Assimilation – ein Verbrechen?

23. März 2011 0

Kolumne: Ordnung muss sein

Dauernd höre ich: Integration ja, aber Assimilation nein. Als ob die Integration eine natürliche Schranke durch den Begriff der Assimilation erfahren würde, wird uns dieser Begriff fast wie eine unmenschliche Forderung vorgehalten. Ja, teilweise ist er schon zu einem politischen Kampfbegriff verkommen.

Dabei bedeutet Assimilation bloß die Loslösung von der eigenen, ursprünglichen kulturellen Identität. Tatsächlich wird niemand abstreiten, dass Türken und Araber weiterhin an ihren Werten und vielleicht Vorstellungen festhalten dürfen. Es erwartet auch niemand. Wer nach dem Feierabend in einem türkischen Teehaus sitzt, die Zeitung liest oder traditionell Schach spielt, der hält kulturelle Werte aufrecht. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Türken auch in Berlin zum Tee Baklava reichen, statt sich dem Butterkeks hinzugeben. Ebenso ist die kulturelle Identität fast jeder Familie eine Besonderheit, auf die jeder stolz sein kann.

Doch einige Wertvorstellungen der hier lebenden Muslime sind schwer oder gar nicht mit den deutschen/europäischen Wertvorstellungen, Erwartungen und gar der Rechtsordnung in Einklang zu bringen. Wer den Anspruch erhebt, für seine Tochter den Ehemann aussuchen zu müssen und ein „Nein“ der Tochter nicht akzeptieren kann, der muss sich assimilieren und sich mithin von diesen Wertvorstellungen trennen.

Wer sein Leben lang in archaischen Familienstrukturen groß geworden ist, das Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht akzeptiert, der darf sich nicht darüber beschweren, wenn man ihn dazu auffordert, sich von diesen Wertvorstellungen zu trennen. In Deutschland kann ein sechzehnjähriges Mädchen eben selbst entscheiden, ob und mit wem sie den ersten Sex haben möchte. Ihre Jungfräulichkeit spielt bei der Hochzeit keine Rolle. Abweichungen von diesem Anspruch werden in der deutschen Gesellschaft selten durch Gewalt, Entführung in die Heimatländer, oder gar durch Todesurteile bestraft, die Brüder oder Cousins vollstrecken. In Nord-Neukölln ist dies aber traurige Realität.

Eine Reihe weiterer Vorstellungen des Islams sind mit den Werten unserer Gesellschaft nicht in Einklang zu bringen. Sie hier an dieser Stelle alle aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Kommentars sprengen. Jedenfalls passen die Worte des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan vom 10. Februar 2008 in Köln nicht hierher: „Niemand kann von ihnen erwarten, dass Sie sich einer Assimilation unterwerfen. Denn Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“ – Nein, ist es nicht. Es ist teilweise eine notwendige Forderung, ohne die Integration nicht gelingen kann.

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