Der Kampf um unsere Sprache

25. August 2011 1

Kolumne: Ordnung muss sein

Rechts, links, oben, unten? Wo geht es hier eigentlich lang? Was ist eigentlich was? Was im Straßenverkehr gilt, gilt für alle gleichsam, weil man sich auf eine gemeinsame Definition geeinigt hat. „Rechts ist, wo der Daumen links ist.“ Junge Kinder sind nach diesem Spruch zwar meist genau so schlau wie vorher, doch er trifft die Sache im Kern. Was im Straßenverkehr so einfach funktioniert, das funktioniert in der Politik und der Gesellschaft sehr schwer, oder auch gar nicht. Hier sind die Definitionen nicht vorgegeben und sie sind auch nicht wirklich allgemein anerkannt.

Ein beliebtes Phänomen ist mittlerweile der Begriff „Rechtspopulist“ geworden. Niemand weiß so recht, wer oder was das ist. Aber dass der niederländische Politiker Geert Wilders einer sei, darin sind sich selbst Journalisten einig. Als ich kürzlich einen Journalisten, der Geert Wilders einen Rechtspopulisten genannt hatte, darauf ansprach, konnte der mir das auch nach einigen Minuten nicht wirklich erklären: Der Begriff „Rechtspopulist“ habe sich im Zusammenhang mit Geert Wilders „in der deutschen Medienberichterstattung eingebürgert“, erklärte er. Naja, zumindest die Medienlandschaft scheint sich darüber einig zu sein.

Ein weiterer Kandidat ist jetzt der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Eine linke Aktionsgruppe will ihn jetzt als „Rechtspopulisten“ entlarven. Nur weil er die Probleme in seinem Bezirk klar ansprach und mittlerweile als Medienliebling gilt. Wenn also schon SPD-Politiker als Rechtspopulisten abgestempelt werden, wie sieht es dann mit CDU-Politikern aus? Der Spitzenkandidat der Berliner CDU Frank Henkel erhielt vergangene Woche eine Briefbombe mit einer, sagen wir mal explosiven Nachricht. In einem Bekennerschreiben erklärten die Täter, der CDU-Fraktionsvorsitzende würde in der Debatte um Brandanschläge auf Autos „rechtsextreme Positionen“ vertreten. Gut, wenn das die Verfasser des Schreibens so sehen, dann ist das ihr Ding.

Alles, was nicht in das Weltbild bestimmter Personenkreise passt, wird also als „Rechts***“ abgetan, um sich nicht weiter damit beschäftigen zu müssen. Als seien die Vorschläge und Forderungen als solche schon deswegen nicht erfüllbar, weil sie „rechts***“ seien. Wer sich mit der Auffassung einer bestimmten Person nicht mehr auseinandersetzen will, der muss die Positionen seines Gesprächspartners einfach als „rechtspopulistisch“ bezeichnen. Schon vermittelt man den Eindruck, etwas Richtiges und moralisch nicht Verwerfliches getan zu haben. Das erinnert stark an noch nicht so lange vergangene Zeiten: Henryk M. Broder sagte kürzlich, zu seiner Zeit habe es schon ausgereicht, jemanden als Kommunisten zu bezeichnen, um sich mit ihm nicht mehr unterhalten zu müssen.

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