder in ein Gerüst einordnen, das die Frage aufwirft, ob es nicht doch auf dem Fundament des Islam wächst. Deutschfeindliche Einstellungen, Frauenverachtende Ansichten, Hass gegen Amerika. Das passt alles in ein monströses Weltbild, das irgendwo im Familienkreis, in den Moscheen (die die Gruppe regelmäßig besucht), in den Kulturvereinen und in den Freundeskreisen wächst.

Was wir in den kommenden Jahren brauchen, ist ein vollkommenes Umdenken: Politik und Gesellschaft müssen verstehen, was in den Köpfen junger Muslime vorgeht. Und ich wehre mich gegen den Vorwurf, es würde sich bei meinen Erfahrungen um Einzelfälle handeln. Wir brauchen in den Schulen, im Rahmen des Geschichtsunterrichts vollkommenen Aufklärungsunterricht. Wir müssen allen Schülern klar machen, dass am 11. September 2001 hunderte jüdische amerikanische Bürger umgekommen sind. Wir müssen allen Schülern die Geschichte Israels und seines Volkes vermitteln. Vor allem aber müssen sich die Schulen gemeinsam mit ihren Schülern, so unangenehm es auch sein mag, mit den dunklen Seiten einer totalitären Ideologie auseinandersetzen, die antisemitisch, antiisraelitisch, frauenverachtend und voller Intoleranz gegen „Ungläubige“ ist.

7 Comments »

  1. Arent 6. September 2011 at 19:10 - Reply

    Ich will hoffen dass der RBB das tatsächlich bringt, aber nach dem Rausschmiss Güner Balcis – die ja ursprünglich das 1 Jahr nach Sarrazin machen sollte – rechne ich nicht mit verzerrter Berichterstattung…

  2. Seems leg!t 6. September 2011 at 20:36 - Reply

    Schön wie sie verallgemeinern Herr Khazaeli. Aber anders ist man es von ihrer Partei auch nicht gewohnt. Populistisch wie eh und je und antiislamistisch.
    Leute wie Sie haben ihr Leben bereits weggeworfen.

    • J. Peters 7. September 2011 at 11:25 - Reply

      @SM – Können Sie mir verraten welche Verallgemeinerungen Sie als unzutreffend ansehen? Ich bin im MV aufgewachsen und kann das gezeichnete Bild bestätigen!

  3. Kritiker 7. September 2011 at 12:47 - Reply

    Wie gut hier ein Kommentar auf Facebook eines Mitglieds der Freiheit zu einem andern Artikel passt:

    „Auffällig ist in allen Artikeln eine auffällige Abwesenheit von Inhalt und eine auffällige Ballung von herabwürdigender Meinung.“

    Wenn es ihm wirklich so passiert ist, was man nicht unbedingt anzweifeln muss, hätte man sich von den proklamierten Schwächen der Medien lösen können.

  4. datterich 10. September 2011 at 09:36 - Reply

    Selbst wir auf dem Lande können solche „Alpträume“ oft erleben. Ungebildete Jugendliche mit
    patriotischen Einstellungen zu Ländern aus dem Kulturkreis ihrer Eltern/Großeltern, Machos mit
    frauenverachtenden Einstellungen, stolz auf den Hartz-IV-Status ihrer Eltern, rotzfrech und ohne
    jede Zukunft.
    Und wir überbieten uns gegenseitig in noch mehr Betreuungs- und Förderprogramme, die alle wirkungslos
    verpuffen.

  5. Kritisierender 11. September 2011 at 17:29 - Reply

    Kritiker, meinst du damit deinen eigenen Kommentar?
    Was passt dir denn konkret nicht? Soll der Autor ein paar Storys dazuerfinden, damit du zufrieden bist?

    Deine Kritik geht vollkommen ins Leere – inhaltlich kann der Autor nur von dem Schreiben, was sich an dem Tag eben zugetragen hat.

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