Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft

12. August 2011 1

Kolumne: Ansichten und Einblicke aus Berlin

Am heutigen 12. August feierte die Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT in Berlin Steglitz-Zehlendorf ein Familienfest mit Hüpfburg und allem drum und dran für die Kleinsten. Natürlich machten wir auch richtig Wahlkampf und es war sehr erquickend, dies einmal in einem Bezirk zu tun, wo fast alle Bürger nach dem Gespräch sagen, dass sie DIE FREIHEIT am 18. September wählen werden. In jedme Fall ein großes Lob an die Mitglieder in Steglitz-Zehlendorf für die hervorragende Vorbereitung und Durchführung. Hier nun meine heutige Rede:

Wenn wir ein Familienfest feiern, dann will ich natürlich auch ein paar Worte zur Familie und ihrer persönlichen wie gesellschaftlichen Bedeutung verlieren. Zunächst aber mein ausdrücklicher Dank an die Bezirksgruppe Steglitz-Zehlendorf unserer Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT, dass sie dieses so wichtige Thema zum Anlass eines Festes gemacht hat. Denn in Zeiten der schwersten Währungskrise seit dem Zweiten Weltkrieg und marodierender Jugendbanden in europäischen Metropolen, verliert man seine Wurzeln schnell aus dem Blick.

Aber genau hier liegen unsere Wurzeln, bei unseren Familien. Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft, sie ist die kleinste natürliche Form der Gemeinschaft. Sie ist der Ort, an dem wir lernen zu vertrauen, zu lieben, die Meinung anderer zu akzeptieren, Verantwortung zu übernehmen, Kompromisse einzugehen, Autoritäten zu respektieren aber auch, uns von Autoritäten zu emanzipieren. Und dies alles ist genau das, was wir brauchen, um in der politischen Gemeinschaft zusammen zu leben. Der Verfassungsrichter Udo di Fabio hat die Familie in seinem Buch Die Kultur der Freiheit als den Ort beschrieben, „von dem aus der Zivilisationsprozess immer wieder erneut seinen Ausgangspunkt nimmt.“ 1

Und weiter schreibt di Fabio:

[D]ie Citoyens freier Gemeinschaften, können nur von denjenigen, die heute diese Freiheit und diese Gesellschaft leben, erzogen werden; sie brauchen die moralische und kognitive Kompetenz, die sie zuerst und letztlich unersetzbar in ihren Elternhäusern erwerben.“ 2

Aber erst wenn wir selbst eine Familie gründen, wird diese Ausbildung zum mündigen Staatsbürger abgeschlossen. Wenn wir Verantwortung übernehmen müssen für ein Lebewesen, das ohne uns nicht überleben würde. Nur Mütter und Väter wissen wirklich, wie es sich anfühlt, wenn man über die Gesundheit, ja vielleicht sogar das Leben eines anderen Menschen entscheiden muss. Nur Mütter und Väter wissen wirklich, was es bedeutet, wenn man unablässig zum Wohle anderer arbeitet und nicht einfach mal freinehmen kann. Aber auch nur Mütter und Väter wissen wirklich, wie es sich anfühlt, von einem kleinen Wesen bedingungslos geliebt zu werden, weil man sein ganzer Kosmos ist.

Das Grundgesetz hebt in Artikel 6 die Bedeutung von Familie und Ehe besonders hervor.

Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“

Dieser Schutz ist heute wichtiger denn je. In einer Zeit, in der die sogenannten Antidiskriminierungsgesetze jeden und alles schützen und gleichschalten, nicht aber die Familie, geschweige denn Alleinerziehende mit Kindern. In einer Zeit, in der das Kinderkriegen aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr sinnvoll ist, da der Staat die Altersvorsorge übernimmt und die finanzielle Belastung von Eltern in keinem Verhältnis zu steuerlichen Vorteilen durch Kinder steht. In einer Zeit schließlich, in der das Kinderkriegen nicht einmal mehr angesehen ist. Jeder, der einmal versucht hat, mit einem Kinderwagen in eine volle Berliner S-Bahn einzusteigen, weiß das. Jeder der einmal beobachtet hat, wie viele Menschen noch aufstehen, wenn eine Schwangere die Straßenbahn betritt.

Hinzu kommt, dass die ach so progressiven und sozialen, linken Parteien die Schaffung eines Einkommens für die Hausarbeit bzw. Kindererziehung massiv bekämpft haben. Schließlich würde dies ja finanzielle Anreize schaffen, das von den Linken so abgelehnte Frauenbild zu leben. Keiner von uns fordert, dass die Frau zurück an den Herd soll. Aber es kann auch nicht sein, dass Frauen sich dafür rechtfertigen müssen, wenn sie zu Hause bleiben wollen!

Die Linken haben das wie immer sehr geschickt gemacht. Bei der angestrebten Berufstätigkeit beider Elternteile kann sich keiner mehr um die Kinder kümmern (wenn dann doch mal welche da sind). Also schiebt man sie schon mit einem halben Jahr in die Krippe ab. Um das ideologisch zu rechtfertigen – denn alle Studien zeigen wie schädlich das für das Sozialverhalten der Kinder ist – erfand man einfach den Frühförderwahn. Mit drei Monaten zum Babyschwimmen, danach zur musikalischen Früherziehung und vor allem PEKIP, damit das Kind ja als erstes läuft. Manche Einjährige haben einen Stundenplan, den kein Gymnasiast aushalten würde. Meine kleine Tochter ist zwei Jahre alt. Ständig werde ich gefragt, warum sie noch nicht im Kindergarten ist. Und ich habe lange gebraucht, bis ich die richtige Antwort fand: Wieso? Sie ist doch noch nicht drei!

Das klassische Eheversprechen – um auf die Familie als Ganzes zurück zu kommen – barg übrigens einen tiefgreifenden Schutz für die Frauen: Sie sagten, ich schenke dir meine besten Jahre, wenn ich attraktiv und fruchtbar bin, Du garantierst mir dafür Schutz und Unterhalt, auch wenn ich Falten bekomme. Im Gegensatz dazu steht die heutige Bindungs- und Bedeutungslosigkeit. Wenn ich mir meine Generation anschaue, dann muss ich nicht nur sagen, Deutschland schafft sich ab, lieber Thilo Sarrazin, dann heißt es wohl oder übel, Deutschland feiert sich zu Tode!

Wie aber machen wir das Kinderkriegen wieder attraktiv? Zwingen können und wollen wir die Menschen freilich nicht dazu, denn wir leben in einer freien Gemeinschaft. Wir sollten damit beginnen, dass wir die bestehende, ungerechte Lastenverteilung ändern. Denn die Familien halten unsere Gesellschaft überhaupt erst am Leben. 2,4 Kinder bräuchten wir von jeder Frau, um weiter zu existieren. Diesen Durchschnitt haben wir längst unterschritten, so wie übrigens jede Zivilisation kurz vor ihrem Fall.

DIE FREIHEIT fordert in ihrem Grundsatzprogramm, dass wir ein Erziehungsgehalt einführen, dass wir das Bekommen und Großziehen von Kindern auch finanziell honorieren. Außerdem müssen wir die Rentensysteme so anpassen, dass Eltern bevorzugt werden. Schließlich haben sie die Generation geschaffen, die die Rente für alle zahlt. Dafür haben sie auf große Teile ihres Einkommens verzichtet und vor allem haben sie dem einen großen Teil ihrer Lebenszeit gewidmet.

Da wir wissen, dass unsere Währung schon sehr bald nichts oder nur noch einen Bruchteil wert sein wird, sollten wir außerdem überlegen, andere Formen des Kapitals in unseren Generationsverträgen fest zu schreiben. Wenn wir beispielsweise durch geleistetes Ehrenamt – etwa in der Altenpflege – Anrecht auf gleiche soziale Dienstleistung im Alter erwerben, verfügen wir nicht nur über ein gegen Wirtschaftskrisen resistentes Kapital, sondern schulen uns gleichzeitig noch im Umgang mit anderen.

Wir wissen aber auch, dass alle ökonomischen Anreize nur bedingt helfen. Das in seiner jetzigen Form von der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen eingeführte Elterngeld ist zwar in seiner Höhe vom vorherigen Einkommen abhängig und sollte so Akademiker zum Kinderkriegen motivieren. Doch 55 Prozent aller Mütter und Väter, die Elterngeld in Anspruch nehmen, sind bereits Transferleistungsempfänger. Und eine parlamentarische Anfrage unseres Vorsitzenden René Stadtkewitz ergab vor zwei Tagen, dass über 40 Prozent der Berliner Babys bereits in ihrem ersten Lebensjahr Hartz-IV bekommen.

Wir müssen also auch das Ansehen von Müttern und Vätern wieder stärken. Wir müssen den jungen Menschen vermitteln, dass es eigentlich nichts Schöneres und Intensiveres im Leben gibt, als in die Augen des eigenen Neugeborenen zu schauen. Und wir müssen ihnen zeigen, dass wir unsere Freiheit nur bewahren, wenn wir auch Verantwortung übernehmen.

Notes:

  1. Udo di Fabio: Die Kultur der Freiheit. München 2005, S. 140.
  2. Udo di Fabio: Die Kultur der Freiheit. München 2005, S. 131.

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