Jugendgewalt: Intoleranz wäre angebracht – Cameron macht es vor

19. August 2011 1

Kolumne: Ordnung muss sein

Vor einigen Tagen kam es in englischen Städten zu Ausschreitungen – getrieben von kriminellen Jugendbanden, die angeblich auf ihre Lage aufmerksam machen wollten. Berlin könnte vom britischen Umgang mit den kriminellen Jugendlichen und Heranwachsenden lernen.

Doch hier in der deutschen Hauptstadt haben wir uns schon an brennende Autos gewöhnt. Seit drei Jahren gehen fast jede Nacht Mittelklassewagen in Flammen auf. Mittlerweile müssen noch weitere Umstände hinzukommen, damit diese Fälle in den Zeitungen Erwähnung finden. Wir haben uns schon so daran gewöhnt, wie etwa an die mangelnde Leistung unserer S-Bahn.

In Berlin wird der Eindruck vermittelt, es handele sich bei den Randalierern bloß um harmlose „Chaoten“. Chaoten sind Künstler, die den Überblick über ihren Schreibtisch verloren haben. Wer Autos anzündet, der ist ein Verbrecher und kein „Chaot“. Diese Einsicht hat sich in Berlin noch immer nicht durchgesetzt. England lernte es innerhalb von nur einer Nacht.

Kaum einer der Berliner „Feuer-Chaoten“ (BZ) musste sich bisher vor Gericht erklären oder gar verantworten. In London gelang es Ministerpräsident Cameron mit einem riesigen Polizeiaufgebot innerhalb weniger Tage die Plünderungen zu beenden und mehrere Hundert Randalierer vor Gericht zu stellen. Die Richter schieben noch immer bis weit in die Nacht Extra-Schichten, um die Verbrecher zu verurteilen. Beim Berliner Amtsgericht Tiergarten müsste man dagegen noch Sonderschichten einlegen, um die Fälle abzuarbeiten, die sich in den vergangenen Jahren angehäuft haben.

Was Strategien gegen kriminelle Jugendbanden angeht, lassen sich die britischen Behörden mittlerweile vom ehemaligen New Yorker Polizeichef Bill Bratton beraten. Berlins Innensenator lässt sich nicht einmal beim Ausschreibungsverfahren für den Polizeipräsidenten von seinen eigenen Hausjuristen beraten – und kassiert dafür vom Verwaltungsgericht die Rechnung.

Gegenüber den Randalierern verkündet der britische Ministerpräsident einen harten Kurs: „Wer seine eigene Gemeinde ausraubt und plündert, soll nicht länger das Recht haben, in Sozialwohnungen zu leben“, sagte Cameron dem Fernsehsender BBC. Eine Petition mit der Forderung nach Transferkürzungen für Randalierer erreichte innerhalb weniger Tage mehr als 160.000 Unterstützer. Wer von der Gesellschaft lebt, soll nicht mehr auf die Solidarität der Gesellschaft hoffen dürfen. In Deutschland werden solche Forderungen als „rechtspopulistisch“ abgetan, um sich nicht weiter mit ihnen auseinandersetzen zu müssen. Auch die Forderung von englischen Politikern, die Randalierer sollen in orangenen Uniformen die Straßen wieder aufräumen, würde nicht nur bei der BSR Proteste hervorrufen.

Was England hat, fehlt Deutschland: Der Mut Intoleranz nicht weiter zu tolerieren. Auch unsere Gesellschaft wäre gut beraten, wenn sie nicht jede Intoleranz hinnimmt und stattdessen mit Intoleranz antwortet.

One Comment »

  1. Andreas Berner 20. August 2011 at 08:35 - Reply

    Es geht nicht nur um Toleranzgrenzen, es geht meines Erachtens um das Thematisieren der Zusammenhänge zwischen Gewalt und Männlichkeit – denn die jungen Frauen sind ja nur marginal beteiligt. Ein gutes Konzept dazu: „Mission Boys4peace“, das meines Wissens bereits in einigen Schulen zur Anwendung kommt.

    Andreas

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