Bewahrung unserer Kultur und Werte

14. Juni 2011 0

Tilo Bretschneider über die Natur von Volksgemeinschaften

Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg. Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zu Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit. (Baruch de Spinoza)

Kultur ist die Gesamtheit dessen, wie sich Menschen in einer Gemeinschaft in ihrem jeweiligen Lebensraum eingerichtet haben. An und für sich also ein evolutionärer Prozess. Der jeweilige Erfolg einer Kultur manifestiert sich nicht nur in die Zeiten überdauernder Kunst, Bauwerken und Technik, sondern auch in den gefundenen Regeln des Zusammenlebens.

Argumente der Vernunft in der Auseinandersetzung mit der Natur und dem Wesen des Menschen führten zum Finden gemeinsamer Solidar-Regelungen, Konfliktlösungs-Strategien und damit Wertvorstellungen. So bildeten sich aus Familien Stämme, aus Stämmen Völker und Nationen, die über natürliche menschliche Konfliktpotentiale hinweg eine stabile Solidar- und Schicksalsgemeinschaft aufrecht erhalten können. Diese Gemeinschaft bedingt sich gegenseitig mit dem unverzichtbaren Vertrauen, über die Familien- und ehemals Stammesgrenzen hinweg eine handlungs- und verteidigungsfähige Einheit zu bilden. Solche Gemeinschaften können nur Individuen bilden, die zur Zurückstellung oder sogar Preisgabe eines Teiles ihrer natürlichen Ansprüche fähig sind.

Obwohl unsere Gesellschaft die Familie als kleinste und für das Wohl des Einzelnen wohl wichtigste Zelle anerkennt, wurden deren Einflüsse nach außen im Interesse der großen Solidargemeinschaft eingeschränkt. Dreitausend Jahre alte jüdische Ideen durchbrachen die unsäglichen Zwänge der Blutrache, schufen letztendlich die Gewaltenteilung, die Gleichheit nicht nur vor Gott, sondern auch vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung der Geschlechter und mit dem alles gründenden Gedanken der christlichen Nächstenliebe die bürgerliche Gesellschaft abendländischer Prägung.

Diese bürgerliche Gesellschaft, die ihre Mitglieder dazu zu bringt, ihrer Funktion Vertrauen zu schenken, entschädigt diese mit der Freiheit durch Arbeits- und Aufgabenteilung in einem Maße schöpferisch tätig zu werden, welche bis dato unbekannt waren. Aus dem Ergebnis schöpferischer Arbeit resultierte die europäische Aufklärung, der allgemeine Wohlstand und Frieden.

Einhergehend mit dieser eigenen persönlichen Freiheit ist die Auseinandersetzung mit der Freiheit der anderen, vor der man sich alltäglich bewähren muss. Und das alles nach den Regeln der offenen bürgerlichen Gesellschaft bis hinein in den weitgehend privaten Bereich der Familie.

Die Einführung des Sozialstaates mit dem vermeintlichen Ziel der Schaffung einer höheren Stufe der Gerechtigkeit innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft löste das ehemals ideelle Anrecht auf Hilfe seitens der Gesellschaft vom ehemals notwendigen gemeinschaftskonformen Verhalten des Begünstigten. Der Rechtsanspruch auf Sozialhilfe ohne die in der Praxis durchsetzbare Treuepflicht des Transferleistungsempfängers gegenüber der Gemeinschaft schuf, heutzutage logisch nachvollziehbar, neues Konfliktpotential. Dieser Umstand erfordert daher die Integration von Neuankömmlingen in einem besonders hohen Maße zur Sicherung des bürgerlichen Friedens überhaupt.

Nicht nur eine erlernte gemeinsame Sprache ist für eine Integration von Immigranten erforderlich, sondern auch deren einwandfreie Anwendung im Alltag. So wie es von Gott oder der Natur eingerichtet ist, dass man bei seiner eigenen Fortpflanzung nur die Hälfte seiner Anlagen weitergeben kann oder eben gar nicht, so wird man bei Eintritt in die Solidargemeinschaft den Teil preisgeben müssen, der nicht zu dieser passt.

Wer es beim gewünschten Eintritt in eine Gemeinschaft nicht schafft oder sogar nicht einmal bereit ist, seine den Regeln der Gemeinschaft entgegen gesetzten Verhaltensmuster abzulegen, wird keinen Erfolg haben. Die Entrichtung dieses immateriellen Eintrittspreises ist zwingend und nicht verhandelbar. Ohne dies ist maximal ein Status als Gast denkbar.

Wer aus grundsätzlichen, wie z.B. religiösen Ansichten, nicht bereit ist sich und seine Nachkommenschaft beiderlei Geschlechtes in der Gemeinschaft aufgehen zu lassen, hat keine Aussicht auf das notwendige Vertrauen und ist für den ideellen und praktischen Zweck an dieser Stelle unbrauchbar.

Volksgemeinschaften werden von anderen als Einheit wahrgenommen, indem man sie als solche achtet oder verachtet, bewundert und beneidet, bemitleidet, fürchtet, belächelt und sogar auslacht, beschuldigt und verabscheut, sie mag oder ihnen misstraut u.s.w. – letztlich ihnen sogar einen volkstypischen Habitus zuordnet. Im Fazit ist man Mitglied eines Volkes, wenn man von Außenstehenden als solches angesehen wird. Was uns Menschen verbindet und trennt ist im 21.Jahrhundert und hier in Europa nicht unbedingt das Blut, sondern die Sozialisation und die Erziehung.

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