Islam, Integration, Parallelgemeinschaften und Moscheen in Österreich

12. April 2011 1

Vortrag von Dr. Thomas Tartsch zur Gründungsveranstaltung der Bewegung Pro Österreich (BPÖ)

Am 7. April 2011 wurde in Wien die Bewegung Pro Österreich (BPÖ) gegründet. Sie hat mit der deutschen PRO-Bewegung nichts zu tun, sondern sondern sich überparteilich mit Problemlagen und Lösungsansätzen in und für Österreich befasst. Der deutsche Islamwissenschaftler Dr. Thomas Tartsch, Autor der Bücher Islamischer Fundamentalismus und Jihadismus und Da’wa und Jihad hielt anlässlich der Gründung einen grundlegenden Vortrag, den wir hier bei Citizen Times zur Verfügung stellen.

Die derzeitige „Islamdebatte“ in allen westlichen Ländern und somit auch in Österreich, versinkt im bekannten Treibsand von willkürlichen Zitaten einschlägiger Textstellen der jeweiligen heiligen Schriften und der westlichen Projektion vom Islam als einer homogenen Religion, die von einem „Islamismus“ missbraucht wird, was keinen Erkenntnisgewinn und daraus abzuleitende Handlungsmaxime mit sich bringt.

Es bietet sich daher an, zu Beginn zu definieren, was „Islam“, abseits des Streites um die Wortbedeutung „Friede“ oder „Unterwerfung“, sein kann.

“Islam” beinhaltet die ursprüngliche, dem Menschen seit jeher von Allah zugedachte Daseinshaltung (so 30: 30 und 4: 125 im Koran): in unentwegter dankbarer Verehrung (das Gesicht) auf Allah ausgerichtet, den einen und einzigen Quell alles Seienden, der alles in jedem Augenblick des Seins nach seinem Ratschluss bestimmt, da Allah nach Erschaffung des Diesseits auf seinem Thron im Jenseits Platz genommen hat, um von dort sein Werk zu regieren (so die als „Thronvers“ bekannte āyat(u)-l-kursī: 2:255).

Anstatt nun apodiktisch von einem die Religion „Islam“ missbrauchenden „Islamismus“ zu sprechen, sollte man „Islam“ vielmehr als einen durch Riten und Symbole vermittelten Welterklärungsversuch und individuelle Spiritualerfahrung auf der einen Seite und auf der anderen Seite als eine direkt von Allah stammende, die ganze Existenz überformende, Anthropologie und Kosmologie umfassende und total vereinnahmende Handlungsanweisung definieren, wobei letztere ein jederzeit aktivierbares Gewalt- und Konfliktpotential enthält, welches sich gleichermaßen gegen Nichtmuslime, Muslime anderer Glaubensrichtungen und säkular ausgerichtete Muslime richtet. – So, wie auch der unter jugendlichen Muslimen vermehrt an Anhängern gewinnende militant ausgerichtete salafitische Islam (was durch das zumindest teilweise in den Räumen des in Wien-Ottakring befindlichen Sprachinstitutes „Wonder“ abgehaltene Islamseminar der extremen salafitischen Gruppe „Die Wahre Religion“ Ende 2010 verdeutlicht wird, zu der aus allen Teilen Österreichs junge Muslime und Konvertiten anreisten).

Während die individuelle Spiritualerfahrung im persönlichen Rahmen der Ritenpraxis der „Fünf Pfeiler des Islam“ weitgehend unproblematisch und mit der freiheitlich-pluralistischen westlichen Werteordnung vereinbar ist, richtet sich die andere Ausformung, etwa in Gestalt der ideologisch aufgeladenen Spielart des Islamismus, die als Reformbewegung nach der Abschaffung des Kalifates 1924 durch Atatürk entstand, gegen grundlegende Werte- und Normenstrukturen der westlichen Gesellschaften. Dies zeigt sich unter anderem in der Bestrebung, die gesamte Scharia, als das von Allah den Menschen auferlegte Gesetz, welches diesen in Form des Koran und der nachkoranischen Prophetentradition (Sunna) übergeben wurde, einzuführen, wobei es sich nicht nur um den religiösen Teil der Ritenpraxis (al-Ibadat), sondern unter anderem um Verträge, Rechtsbeziehungen und das Strafrecht (al-Muamalat) handelt.

Damit erhalten die heiligen Quellen, als die zwei Grundpfeiler der Scharia, als das auf Allah zurückzuführende (da sowohl Koran als auch die Ahadith der Sunna von Allah an Muhammad übermittelt wurden, wenn auch auf verschiedenen Wegen) System der Bewertung sämtlicher Lebensregelungen des daran glaubenden Muslim auf der horizon¬talen Ebene zu Allah (al-Ibadat = Ritenausübung) und der vertikalen Ebene zu anderen Muslimen und Nicht-Muslimen (al-Muamalat = Verträge, Strafrecht, Familienrecht, Führung des Jihad, Fremdenrecht) eine ewige Geltung, da die Scharia, außer (noch) in der Türkei und in Tunesien, in jedem islamischen Land in verschiedenen Formen und Abstufungen Gültigkeit besitzt.

Und das eben nicht nur in Ländern wie Afghanistan oder Ägypten, sondern vermehrt auch in den westlichen Diaspora Gemeinden, wo der rechtliche Teil der Scharia in Form angeblich religiös legitimierter „islamischer Sonderrechte“ zur Sakralisierung der Alltagswelt nach Wunsch mancher islamischer Gruppen eingeführt werden soll:

Aufgrund der Tatsache, dass in den islamischen Kernländern keine Aufklärung im europäischen Sinn stattgefunden hat und keine von religiösen oder staatlichen Lehrinstitutionen formulierte Religionskritik existiert, werden im Hinblick auf die Scharia im Wesentlichen Auslegungsfragen diskutiert. In der Gegenwart, in der in vielen Ländern eine voranschreitende Islamisierung zu beobachten ist, werden bestehende Gesetze sogar wieder vermehrt an der Scharia ausgerichtet. 1

Zunächst müssen die Begriffe Integration und Assimilation definiert werden, die oft undifferenziert Verwendung finden, da Assimilation nach wissenschaftlicher Sichtweise idealiter der Integration folgen kann und nicht muss.

Integration selbst wird als intergenerativer, ergebnisoffener und einseitiger Prozess in Richtung auf die Aufnahmegesellschaft definiert, der über Spracherwerb (kognitive Assimilation), strukturelle Integration (Schule, Beruf) und soziale Integration (Kontakte zur Aufnahmegesellschaft) bis zur identifikativen Assimilation verläuft, was den Grad der Beibehaltung oder Aufgabe archaisch-kultureller Werte- und Verhaltensmuster als Ausdruck der Identifikation mit der Aufnahmegesellschaft beinhaltet.

Damit wird auch die Forderung einer vollständigen Assimilation gläubiger muslimischer Menschen in die Aufnahmegesellschaft insoweit konkretisiert, da unter Assimilation der Grad der Aufgabe oder Beibehaltung oftmals hier revitalisierter und konservativ-orthodox gelebter archaisch-patriarchalischer und religiöser Werte- und Normenstrukturen der Herkunftsgesellschaft als letzte Stufe von Integration zu verstehen ist. Ich spreche hier ausdrücklich von „gläubigen muslimischen Menschen“, da Muslim per Definition nur eine soziale Kategorie darstellt, die einen Menschen meint, bei dessen Geburt der Vater Muslim war oder der konvertiert ist, uns aber nichts darüber aussagt, ob und in welchem Maße er gläubig ist oder nicht. Uns interessiert hier aber die Vereinbarkeit von Religion und säkularem Staat, womit die soziale Kategorie eingeschränkt werden muss, weil nicht jeder Muslim per Definition auch gläubig ist.

Somit soll und kann ein Freiraum für die Ritenpraxis als Teil der Identitätsvergewisserung im privaten Raum verbleiben.

Gleichzeitig muss die Forderung durchgesetzt werden, dass sich das aus Sittengesetz und Aufklärung entwickelte und geltende Normen- und Wertesystem, wie die Geschlechtergleichheit und der religiöse Pluralismus, anerkannt und befolgt wird.

Auf Grundlage dieser die Realität abbildenden Neueinteilung kann man verschiedene Gruppen im Islam unterscheiden, wobei man es aufgeben sollte, von „den Muslimen“ zu sprechen, da dies nicht der gelebten Heterogenität von Glaubensausrichtungen in Österreich entspricht, die man mit der Dichotomie „Islam“ und „Islamismus“ nicht in den Griff bekommt. Schon ein Prophetenwort prophezeite, dass sich die islamische Gemeinschaft in 73 Gruppen spalten wird, wobei nur eine der wahren Rechtleitung folgen wird, während die anderen dem Höllenfeuer anheim fallen werden.

Auch der Begriff des „Euro Islam“ ist derzeit wenig hilfreich, da sich ein um wesentliche Teile der Scharia entkernter Islam als eigenständige Religionsausrichtung in einem inneren historischen Prozess entwickeln kann. Allerdings nicht durch das derzeit praktizierte äußerliche Social Engineering, da ein solcher Islam in einer globalen Perspektive keinen „Islam“ mehr darstellen würde, sondern etwas ganz Anderes, wofür derzeit keine Begrifflichkeit existiert.

Es reicht das Spektrum „der Muslime“ von Ex-Muslimen, gläubigen Muslimen über Kulturmuslimen und säkular ausgerichteten Muslimen bis Salafiten und Dschihadisten, wobei Wien nach Einschätzung von Terrorismusexperten ein europäisches Zentrum des hybriden und dezentralistisch organisierten und agierenden Dschihadnetzwerkes Qaida al Dschihad darstellt.

Somit können auch die „Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich“ (IGGiÖ) oder ATIB nicht für „die Muslime“ in Österreich sprechen und in deren Namen beständig Forderungen stellen. Hier ist vielmehr zu hinterfragen, was für eine Rolle islamische Dachverbände und Moscheegemeinden spielen, die gesellschaftliche Einheiten nach innen bündeln und als derart aggregierte Interessen- und Wertegemeinschaften am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen.

Auch Muslime haben, wie alle anderen religiösen Gruppen, das Recht auf das Hineinwirken in den öffentlichen Raum, wobei ihnen jedoch keine religiös begründeten Sonderrechte als Angehörige einer Religionsgruppe zustehen können. Nach dem Diktum vom „Freiheitlichen säkularisierten Staat, der von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann“ des ehemaligen Richters am deutschen Bundesverfassungsgericht, Ernst-Wolfgang Böckenförde, besteht die Notwendigkeit einer wehrhaften Haltung dieses freiheitlichen Verfassungsstaates: Besteht der berechtigte Verdacht, dass im Namen der Religionsfreiheit diese abgeschafft werden soll, so ist er „ungeachtet seiner Freiheitlichkeit und Offenheit gehalten, Barrieren zu errichten, die die Anhänger des Islam daran hindern, direkt oder indirekt aus der Minderheitsposition herauszutreten“.
Das hat nichts mit einer Stigmatisierung oder einem Generalverdacht gemein, sondern mit der selbstverständlichen Selbstverteidigung des säkularen, freiheitlich verfassten und wertepluralistisch ausgerichteten Staates, der jede Religion in einer Minderheitenposition zu belassen hat, wenn religiöse Sonderrechte eingefordert werden, die die Grund- und Menschenrechte der Mehrheit einschränken und letzten Endes abschaffen wollen. So etwa, wenn der Islam als eine totale und die ganze Existenz überformende Handlungsanweisung verstanden wird, die die Trennung von Staat und Religion nicht kennt, sondern sie ein an eine Monokratie angelehntes Staatsmodell errichten will, in der das Gesetz (Scharia) mit seinem universellen Regelungsanspruch in den privaten, sozialen, öffentlichen, kulturellen, politischen, rechtlichen und religiösen gesellschaftlichen Teilbereichen gelten soll.

Nun mehren sich die Anzeichen für das drohende Scheitern der Integration von Teilen der Nachkommen muslimischer Einwanderer, was dazu führt, dass sich ein steigendes religiös-ethnisch-soziales Konfliktpotenzial zwischen der jeweiligen Aufnahmegesellschaft und den sich verfestigenden islamischen “Parallelgemeinschaften” aufbaut. Bei gleich bleibender Entwicklung führt der Weg von einem propagierten Miteinander über das gewollte Nebeneinander zum Gegeneinander, was letzten Endes zur Fragmentierung des Gemeinwesens und der Auflösung der bisherigen Gesellschaftsordnung führen kann, was teilweise sogar von der derzeitigen türkischen Regierung gefördert wird.

Die Türkei selbst stellt einen Sonderfall in der islamischen Welt dar, weil Mustafa Kemal Atatürk Staatspräsident der am 29.10.1923 gegründeten Republik Türkei wurde und einen strengen Verwestlichungskurs durchsetzte, wobei neben der Abschaffung des Sultanats im November 1922 das Kalifat am 03.03.1924 abgeschafft wurde. Auch wenn beide Ämter kaum mehr als einen symbolischen Wert besaßen, kam es insbesondere durch die Abschaffung des Kalifates zu einer schweren Identitätskrise in der arabischen Welt, die unter anderem im März 1928 zur Gründung der ägyptischen jamaa´t al-ichwān al-muslimūn fî misr oder kürzer ichwān muslimin (Muslimbruderschaft) führte, deren Ableger in über 70 Ländern oft als klandestin agierende Organisationen aktiv sind. Derzeit mehren sich die Anzeichen für eine zukünftige Beteiligung der Muslimbruderschaft an der politischen Macht in Ägypten, mit ungewissen Folgen für das Land.

In der Türkei entstand um 1969-1970 die Millî Görüş Bewegung (Gemeinschaft Abrahams (Millet-i Ibrahim), die dem Weg des Propheten als islamische Religions¬gemeinschaft folgt) des Ende Februar 2011 verstorbenen Politikers und früheren Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan, als dessen politischer Ziehsohn der heutige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan gilt, mit dem Erbakan Ende 2010 gebrochen hatte, weil dieser ein „Kassierer des Zionismus“ sei. 2

Erbakan wird heute noch von nicht unerheblichen Teilen innerhalb der MG Bewegung als unangefochtener Führer verehrt. Leitmotiv aller ideologischen Vorstellungen Erbakans war die Forderung nach Überwindung der als „religiös nichtig“ („batil“) bezeichneten säkularen Demokratie und ihre Ersetzung durch eine am Islam orientierte Herrschafts¬ordnung („adil düzen“), die allein „hakk“ (göttliche Wahrheit, Islam, Recht, Gerechtigkeit) zu gewährleisten vermag, wobei starke antisemitische Klischees und Stereotype vertreten werden. Die Umwandlung soll zuerst in der Türkei und dann auf der ganzen Welt stattfinden, wozu die MG Bewegung global agiert.

Die heute regierende islamische AKP (Adalet ve Kalkınma Partisi = Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) hatte sich Anfang des 21. Jahrhunderts von der MG Bewegung als reformorientierte Gruppe getrennt und verfolgt heute nicht nur das Ziel der Reislamisierung der Türkei, sondern ebenfalls das Ziel der Erhaltung der monogamen Staatsloyalität der Auslandstürken zum türkischen Staat, die sich nicht integrieren sollen.

Entgegen der stets angeführten Formel der Türkei als „laizistischer Staat“, mit getrennter weltlicher und religiöser Sphäre wie in Frankreich, hat Atatürk die Religion unter die Kontrolle des Staates durch das am 03.03.1924 gegründete und seit 1961 in der Verfassung verankerte DIB (Diyanet İşleri Başkanlığı) oder Diyanet gestellt, da der Kemalismus insoweit islamfeindlich ist, als er den umfassenden Anspruch des Islam als Einheit von Dîn (Ritenausübung als Teil einer gesamten islamischen Lebensführung) und Daula (Staat) ablehnt, dafür den gläubigen Muslimen mit Diyanet eine auf die religiösen Aspekte der Scharia reduzierte Form der Religion anbietet, die staatlich überwacht werden sollte.

In theologischer Hinsicht umfasst „Diyanet“ drei Dimensionen der islamischen Religiosität: Ibadet (Ritus), Itikat (Glaubensüberzeugungen) und Ahlak (Moral/Sittlichkeit). Erst der Ausschluss der Muamalat (vertragliche Beziehungen) und Ukubat (Strafrecht) verwandelt die Scharia in eine ethische und nicht rechtliche Angelegenheit und macht damit eine säkulare politische Ordnung auch aus einer primär religiösen Perspektive denkbar.

DIB löste das im osmanischen Imperium existierende höchste religiöse Amt des Şeyh-ül Islam ab, war aber, wie der Titel „Präsidium für religiöse Angelegenheiten“ verdeutlicht, nicht mehr für den rechtlichen Teil der Scharia zuständig, da unter anderem am 08.04.1924 die Schariagerichte aufgelöst wurden. Gemäß Artikel 137 der derzeit (noch) gültigen türkischen Verfassung hat es sich aller politischen Betätigung zu enthalten.
DIB unterliegt die Verwaltung aller Angelegenheiten der islamischen Religion und ihrer Ausübung. Hierzu gehören unter anderem die Einrichtung und Verwaltung von Moscheen, die Bestellung und Besoldung des dafür notwendigen Personals, die Herausgabe und Zensur religiösen Schrifttums, die Organisation von Korankursen, die Klärung theologischer Fragen durch verbindliche fatāwā (Rechtsgutachten), die Durchführung der Ḥaǧǧ nach Mekka sowie ausdrücklich die religiöse Betreuung der Auslandstürken. Die letztgenannte Aufgabe übernimmt in Zukunft ein „Präsidium für Auslandstürken“, welches auch für diejenigen Auslandstürken zuständig sein soll, die ihre türkische Staatsbürgerschaft aufgegeben haben. DIB verfasst ebenso die Freitagspredigten und versendet sie an die Hodschas im In- und Ausland.

Die DIB zustehenden, nicht unerheblichen finanziellen Mittel werden zur staatlichen Islamförderung verwendet, die faktisch Staatsreligion in der Türkei ist, da sich das Land gegenüber dem Osmanischen Imperium fast zur Gänze monoethnisch und monoreligiös zusammensetzt, wobei insbesondere die christlichen und jüdischen Minderheiten sich einer immer stärkeren Verfolgung ausgesetzt sehen. Nach einer im Oktober 2009 veröffentlichten Umfrage wollte jeder dritte türkische Befragte keinen Christen als Nachbarn haben (und fast jeder zweite Befragte keinen Juden). Mehr als jeder zweite Befragte lehnte in der Umfrage die Beschäftigung von Nicht-Muslimen in der Justiz, in der Armee, bei der Polizei, beim Geheimdienst und in den politischen Parteien ab. Über 40 Prozent waren zudem dagegen, dass Christen oder Juden in der Wissenschaft und im Gesundheitswesen vertreten sind. Dies mag an dieser Stelle als Hinweis auf die Situation religiöser Minderheiten in der Türkei genügen. 3

Damit hat sich DIB, das direkt dem Amt des türkischen Ministerpräsidenten untersteht, von einem Instrument der Kontrolle kemalismusfeindlicher Strömungen zu einem machtvollen Instrument der nationalen und internationalen Islamisierung durch die regierende AKP gewandelt.

In Deutschland wird die MG, die dort als „Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG)“ agiert, von den Sicherheitsbehörden als Organisation des „taktischen Islamismus“ beobachtet, da ihr vorgeworfen wird, legalistisch (ohne Anwendung von Gewalt) ihr Ziel der Installierung schariakonformer Lebensbereiche und islamistischer Milieus für ihre Anhänger nach ihrer Islamauslegung durchzusetzen.

In Österreich agiert die MG als „Österreichische Islamische Föderation“ (AIF) mit dem stärksten Dachverband, der „Islamischen Föderation Wien“ (IFW), wobei in der Regel Verbindungen zur „Saadet Partisi“ (Glückseligkeitspartei), dem politischen Arm der MG Bewegung in der Türkei, bestritten werden, da nach dem türkischen Parteiengesetz Parteien keine Auslandsableger unterhalten dürfen.

Gleichwohl war Prof. Dr. Numan Kurtulmus – damaliger Parteichef der Saadet Partisi – Gastredner beim 3. Donaufest der IFW vom 13. – 16.05.2010. Ebenso waren hochrangige Funktionäre der deutschen MG Bewegung wie Yavuz Celik Karahan (Osman Döring) und Oguz Ücüncü anwesend. (siehe im Anhang das Programm des Donaufestes am Ende des Textes).

Auch werden Verbindungen zwischen dem türkischen Staat und der IFW gepflegt. Im Januar 2010 besuchte der türkische Botschafter, Herr Kadri Ecvet Tezcan, und der Kultusrat und damalige ATIB Vorsitzende, Herr Mehmet Emin Cetin, die Islamische Föderation in Wien. Bei seiner Rede äußerte der Botschafter folgendes:
„Ich habe bei der Präsentation eurer Tätigkeiten einen Vergleich über die vergangenen 20 Jahre gemacht und es hat mich sehr geehrt. Möge Allah (s.t.) eure Dienste belohnen und eure Wege ebnen inscha-allah. Wir leben in Wien. Wir müssen unserer Zukunft – der Jugend – unsere Religion, die Kultur und die Tradition lehren. Denn eine Gesellschaft ohne Religion kann keine Moral und Ehre haben. Eurer Solidaritäts-Projekt, welches ihr schon seit 4 Jahren durchführt, wurde vom ehem. Bundeskanzler Dr. Gusenbauer gelobt, was kann das anderes sein, als eine internationale Zustimmung „zum rechten Wort“. 4

Hier muss gefragt werden, wie diese Worte tatsächlich gemeint sind, wenn man den teilweise als extrem zu bezeichnenden Nationalismus des „Türkentums“ einbezieht, der als sozialer Kitt die junge türkische Republik seit ihrer Gründung zusammenhält und auch in den Diasporagemeinden vermehrt zu beobachten ist. Handelt es sich hier um einen Aufruf zur Desintegration und damit um die Einmischung eines hohen türkischen Staatsbeamten in die inneren Angelegenheiten Österreichs?

Den größten türkisch-sunnitischen Dachverband in Österreich stellt ATIB dar, die derzeit gezielt unter ihren Mitgliedern dafür wirbt, dass sie auch Mitglieder der IGGiÖ werden, was für eine gezielte Einflussnahme auf die zukünftige Entwicklung der Glaubensgemeinschaft spricht.

Avusturya Türk Islam Birliği (= ATIB)

Die ca. 74.000 Mitglieder umfassende „Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich“, allgemein bekannt unter ihrem Akronym ATIB, die im Gegensatz zur IFW nicht der IGGIÖ angehört, untersteht dem türkischen Staat.

Die ATIB ist, ihrer Selbstdarstellung nach, zuständig für alle innerhalb der Republik Österreich sesshaften türkischstämmigen und dem Islam zugehörigen Personen, in sozialen, kulturellen, religiösen, sportlichen und erzieherischen Bereichen. ATIB hat die Aufgabe, die dafür erforderlichen Voraussetzungen und Einrichtungen zur Unterstützung der Gesellschaft zu schaffen. So die Selbstdarstellung der ATIB Linz:

„ATIB ist eine große UNION und zugleich ein großer ziviler Verein mit 59 Mitgliedsvereinen, die alle nach der Österreichischen Gesetzgebung gegründet worden sind. Sie unterliegen den gesetzlichen Vereinsstatuten, sind juristisch und finanziell unabhängig, wie auch rechtsfähig. Die Zentrale der ATIB liegt in Wien und ist gleichzeitig die Dachorganisation der ATIB Mitgliedervereine österreichweit.“

Inhaltlich werden die ATIB Gemeinden durch den Sozialattaché der türkischen Botschaft in Wien kontrolliert. Um die Werte des Kemalismus, den die (noch) Türkei vertritt, aufrecht zu erhalten, ist diesen Gemeinschaften jegliche politische Betätigung untersagt. Der jeweilige din görevlisi – “Religionsbeauftragte“ = Hodscha – wird, wie in Deutschland von der DIB, in die Moscheegemeinde entsandt, überwacht und bezahlt und ist Inhaber eines türkischen Dienstpasses. Sie stellen somit vom Staat besoldete und kontrollierte Beamte dar, die weisungsgebunden sind und nur eine befristete Zeit in der jeweiligen Moscheegemeinde verbleiben.

Seine theologische Ausbildung hat ein Hodscha zumeist an einer türkischen Universität erhalten, wobei in den letzten Jahrzehnten die İmam hatip lisesi, staatliche Berufsfachgymnasien für die Ausbildung zum Imam (Vorbeter) und Prediger in der Türkei, deren Abschluss auch zum Studium an einer Hochschule berechtigt, stark an Bedeutung gewonnen haben. Primär konservativ eingestellte und in den religiösen ländlichen Gebieten lebende Familien senden ihre Söhne zum Studium an eine dieser Schulen, weil das als Chance für einen gesellschaftlichen Aufstieg beurteilt wird.

Die ATIB-Gemeinden vertreten den sunnitischen Islam und der dort geltenden ältesten und größten hanafitischen maḏhab (islamische Rechtsschule) in der Türkei. ATIB vertritt aber nicht die starke Alevitische Gruppe, die sich selbst organisiert hat und eine Sondergruppe innerhalb des Islam darstellt, die in der Türkei besonders kemalismusfreundlich eingestellt ist, weil sie, wie die Kurden, einer rigiden kulturellen Homogenisierungspolitik unterliegt und sich deren Situation in der Türkei beständig verschlechtert.

Der sunnitische Islam und die hanafitische maḏhab waren schon durch das „Islamgesetz“ vom 15.07.1912 als Religionsgemeinschaft anerkannt worden, wobei die im islamischen Eherecht erlaubte Polygamie verboten wurde, da das Islamgesetz dem Staatsrecht unterstand (und damit gemäß §7 das Ehegesetz von 1870 galt). §6 des Islamgesetzes sagt dies deutlich aus:

„Die Religionsgesellschaft der Anhänger des Islams nach hanafitischem Ritus genießt als solche sowie hinsichtlich ihrer Religionsausübung und ihrer Religionsdiener denselben gesetzlichen Schutz wie andere gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaften. Auch die Lehren des Islams, seine Einrichtungen und Gebräuche genießen diesen Schutz, insofern sie nicht mit den Staatsgesetzen im Widerspruch stehen.“

Auch Art.14S1 des Staatsgrundgesetzes beschränkt die Religionsfreiheit:

„Die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit ist jedermann gewährleistet. Der Genuss der bürgerlichen und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntnisse unabhängig; doch darf den staatsbürgerlichen Pflichten durch das Religionsbekenntnis kein Abbruch geschehen.“

Somit wurde nicht, wie oft behauptet „der Islam“ in der KuK Monarchie anerkannt, sondern nur die quantitativ größte islamische Ausprägung und die älteste sunnitische Rechtsschule. Erst am 02.05.1979 wurden auf Antragstellung des Muslimischen Sozialdienstes (MSD) die Anhänger des Islam nach hanafitischem Ritus als Religionsgemeinschaft anerkannt, womit der MSD die Funktion des obersten Rates der IGGiÖ übernahm. 1989 wurde durch Beschluss des Obersten Gerichtshofes die Glaubensgemeinschaft auf alle sunnitischen und schiitischen Rechtsschulen ausgeweitet und die Islamische Glaubensgemeinschaft als Rechtsperson anerkannt. Mit der Anerkennung der Islamisch-Alevitischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IAGÖ) als religiöse “Bekenntnisgemeinschaft” durch das Kulturministerium im Dezember 2010 differenziert sich derzeit das Bild der monolithischen Vertretung „der Muslime“ in Österreich, womit das Monopol der IGGiÖ der Vergangenheit angehört und auch ATIB keine bevorzugte Stellung mehr einfordern kann.

Die integrationsfördernde Wirkung der ATIB muss vor dem Hintergrund der seit Jahren schwelenden Konflikte um geplante Bauvorhaben in verschiedenen Wiener Bezirken bezweifelt werden, weil, wie weiter oben angeführt, Integration vom türkischen Staat nicht gewünscht ist.

Deutschlands renommiertester Arabist Prof. Dr. Tilman Nagel hat in einem Vortrag am 19.11.2008 im „Domforum Köln“ zur Wirkung des deutschen DIB Ablegers DİTİB (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği/Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) explizit ausgeführt:

“Die großen Islamverbände haben das Ziel, zu verhindern, dass die große Menge der Muslime sich allzu stark in diese Gesellschaft einfügt. Das ist das Ziel, das man auch in der Islamkonferenz, bei der ich auch zum Teil teilnehme, ganz deutlich merken kann. Das ist das Wesentliche. Und auch – wenn sie im türkischen Internet nachgucken, was dort über DITIB steht und gesagt wird – dann ist dort ganz deutlich, dass das eine staatliche Organisation ist, die darauf hinzuarbeiten hat, die hier eingewanderten Türken auch Türken sein zu lassen und sie politisch an die Heimat zurückzubinden.“

Wir können nun das Wesentliche zusammenfassen:

ATIB ist keine eigenständige Gründung und Vertretung von hier lebenden Muslimen, sondern Auslandsableger einer Behörde des türkischen Staates, die sich von einem Kontrollinstrument des Kemalismus zu einem machtvollen und finanziell glänzend ausgestatteten Instrument der Beeinflussung der Auslandstürken entwickelt hat, die sich nicht integrieren sollen. Sondern denen vielmehr eine auf die spezifischen religiösen und alltagsweltlichen Belange ausgerichtete Infrastruktur angeboten werden soll, damit sich die Kontakte zur Aufnahmegesellschaft möglichst weit reduzieren.

Ganze Stadtteile bilden im Rahmen fortschreitender Segregation sich schließende Gemeinschaften, wo die Alltagswelt ohne jegliche deutsche Sprachkompetenz bewältigt werden kann und archaisch-religiöse Normen- und Wertesysteme den öffentlichen Raum bestimmen, der als reine Männerdomäne angesehen wird, während den Frauen der familiäre Raum verbleibt, da die Gesellschaft nach traditioneller islamischer Lehre in einen öffentlichen und einen privaten Bereich getrennt wird. Das führt zur Frage der Entstehung paralleler Strukturen.

Hier geht es teilweise nicht mehr um Integration, sondern um die Errichtung von parallelen Strukturen, die die seit Jahren existierende residentielle oder soziale Segregation verstärken, womit die Entmischung der städtischen Wohnbevölkerung und die Konzentration von armen Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund in einzelnen Teilräumen einer Stadt gemeint ist, die dieselben ökonomisch-sozialen Merkmale aufweisen.

Mein zweiter Doktorvater, der Bochumer Stadtsoziologe Prof. Dr. Klaus-Peter Strohmeier, spricht hier von der Existenz „Demokratiefreier Zonen mit einem apathischen Gestaltungspessimismus“ als Herausforderung an die städtische Sozialpolitik im 21. Jahrhundert:

  • Soziale Herausforderung: kleinräumige Polarisierung sozialer Lagen der Bevölkerung und Erosion der traditionellen Familien- und Nachbarschaftsstrukturen, soziale Exklusion und „neue Unterschicht“, Überlastung der informellen Solidarpotentiale im Generationenverhältnis
  • Kulturelle Herausforderung: Schwinden sozialer Integration und lokaler Identifikation, Rückgang politischer und sozialer Partizipation, „Gestaltungspessimismus“ und „demokratiefreie Zonen“ in der Stadt 5

Die derzeit zu beobachtende verstärkte Segregation nach ethnischen und religiösen Merkmalen, nach Religions- und Volksgruppenzugehörigkeit, führt im Zeitablauf in einer Weiterentwicklung zu islamisch geprägten homogenisierend-kollektivistisch wirkenden, sich gleichzeitig aber in sich selbst trennende Viertel der klassischen orientalischen Stadt, wo der Grundsatz „al-walā’ wa-l-barā’a“ gilt. Gemeint ist damit, sich von allen Nichtmuslimen fernzuhalten und die Nähe von Muslimen zu suchen und diese im Notfall gegen Nichtmuslime zu unterstützen (auf Grundlage von 5: 51 im Koran). Dies stellt den Endpunkt einer Entwicklung von der sektoralen sozialen zur mehrkernigen ethnisch-religiösen Segregation dar. Von demokratiefreien Zonen, mit ihrem apathischen Gestaltungspessimismus, zu religiös geprägten Neben- und Gegengemeinschaften.

In diesen sich im Zeitablauf abschließenden Strukturen, da etwa in der Nähe von ATIB Moscheen nur sunnitisch-hanafitische Türken hinziehen werden, die Mitglieder der ATIB sind, entwickelt sich die schon angesprochene orthodox-islamische Lebenswelt mit eigener Infrastruktur, wo es oftmals keinerlei deutscher Sprachkenntnisse zur Lebensbewältigung mehr bedarf. Aufgrund der demographischen Entwicklung und dem Umstand, dass die Grundstücke in der Nähe von Moscheen massiv an Wert verlieren, erfolgt im weiteren eine Ausdehnung dieser parallelen Strukturen, da die alteingesessenen Bewohner entweder wegziehen oder aussterben. Der frei gewordene Wohnraum wird wieder von Menschen mit demselben ethnisch-religiösen und sozialen Hintergrund bezogen, was zu einer Kettenreaktion führt, die die Herausbildung eigener Stadtviertel forciert.

Damit wird das Phänomen der von bestimmten Einwandererethnien geprägten Stadtteilen zur sich ausdehnenden Wirklichkeit städtischen Lebens, die keine Durchgangsstation für die Integration und den sozialen Aufstieg darstellen, sondern zu einem Neben- und Gegeneinander führen. Am Ende entsteht inmitten der Mehrheitsgesellschaft eine eigene Umma (islamische Gemeinschaft) mit einer Moschee im Zentrum, die keinen Sakralbau darstellt, was uns zum Ende des Überblickes zum Thema Moscheebau führt.

Eine Moschee ‏مسجد‎ (masǧid): Ort der Niederwerfung, nach dem arab. Wurzelkonsonantenstamm auch Ort der Versammlung, ist ein ritueller Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebetes und darüberhinaus der politischen, rechtlichen und lebenspraktischen Wertevermittlung im Sinne des Islams sowie ein sozialer Treffpunkt.

Sie kann ein Mehrzweckgebäude sein, also ein Platz für Unterricht und Gespräche wie auch ein Veranstaltungszentrum für das Feiern gesellschaftlicher Anlässe. In der ersten Moschee in Medina findet sich schon das Grundmuster einer Moschee: es ist ein Raum zum Beten, der zur Kaaba (arabisch: einfaches würfelförmiges Gebäude, das einen von alters her von den Arabern verehrten Meteoritenstein bewahrt) nach Mekka ausgerichtet ist.

Die Moschee ist somit grundsätzlich ein Baukomplex mit einem Gebetssaal und Nebenräumen, oft einer Kuppel bzw. häufig mit einem Minarett. Sie ist auch heute ein Ort der Zusammenkunft, der Versammlung und des gemeinschaftlichen Gebetes. Türkische Moscheen, in denen das Freitagsgebet stattfindet, nennt man Djamii, die abgehaltene Freitagspredigt „Chutba“. Als vielseitige Begegnungsstätte dient die Moschee als soziales, kulturelles, theologisch-pädagogisches und religiöses Zentrum. Hauptsächlich ist sie allerdings ein Ort, an dem die Gläubigen in Andacht ihre Gebete verrichten und spirituelle Ruhe erfahren können.

Der Gebetsruf (aḏān) erfolgt durch den Muezzin, in islamischen Ländern vom Minarett aus, immer vor dem Gemeinschaftsgebet, um die Gläubigen in der Moschee zu versammeln. Minarette (vom Türkischen minare, ein Lehnwort aus dem arabischen: منارة ‏(manāra), Leuchtturm) wurden seit etwa 700 n. Chr. errichtet. Diese Tradition ging höchstwahr¬scheinlich von Syrien aus, wo frühchristliche Kirchtürme oder Leuchttürme unter anderem als Wachtürme zweckentfremdet wurden. In der Frühzeit des Islam rief der Muezzin den aḏān meist vom Dach der Moschee aus. Heutzutage gibt es Minarette, die nicht bestiegen werden, sondern von denen aus Lautsprecher den aḏān ausrufen.

Manche Moscheen besitzen Namen mit der Intention des osmanischen Triumphalismus, wie die bekannten „Fatich-“ oder „Fetich-“ Moscheen, die als „Eroberer“ oder „Eroberungs-“ Moscheen bekannt sind. Sie werden aber auch als „Öffner“ bzw. „Öffnungs-“ Moscheen bezeichnet, da nach klassischer islamischer Lehre der offensive gewaltsame kleine Dschihad nicht als Eroberung, sondern als „Öffnung“ (Futuhat) gesehen wurde, und der Dschihad das unterworfene Gebiet erst für die wahre Rechtleitung des Islam und die Möglichkeit zur Konversion geöffnet hat, weil nach dem islamischen Konzept „Fitra“ jeder Mensch bei seiner Geburt und gemäß seiner Natur ein Muslim ist.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass in den heiligen Quellen des Islam (Koran und Ahadithsammlungen der nachkoranischen Sunna) nicht vorgeschrieben wird, dass eine Moschee eine Kuppel oder ein Minarett haben muss. Hierzu siehe das Standardwerk „Encyclopedia of Islam“, Artikel „Moschee“, 1. Satz: “The Qur’an gives absolutely no indication of what, if any, form a masjid should take…” (Bloom M. Jonathan (2003), in: “Encyclopaedia of the Qur’an”, Volume Three, J – O, “Mosque”, S.427).

Damit kann nur die Ritenpraxis selbst (hier ṣalāt als das fünfmalige Pflichtgebet am Tag) in der Moschee vom Grundrecht der Religionsfreiheit in Form der ungestörten Religionsausübung umfasst sein. Aber nicht eine Bauform, wie die klassische osmanische Bauform mit Kuppel und Minarett, da aus den allgemein garantierten Religionsgrundrechten keine politischen Rechte für eine Religionsgruppe abgeleitet werden können.

Ebenso ist festzuhalten: Die Definition einer Moschee ergibt sich aus dem, was eine Moschee nicht ist. Bei der Moschee, als dem Ort muslimischer Gottesverehrung, handelt es sich nicht wie bei einer Kirche um einen sakralen Raum. Ihre Bedeutung ergibt sich vielmehr aus ihrer Funktion als Stätte zur gemeinsamen Verrichtung des Pflichtgebetes: Nur das Gebet macht den Ort relevant und nicht der Ort das Gebet.

Die Ausführungen meines Vortrages sollten, als erster und kurzer Überblick, aufgrund meines begrenzten Zeitrahmens, ausreichen, um auf die Problemlagen der nächsten Jahre und Jahrzehnte hinzuweisen, für die wir Lösungsstrategien entwickeln müssen.

Diese können nur gefunden werden, wenn unter anderem auch die von geplanten Bauvorhaben betroffenen Anwohner frühzeitig informiert und in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Ebenso wird man sich nicht der Diskussion entziehen können, ob der derzeit geltende rechtliche Rahmen des Verhältnisses zwischen Staat und islamischen Verbänden in Österreich noch zeitgemäß ist oder ob es nicht einer Konkretisierung der Grenzen der Religionsfreiheit bedarf.

Anhang

Kulturelle Darbietung während des 3. Donaufestes 2010 der IFW

Quelle: http://ifwien.at/index.php/nachrichten/verbandsnachrichten/149-donaufest.html

Auf dem Bild sieht man die Kriegsflagge des osmanischen Imperiums mit den drei Halbmonden, die aktuell eines der Erkennungszeichen der rechtsextremen und antisemitischen „Bozkurtlar“ (Graue Wölfe) darstellt.
Die Darsteller sind in der Uniform der Yeñiçeri = Janitscharen (neue Truppe) gekleidet, was man an der Keçe erkennt, die die weiße Kopfbedeckung dieser militärischen Eliteeinheit des osmanischen Imperiums war, die bei den zwei Belagerungen vor Wien die größte militärische Kraft des osmanischen Heeres gegen die Wiener Verteidiger darstellten.
Die Mitglieder der Janitscharen wurde vom 14. – 18. Jahrhundert auf dem Balkan, Griechenland und Armenien durch die Devşirme (Knabenlese) gewonnen, wobei man den christlichen Familien jeden fünften Knaben entriss, diese zwangskonvertierte, sie bei Bauernfamilien unterbrachte, damit sie die osmanische Sprache lernten, um sie dann nach den Regeln des Islam zu erziehen. Viele machten später aufgrund des besonderen Loyalitätsverhältnisses zum jeweiligen Sultan Karriere im Militär und in der Verwaltung. Grundlage der Knabenlese bildete Sure 8, Vers 41 im Koran, der die Grundverteilung der beweglichen Kriegsbeute nach dem Sieg der jungen islamischen Gemeinschaft bei der Schlacht von Badr 624 A.D. regelt. Erst 1826 wurden die Jantischaren durch Sultan Mahmud II. mittels eines als „wohltätiges Ereignis“ bekannte Massaker faktisch vernichtet.

Hier kann man von einer non verbalen und visuellen Form der Indoktrinierung insbesondere von Kindern und Jugendlichen sprechen, da die gewaltsame und gegen das Abendland gerichtete Dschihadperiode des osmanischen Imperiums als kulturelle und identitätsstiftende Tradition dargeboten wird. Und das in einer Stadt, die wie keine andere den Angriffen des osmanischen Imperiums 1529 und 1683 ausgesetzt war.
Wenn der türkische Botschafter beim Besuch der „Islamischen Föderation Wien“ (IFW) Anfang 2010 davon gesprochen hat, man müsse „unserer Jugend“ unter anderem „unsere Kultur und unsere Traditionen“ lehren, erhält man eine Ahnung, was diese Aufforderung beinhaltet. Die Konstruktion einer gegen die Integration in die österreichische Gesellschaft gerichteten sozialen Identität. Unter anderem durch Rückgriff auf historische Ressourcen, die glorifiziert und gefeiert werden.

Programmablauf des 3. Donaufestes der IFW Wien vom 13. -16.05.2010 in Wien

Programmablauf von 13. – 16. Mai:
Das Programm wird jeden Tag um 10:00 Uhr eröffnet und ab 11.30 beginnen die Kinderanimationen.

Donnerstag, 13. Mai
15:00 Eröffnungsprogramm
Muhammed Turhan (IFW Vorstandsvorsitzender)
Mehmet Silay (Schriftsteller)
Mehteran (Choreografie mit musikalischer Einlage)
Konferenz: Mehmet Silay
20:30 Konzerte; anschließend finden um 21.30 Verlosungen statt.

Freitag, 14. Mai
12:30 Open Air Freitagsgebet
14:30 Konferenz: Zehra Dizman (IGMG)
Doc. Dr. S. Kurtulmus
Anatolische Tanzfolklore
17:30 Konferenz: Kemal Ergün (IGMG Köln) und Mehmet Silay
19:00 Konzerte und Stand-Up-Shows; ab 21.30 Verlosungen

Samstag, 15. Mai
11:00 Kinderprogramm Spezial: Nasruddin Hodscha
14:00 Podiumsdiskussion: Islam und Politik mit:
Oguz Ücüncü (IGMG)
Dipl.-Päd. Emine Polat Sürel (SPÖ Wien)
Mag. Jamal Morad (IGGIÖ)
Mag. Muhammed Tosun (Moderator)
16.30 Ansprachen und Vorträge:
diverse Politikern (z.B. Prof. Dr. Numan Kurtulmus: Saadetpartei)
Botschafter der Republik Türkei
Vorstandsvorsitzende der IGMG
Vorstandsvorsitzender der IFW
anschließend Anatolische Tanzfolklore
20:30 Konzerte mit nachfolgender Verlosung um 21.30 Uhr

Sonntag, 16. Mai
13:00 Konferenz
14:00 15:30 Konzerte
16:30 Abschluss Kuran Rezitation

(Quelle:http://ifwien.at/index.php/nachrichten/verbandsnachrichten/148-donaufest.html)

Notes:

  1. Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 48/2004, Christiane Schirrmacher „Frauen unter der Scharia“
  2. Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article10769062/Erdogan-ist-ein-Kassierer-des-Zionismus.html
  3. Quelle: http://www.focus.de/politik/ausland/tuerkei-viele-muslime-wollen-keine-juedischen-nachbarn_aid_440777.html
  4. Quelle: http://ifwien.at/index.php/nachrichten/verbandsnachrichten/116-der-botschafter-der-republik-tuerkei-herr-kadri-ecvet-besuchte-die-ifw.html
  5. Ausführlich dazu: Strohmeier (2006): „Segregation in den Städten“, unter: http://library.fes.de/pdf-files/asfo/04168.pdf

One Comment »

  1. Günther 13. April 2011 at 12:50 - Reply

    Der Islam ist wissenschaftlich bewiesen ein Ableger des Urchristentums in der arabischen Welt im 7. Jahrhundert. Die einzig nachweisbaren Quellen sind syroaramäisch, somit christlich. Der Prophet und die ganze Märchengeschichte von der Ausbreitung des Islams sind nicht wissenschaftlich nachweisbar und somit ins Reich der Erfindungen zu verweisen. Das, was man heute als Islam kennt, ist eine MIschpoke von zur Hälfte falsch übersetzten aramäischen Quellen vermischt mit Beduinentum und dazuerfundenem Schwachsinn. Die Verweigerung der Trennung von Religion und Staatlichem macht den Islam inkompatibel füR unsere gesellschaften und ausserdem verfassungwidrig.
    Das ist die Wahrheit und wenn man die zugrundelegt muss man diese faschistische Idologie mit Stumpf und Stiel bekämpfen. Soviel zu Ihrem Geschafel!

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