Berlins Innensenator will junge Muslime erreichen

9. Februar 2011 0

Körting kontert gegen Salafisten mit liberalen Muslimen

Nachdem er sich von den Krawallen rund um das linksextreme Wohnprojekt „Liebig’14“erholt hat, widmet sich Innensenator Erhart Körting an diesem warmen Mittwochmorgen der neben Rechts- und Linksextremismus dritten Bedrohung für Berlin: dem islamischen Extremismus.

Nach Einschätzung des Berliner Verfassungsschutzes ist der Salafismus die am stärksten wachsende Strömung innerhalb des Islams. Besonders junge Muslime seien besonders anfällig für salafistische Forderungen, wie dem nach einem Kontaktverbot zu Nicht-Muslimen. Allerdings, so Innensenator Körting, bestehe die salafistische Szene in Berlin nur aus einer kleinen Kerngruppe von rund 300 Personen, die aber einen ungeheuren Einfluss auf die islamische Gemeinschaft haben.

Körting und die Leiterin des Berliner Verfassungsschutzes Schmidt suchen mit der Broschüre Zerrbilder von Islam und Demokratie den direkten Kontakt zu den jungen Muslimen „die auf der Kippe stehen“ – und zu deren Eltern. Deshalb sei die Broschüre auch in arabisch und türkisch verfasst. Sie stellt sie auf der einen Seite salafistische Behauptungen dar, die auf der gegenüberliegenden Seite durch namhafte liberale Muslime entkräftet werden.

Die salafistischen Behauptungen wiegen schwer. So erklären Extremisten bei Islamseminaren, es dürfe keine Gleichberechtigung der Geschlechter geben. Ihre Funktion beschränke sich ausschließlich auf den häuslichen Bereich. Glaubhaft macht der Senat diese Behauptung mit einem Zitat des saudi-arabischen Großmuftis Bin Baz:

„Die Forderung, dass die Frau das Haus verlässt, um im Bereich der Männer zu arbeiten, führt zur Vermischung der Geschlechter. Egal, ob dies zu den Erfordernissen der Zeit gehört – es ist eine sehr gefährliche Sache. Außerdem steht das im Widerspruch zu den Texten der Scharia, die der Frau befehlen, im Haus zu bleiben und nur die ihr entsprechende Tätigkeit auszuüben.“

Dem entgegnet der Senat mit einer Einschätzung von Amina Nusair, dass beispielsweise das Richteramt sich nicht nur auf Männer beschränke. Zur Anwendung und Auslegung von Gesetzen sind Frauen genauso fähig wie ihre männlichen Kollegen. Außerdem verweist sie darauf, dass in mehr als sechs arabischen Staaten Frauen Richter sind. Der Senat gesteht an dieser Stelle aber auch, dass in der Praxis das Rollenbild der Frau noch immer stark patriarchalisch geprägt ist.

Nach Einschätzung Schmidts kommt es durch radikale Prediger zu einer Art Gehirnwäsche bei jungen Muslimen. Salafisten beanspruchen die Auslegungshoheit über den Koran für sich. Dieser wird wortgetreu verstanden und umgesetzt, wodurch nicht nur eine Religion entsteht, sondern ein gesellschaftliches, wirtschaftliches, juristisches und politisches System. Als „Irreführung und gefährliche Lehre“ bezeichnet der Berliner Abgeordnete René Stadtkewitz diese Strömung des Islam. Stadtkewitz gründete vergangenes Jahr die islamkritische Partei DIE FREIHEIT, mit der er im September zu den Abgeordnetenhaus-Wahlen in Berlin antreten will.

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