Kulturrelativismus als Integrationshemmnis

4. April 2011 3

Kolumne: Ansichten und Einblicke aus Berlin

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit Studien zur sogenannten Islamophobie. Diese aus der Vorurteilsforschung stammenden Umfragen definieren Islamophobie meist als generelle Ablehnung von oder unbegründete Angst vor Muslimen und dem Islam. Derzeitige Lektüre ist eine umfangreiche Studie, die europaweit (angebliche) Vorurteile der Bevölkerung im Rahmen des Forschungskonstruktes der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF-Survey) vergleicht. Sie zeigt nicht nur, dass die Deutschen in nahezu allen Dimensionen gegenüber Minderheiten im europäischen Durchschnitt liegen, sondern vor allem auch, dass wir ein Volk der Mitte sind, was die unterschiedlichsten politischen Selbst-Positionierungen betrifft: So ordnen wir uns im politischen Links-Rechts-Schema überwiegend in der Mitte ein, weisen mit einem Viertel der Befragten die geringste Quote an politisch Desinteressierten auf, haben verhältnismäßig weniger Dauer-Nichtwähler und wollen am seltensten in Europa die Todesstrafe (mehr dazu später bei der ausführlichen Besprechung der Studie).

Heute soll es aber um zwei sehr grundlegende Gedanken diesbezüglich gehen, die eng miteinander zusammenhängen und meiner Meinung nach beide Folgen der 1968er darstellen.

Die Vorurteilsforscher behaupten, dass wir andere nur abwerten, um uns selbst aufwerten zu können. Formuliert man diese These jedoch zunächst neutral, also ohne Bewertung, kann man ihr sogar zustimmen: Wir erkennen unsere eigenen Werte, unsere eigenen Eigenschaften, letztlich unsere eigene Kultur vor allem in der Abgrenzung zu anderen. Dies ist das Prinzip, was die Sozialwissenschaften Ingroups und Outgroups nennen. Nun kommt aber zum Tragen, das die 1968er uns jahrzehntelang eingebläut haben, dass unsere Kultur nicht besser sein kann als andere, ja das unsere Kultur nicht einmal besser für uns sei, als irgendeine andere Kultur.

Je weniger wir uns aber dadurch unserer Werte bewusst sind und je weniger wir Vergewisserung über unsere Identität vom Blick nach innen erreichen, desto mehr müssen wir uns in der Unterscheidung zu anderen definieren. Wird uns nun permanent etwas eingetrichtert, was unseren normalen Gefühlen, unserem gesunden Menschenverstand (um dieses leider sehr abgenutzte Wort zu verwenden) widerspricht, nämlich dass es keine Unterschiede zwischen den Menschen gäbe, dass alle gleich und nicht „nur“ gleichberechtigt sind, dann reagieren wir natürlich irgendwann über. Und dann kommt es oft genug zu Abwertungen anderer, die natürlich nicht gerechtfertigt sind, die natürlich oft pauschalisierend oder gar diskriminierend sind.

Doch die Vorurteilsforscher gehen noch viel weiter, sie werten jegliche Kategorisierung anderer Menschengruppen als Vorurteil und damit als Abwertung. Wenn Kulturen nämlich keine Unterschiede haben bzw. aus der normativen Sicht der Kulturrelativisten haben dürfen, dann muss jedwede Auffassung von anderen als Gruppen (z.B. als Muslime) als Vorurteil gelten. Das heißt aber, selbst nachweisebare Gemeinsamkeiten von z.B. Anhängern des Islams sind Vorurteile, weil es sie nicht geben darf. Nun ist die Auffassung einer Menschengruppe als eine kulturelle Einheit oder gar Kultur tatsächlich ein Konstrukt, weil von der Mehrheit auf alle Individuen der entsprechenden Gruppe geschlossen wird. Solange diese Verallgemeinerung aber begründet erfolgt, z.B. im Sinne gemeinsam feststellbarer Riten etc., ist sie aus wissenschaftlicher Sicht nicht nur zulässig sondern auch logisch zwingend, ohne dabei abwertend sein zu müssen.

Und selbst wenn die Unterscheidung zu einer Gruppe, die als anders wahrgenommen wird, begründet wertend erfolgt (z.B. dass die Frauenrechte und damit die Menschenrechte nicht oder überwiegend nicht gewahrt werden und die Kultur deswegen als weniger gerecht oder allgemein schlechter bezeichnet wird), dann ist dies zulässig. Ja, diese Unterscheidung ist sogar ein grundlegender Überlebensmechanismus: Wer nicht zuerst seine Familie, dann seine Community (früher: Stamm), dann sein Volk und erst dann kulturell völlig anders Orientierte schützt, wird sich selbst zerstören. Denn wenn ich nicht mehr in der Lage bin, zu unterscheiden was für meine Mitmenschen gut ist und was nicht, dann kann ich gar keine Entscheidungen mehr treffen.

In der übersteigerten Form der Kulturrelativisten, der Vorurteilsforscher, kurz, der umgangssprachlich als Gutmenschen bezeichneten, ist das Verbot einer Unterscheidung sogar zutiefst rassistisch. Denn wer Unterschiede nicht „erlaubt“, macht und schaltet alle gleich und akzeptiert ihre Recht auf Diversität nicht. Ayaan Hirsi Ali hat dies treffend als „Rassismus der Antirassisten“ gebrandmarkt.

Deswegen denke ich übrigens auch, dass wir mit der Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT die einzige Partei in Deutschland sind, die sich der Muslime eben nicht in vereinfachender, rassistischer Art annimmt: Wir behaupten eben nicht wie alle anderen Parteien, dass der Islam nicht das Problem bei der Integration sein kann. Stattdessen werfen wir einen differenzierten Blick auf die Menschen aus muslimischen Ländern, der es ihnen überhaupt erst ermöglicht, der Islamisierungsfalle zu entgehen. Denn – wie es mein Vorstandskollege Marc Doll kürzlich sehr treffend auf den Punkt brachte – fehlende Sprachkenntnisse, geringe Bildung, hohe Kriminalität und geringe Teilnahme am Erwerbsleben sind eben nicht Ursachen der Desintegration sondern ihre Phänomene. Kein Mensch hindert muslimische Migranten und ihre Nachfahren daran, Deutsch zu lernen, in der Schule aufzupassen, dadurch einen Job zu bekommen und deswegen auch nicht kriminell werden zu müssen.

Ein Integrationshemmnis ist es aber, wenn die etablierten politischen Kräfte einen Teil der islamischen Identität verleugnen und die Muslime damit einzementieren. Denn wenn es überhaupt eine Bringschuld der Aufnahmegesellschaft bei der Integration gibt, dann ist es, dass wir den Zuwanderern hier die gleichen Chancen zu geben, indem wir klar sagen, woher die Gefahr für uns alle droht, indem wir die Unterschiede klar benennen. Eine differenzierte Kritik an der politischen Ideologie des Islams ist der einzige Weg in eine gemeinsame Gesellschaft mit den Muslimen. Dies bedeutet übrigens auch, ganz offen zu sagen, was unsere Werte sind. Denn nur so können Muslime und alle anderen Zuwanderer wissen, wo hinein sie sich zu integrieren haben.

3 Comments »

  1. Siegfried Goldau 5. April 2011 at 12:05 - Reply

    Wer es nötig hat, seine Meinung, als grundlegenden Überlebensmechanismus zu verkaufen, um seine Familie und sein Volk zu schützen, bezeugt damit, dass er seine Vorurteile behalten will. Wenn ich kein Weißbrot mehr esse, weil mir Vollkornbrot am besten schmeckt und ich überzeugt davon bin, dass es meiner Gesundheit dient, ist das ganz was anderes als wenn ich möchte, das Weißbrot verboten wird, weil es meiner Familie schadet.
    Bevor ich also unterscheide was für meine Mitmenschen gut oder schlecht ist, muss ich erst mal meine Mitmenschen fragen, unzwar alle Mitmenschen, nicht nur die eigene Familie oder das eigene Volk sondern auch“kulturell völlig anders Orientierte“. Weigere ich mich, dann habe ich „Vorurteile“ und das ist mein gutes Recht! Verurteile ich aber Menschen und ihre Lebensweise aus religiösen oder „rassistischen“ Gründen, bin ich ein „Rassist“ (per Definition!) und dazu habe ich kein Recht!
    Wer auf oben beschriebene Weise deutlich macht, auf seine Vorurteile gegenüber fremden Religionen oder Rassen nicht verzichten zu wollen, kann nicht von den Anhängern dieser anderen Religion oder Rasse Anpassung verlangen. Woran sollen diese die sich denn anpassen? An meine Vorurteile?
    Bei der Integration kann es niemals darum gehen, das eine Seite der anderen erklärt wo sich wer zu integrieren hat, sondern immer muss es beginnen mit dem Abbau gegenseitiger Vorurteile um dann über sinnvolles Entgegenkommen das gemeinsame Miteinander zu stärken.
    Diese Einstellung hat wirklich garnichts mit „Gutmenschentum“ zu tuen sondern ist eine der einfachsten moralischen Regeln beim Umgang mit Mitmenschen überhaupt, unabhängig davon ob ich diese Mitmenschen bei „kulturell völlig anders Orientierten“ oder im eigenen Volk oder in der eigenen Familie finde. Diese Einstellung ist in allen Menschenrechtsdeklarationen, wie auch im Grundgesetz, verankert.

  2. AL 5. April 2011 at 17:03 - Reply

    ZITAT: Verurteile ich aber Menschen und ihre Lebensweise aus religiösen oder “rassistischen” Gründen, bin ich ein “Rassist” (per Definition!) und dazu habe ich kein Recht!

    Es existieren reichlich Fatāwā, welche die Lebensweise der Kuffār als irrgeleitet verurteilen. Gerne wird es auch als Dekadenz bezeichnet. …. http://www.quran-sunna.de/viewtopic.php?f=126&t=660 …. davon gibt es noch unzählige mehr.

    ZITAT: Bei der Integration kann es niemals darum gehen, das eine Seite der anderen erklärt wo sich wer zu integrieren hat, sondern immer muss es beginnen mit dem Abbau gegenseitiger Vorurteile um dann über sinnvolles Entgegenkommen das gemeinsame Miteinander zu stärken.

    Demzufolge ist es wohl einfacher, wenn sich alle in den Islam integrieren. Die Nichtmuslime zeigen sich viel nachgiebiger und sind moralisch schwächer.

    „Der Islam herrscht, er wird nicht beherrscht.“ – Buhari-Hadith, Khoury, Islam Lexikan, Toleranz, S. 722

    „Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“ – Karl Marx, Die Kriegserklärung – Zur Geschichte der orientalischen Frage, Marx-Engels-Werke, Band 10, S. 170

    „Ich bin fest davon überzeugt, dass das Schicksal der Menschheit an die Jamaat Ahmadiyya geknüpft worden ist. Ich bin sicher, dass wenn der endgültige Sieg des Islam kommt – und er wird bestimmt kommen –, dies durch die Ahmadiyya der Fall sein wird.“ – Mirza Tahir Ahmad in der Freitagsansprache vom 19. April 1996

    usw. … http://de.wikiquote.org/wiki/Islam

    ZITAT: Diese Einstellung ist in allen Menschenrechtsdeklarationen, wie auch im Grundgesetz, verankert.

    Die islamischen Organisationen, darunter auch die DITIB, folgen der Grundlage der OIC.

    „Hierbei folgten die im Koordinationsrat der Muslime in Deutschland KRM vertretenen Verbände der von der OIC, der Organisation der Islamischen Konferenz bereits im Jahre 1978 erarbeiteten Grundlage.“

    http://www.ditib.de/pressekrm.php?id=11&lang=de

    Damit werden die Menschenrechte nach ‚westlichem Verständnis‘ im Islam hinfällig.

    „Die Organisation der Islamischen Konferenz, ein Zusammenschluss von 57 arabischen Staaten, verabschiedete 1990 diese erste zwischenstaatliche – völkerrechtlich allerdings nicht bindende – Menschenrechtserklärung. Sie basiert auf den in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 und den entsprechen Konventionen der UNO enthaltenen Menschenrechten. Allerdings werden diese Rechte ausdrücklich der Scharia untergeordnet und weichen in einzelnen Punkten vom Vorbild ab. Die Cairo Declaration ist von der UNO nicht als regionales Menschenrechtsinstrument anerkannt. “

    http://www.humanrights.ch/home/de/Themendossiers/Universalitaet/Islam/Innensichten/idcatart_787-content.html

  3. Siegfried Goldau 7. April 2011 at 16:58 - Reply

    @Al
    Wenn man deinen Kommentar ließt, könnte man annehmen du hast noch nie etwas von den Säkularisierungbestrebungen unserer „Schriftreligionen“ Judentum, Christentum, Islam gehört hast.
    Es ist mir nicht verständlich, dass du diese Bestrebungen des Islam so besonders hervorheben willst. Der katholische Kanon z.B. verurteilt noch bis heute die Teilnahme von Katholiken an protestantischen Abendmahlfeiern und ich selbst wurde noch in den 50er Jahren auf dem Schulhof einer katholischen Schule von Kindern mit Steinen beworfen, weil mich jemand als Protestant denuzierte.
    Deine einseitige Darstellung, dass Moslems zu Festtagen anderer Religionen nicht gratulieren dürfen, zeigt die Beschränktheit deiner Sichtweise. Selbstverständlich rufen z.B. die Moslemorganisation der Ditib, nicht nur dazu auf, das wir den Moslems an ihren Festtagen gratulieren könnten, sondern sie rufen auch die moslimische Bevölkerung dazu auf den christlichen Mitbürgern zu ihren Festtagen zu gratulieren. Wenn du es nicht glaubst, dann frage doch einfach mal per e-mail bei Ditib an. Aber da genau wird es bei dir problematisch! Wie ich schon im obigen Artikel andeutete wird dazu sicherlich deine Gesprächsbereitschaft nicht ausreichen.
    Wer excentrische religiöse Darstellungen dazu benutzt, um der dazu gehörigen Religion Unfrieden zu unterstellen beweist damit nur seine Absicht, jede Verständigungen zu verhindern. Ich gehe davon aus, dass du viel besser als ich, die extremen Internetbeiträge chrislicher Fundamentalisten z.B. zum Islam kennst.

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