Schiffe, Kanonen und Schlachten – reich bebildert, aber textlich wenig überzeugende Darstellung

24. März 2011 0

Rezension: Iain Dickie (Hg.): Geschichte der Seekriege

Eine Übersicht der bedeutendsten Phasen und Operationen der Seekriegsgeschichte sowie der in ihnen verwendeten Schiffstypen und Taktiken bietet die jetzt beim Stuttgarter Theiss-Verlag erschienene Geschichte der Seekriege. Das Spektrum der geschilderten Ereignisse reicht von der Pharaonenzeit bis zur Schlacht bei Midway, wobei allerdings der moderne Seekrieg kaum über das Ende des Zweiten Weltkrieges hinaus behandelt wird.


Iain Dickie (Hg.): Geschichte der Seekriege, Stuttgart: Theiss Verlag 2010, 256 Seiten, 34 Euro. Kaufen bei: Amazon.

In fünf gut illustrierten Kapiteln erörtern die meist amerikanischen Autoren von unterschiedlichem akademischem Zuschnitt die wesentlichen Abschnitte der Seekriegsgeschichte, wobei sie sich an dem jeweils dominierenden Schiffstyp orientieren. Taktik, Bewaffnung und Technik stehen im Mittelpunkt, politische und wirtschaftliche Hintergründe werden dagegen kaum berührt. Es fehlt auch ein einführendes Kapitel, das die leitenden Perspektiven und den aktuellen Forschungsstand vorstellt.

Während das Altertum bis zur byzantinischen Zeit von Ruderschiffen geprägt war, begann mit dem Einsatz des griechischen Feuers im Kampf gegen arabische Flotten bereits das Zeitalter der Geschütze, das schließlich mit dem Scheitern der spanischen Armada endete.

Die große Zeit der Segelschiffe war wiederum geprägt von den maritimen Konflikten der Briten, Holländer und Franzosen, die ihren Höhepunkt und Ausklang in den Operationen Horatio Nelsons gegen Napoleons Flotte fanden. Eine Übergangsphase zur Moderne bildete aus Sicht der Autoren das 19. Jahrhundert, wobei seit dem Krimkrieg (1853-1856) zunächst teilgepanzerte Schiffe mit Sprenggranaten das Geschehen bestimmten.

Jedes Kapitel enthält außer einem allgemeinen Überblick der bedeutendsten Seekriege auch drei bis vier detaillierte Studien über entscheidende Schlachten wie etwa Salamis (480 v. Chr) und Actium (34 v. Chr.) oder später Tsushima (1905), Jütland (1916) und Midway (1942). Zu jeder der insgesamt 18 genauer betrachteten Schlachten gibt es graphisch ansprechende Prinzipskizzen, mit der die einzelnen Phasen des dramatischen Geschehens recht gut nachvollzogen werden können. Interessanterweise enthält der Band auch Schilderungen über weniger bekannte Seekriegsphasen wie etwa die maritimen Auseinandersetzungen zwischen Korea und Japan gegen Ende des 16. Jahrhunderts oder die russisch-schwedischen Kriege in der Ostsee. Allein auf 13 Seiten werden die Seeoperationen im amerikanischen Bürgerkrieg geschildert. Dagegen wird der moderne Seekrieg des späten 20. Jahrhundert auf nicht einmal drei Seiten abgehandelt, wobei der Verfasser einen Trend weg von der Kriegführung auf hoher See zu Operationen in Küstennähe festzustellen glaubt. Bemüht und aufgesetzt wirkt auch das knappe Resümee, in dem es heißt: „Ob mit Nuklearantrieb oder mit Riemen und Segeln, ob mit Bogenschützen oder mit Kanonen – Kriegsschiffe müssen Schiff versenken und sich verteidigen können.“

Während die Ausstattung des großformatigen, gleichwohl aber noch handlichen Bandes mit überwiegend farbigen Abbildungen, Karten und Aufrissdarstellungen sehr ansprechend ist, muss man bei der Qualität der Texte Abstriche machen. So etwa folgt die Schilderung der Schlacht von Salamis völlig unkritisch den Angaben des antiken Märchenerzählers Herodot. Auch wirkt die Gliederung innerhalb der Kapitel sehr unübersichtlich. Darstellungen von Strategie, Technik und Ereignissen wechseln einander nach einer nicht erkennbaren Logik ab. Da konsequent auf Quellenangaben verzichtet wurde, eignet sich der Band eher als Einstiegslektüre für den interessierten Laien, auch wenn die Auswahlbiographie überwiegend nur englischsprachige Titel nennt. Spezialliteratur wird jedoch nicht erwähnt. Fachleute dürften somit aus der Publikation kaum Nutzen ziehen.

Iain Dickie (Hg.): Geschichte der Seekriege, Stuttgart: Theiss Verlag 2010, 256 Seiten, 34 Euro. Kaufen bei: Amazon.

Leave A Response »