Die Rechts-Links-Kampfzone der politischen Korrektheit

27. Januar 2011 1

Jens Thole analysiert unter welchen Voraussetzungen eine gesellschaftliche Gruppe das PC-Machtkartell zu durchbrechen vermag

Als ich 1989, die Freiheit suchend, meinen Leib von Ost nach West über den Stacheldraht zwischen Ungarn und Österreich trug, beobachtete ich, kaum dort angekommen,  mit anfangs leichtem, aber später stetig wachsendem Unbehagen eine seltsame Decke, eine zähe, gleichsam klebrige Schicht auf dem Denken der Westler. Schwer und unzerreißbar schien sie zu sein, voller Rücksichtnahme auf alles und jeden aber undurchdringlich für klare Denkresultate und freies unverstelltes Treiben der Gedanken.

Ich hatte anfangs keine Worte dafür. Die Westler – allen voran meine damaligen Mitstudenten in Karlsruhe – schienen merkwürdig weich und – ja – heuchlerisch verlogen. Später lernte ich verwundert die seltsamen Diskussionsregeln kennen. Ich machte mich durch direkte Rede recht schnell unbeliebt und wurde angegriffen. Später erst kam nach meiner Erinnerung der Begriff „Politische Korrektheit“ oder die angelsächsiche Form „political correctness“ (PC) dafür auf. Und damit war endlich auch meine eigene Einstellung in einem Begriff fassbar. Ich war und bin politisch inkorrekt.

Leider entsprach es nicht meiner Natur, dies nun so abzuhaken und so versuchte ich es also zu verstehen. Ich gebe zu, komplett ist es mir nicht gelungen. Ich wusste, es hatte etwas mit Sprachveränderung oder Denkveränderung via Umdeutung von Worten zu tun und mit den Begriffen Rechts und Links.

Meine erste öffentliche Interpretation versuchte ich in einem PI-Essay. Ich finde diesen auch heute noch für einen Naturwissenschaftler ganz gut und habe ihn deshalb für Citizen Times etwas aufgefrischt und überarbeitet.

Ausgehend von meiner seit langem bestehenden Beschäftigung mit dem Thema versuche ich also einmal einen Essay über den Kampf der Begriffe und ihre Wirksamkeit bei einer Bewegung gegen die Politische Korrektheit und dem damit hoffentlich verbundenen Wiederzutagetretens des EHRLICHEN Ringens um die Wahrheit.

Betrachtet man unsere heutige Gesellschaft – oder genauer gesagt – den Mehrheitsteil dieser, bestehend aus eingeborenen Deutschen sowie den aus europäischem Hintergrund Eingewanderten – so stellt man leicht fest, dass ein Missbehagen über den wachsenden Einfluss der islamischen Polit-Religion in allen Schichten spürbar ist und in der Tendenz ansteigt. Dieses Unbehagen ist zur Zeit nicht artikulierbar, da ein fast Orwell’scher Schleier des PC-Diktates viele Dinge schlicht unaussprechlich macht.

Diese hierfür ursächliche politische Korrektheit wird einer wachsenden Minderheit mehr und mehr bewusst und elementarer Teil dieses Unbehagens. Allerdings kann unter diesen Bedingungen keine öffentlich nicht diskreditierbare Gruppe oder Partei existieren, die dieses Missbehagen diskursiv einbringen und mit einem dieser Bevölkerungsgruppe entsprechendem Einfluss vertreten könnte.

Diese Feststellungen bedarf einer Analyse. Es ist die Frage zu klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine gesellschaftliche Gruppe das PC-Machtkartell zu durchbrechen vermag und zumindest als „schwer“-  oder „nur unvollständig diskreditierbar“ einen Anfang machen kann, um die durch PC ausgelöste Schweigespirale zu durchbrechen. Ich stelle gleich vorweg: auch mit diesem Essay gelingt mir die Beantwortung der Frage nicht. Jedoch glaube ich: je mehr man sich mit der Wirkungsweise von PC beschäftigt, je mehr man die Prinzipien versteht, um so einfacher gelingt deren Bekämpfung. Hierzu soll mein Essay beitragen.

Bei einer derartigen Diskrepanz zwischen offensichtlichem Vorhandensein von Grundhaltungen und Denkresultaten in der Gesellschaft einerseits und veröffentlichter, medienlegalisierter Meinung kann ohne Beweis davon ausgegangen werden, dass mächtige Strömungen deren Lautwerden nicht wünschen und in der Gesellschaft erfolgreich verhindern.

Über die Gründe dieser Verhinderer der gesellschaftlichen Diskussion könnte ein separater Aufsatz geschrieben werden. Dies ist jedoch nicht Inhalt der hier dargestellten Überlegungen. Vielmehr sollen die sprachlichen Mittel, Methoden und Wirkmechanismen der Umdeutung oder Dekonstruktion von Begriffen im Zentrum meiner Überlegungen stehen, da ich eben denke: Sind die Strukturen und funktionalen Kausalbeziehungen dieses semantischen Umdeutungsprozesses bekannt, können Neutralisierungen erdacht und eingesetzt werden. Und nur so lassen sich Themen wie die Verantwortlichkeit des Einzelnen für sein Schicksal, Familie als Basiselement der Gesellschaft und ihr Schutz, die Stupidität des Genderbegriffs als Leugnung realer Sexualität und auch – und nicht zuletzt – die Islamkritik aus dem Dunkel des Schweigens herausholen.

Das Rechts-Links-Schema

Überall unter Konservativ-Liberalen wird sich regelmäßig über die diffamierenden Rechts-Verortungen der Islam-Kritiker echauffiert. Das so immer wieder eingesetzte Rechts-Links-Schema der Linken ist das Mittel der PC schlechthin. Es steht im Mittelpunkt jeglichen Diskurses. Es ist das moralisch wichtende und entscheidende Messinstrument der PC.

Hieran scheitert der die Regeln dieses Diskurse missachtende Querdenker und hiermit obsiegt der die Klaviatur dieser Regeln virtuos betätigende Karrierist. Die Regeln der PC und deren zentrales Rechts-Links-Messinstrument sind längst verinnerlicht – in jedem von uns. Wir können es aus dem Bauch heraus anwenden. Weniger ist uns bewusst, warum dieses Messinstrument funktioniert.

Die historische Herkunft der Begriffe LINKS und RECHTS als Ortsangaben der Stühle im französischen Parlament und deren Nutzung durch sich dann als jeweils rechts und links verstehenden Fraktionen setze ich einmal als bekannt voraus. Viel interessanter ist jedoch die Nutzung der Begriffe zu Kampfzwecken. Diese sind ohne einige Grundlagen des Marxismus nicht nachvollziehbar.

Der Marxismus sieht die Welt prinzipiell (und ausschließlich) durch bilaterale Klassengegensätze geprägt. Die jeweils herrschende Klasse definiert dabei die Gesellschaftsordnung. Korrespondierend dazu gibt es in jeder Gesellschaftsordnung eine den grundsätzlichen Klassengegensatz definierende unterdrückte Klasse.

Marx postulierte alle Bewegung und Entwicklung in der Gesellschaft wie auch in der Natur als Höherentwicklung, welche ein alles umfassendes gesetzmäßiges Prinzip für ihn darstellt. Alle gesellschaftlichen Entwicklungen sind “Fortschritt” im Sinne von “Fortschritt zu Höherem”. Das Wort „Fortschritt“ ist somit im Marxismus bereits wertend: Das Höhere ist stets auch das Bessere!

Gesellschaftsordnungen entwickeln sich nach Marx evolutionär (natürlich höher) und verschärfen damit automatisch die vorhandenen Klassengegensätze. Dies kann für den einzelnen durchaus eine Entwicklung zum Schlechteren sein – im großen, gesetzmäßig ablaufenden Entwicklungszusammenhang stellt es aber dennoch eine Höherentwicklung dar.

Ist nach Marx das Maß der Veränderung hinreichend groß, explodieren die sich auf einen Kulminationspunkt entwickelten Klassengegensätze in einer revolutionären Änderung der Gesellschaftsordnung. Die bislang unterdrückte Klasse erringt nun die Macht (vor allem die wichtige ökonomische Macht) und erstellt eine auf der neuen ökonomischen Machtverteilung basierende neue Gesellschaftsordnung. Das geht so von Klassengesellschaft zu Klassengesellschaft und findet laut Marx schließlich nach der letzten und am höchsten entwickelten Klassengesellschaft, dem Kapitalismus, durch die proletarisch-sozialistische Revolution ihren Abschluss.

Von einer an diese Revolution anschließende Übergangsgesellschaftordnung (Sozialismus) abgesehen, in der die Diktatur des Proletariats noch die Reste der Bourgeoisie, des Bürgertums, unterdrücken muss, in der aber laut Marx auch erstmals in der Geschichte die Mehrheitsklasse (in der russischen Revolution Bolschewiki=Mehrheit genannt) die “Minderheit der Ex-Unterdrücker” unterdrückt, geht es dann direkt und nun doch fließend evolutionär in die absolut klassenlose Friede-Freude-Eierkuchen-Gesellschaftsordnung des Kommunismus.

Dieser Exkurs macht deutlich, dass für die Vertreter des Marxismus, die sich einfach selbst als Linke bezeichneten,

  1. sie selbst, da sie ja den Fortschritt repräsentieren, als Vertretung des Fortschritts, auch die Guten sind (Urassoziation Links=Gut) und
  2. ihre Gegner (folgerichtig mit Rechts bezeichnet) in der gesellschaftlichen Ecke angesiedelt wurden, die entweder die aggressivste Gegenposition einnahmen oder die durch ihr Verhalten (aus marxistischer Sicht) bremsend der gesellschaftlichen (Höher-)Entwicklung entgegenstanden und -stehen.

Rechts kann also ausschließlich von linker Seite definiert werden, da deren definitorische Grundlage der Marxismus ist und Gegenpositionen eben nur aus dem linken Standpunkt heraus konstruiert werden können.

MERKE: RECHTE können niemals definieren, was LINKS ist. Das geht nur umgekehrt!

Der Marxismus teilt die Entwicklung des Kapitalismus in mehrere Phasen ein:

  1. Beginnend mit dem Kapitalismus der freien Konkurrenz, der im Marxismus für ziemlich gerecht gehalten wird und in dem nur “Selbstausbeutung” freier Handwerker herrscht,
  2. über die Akkumulation des Kapitals, der Ausbeutung des Arbeiters durch seinen Arbeitgeber, den Unternehmer (Multiplizierung der Ausbeutung: nun werden viele Arbeiter ausgebeutet. Daraus folgt massives Anwachsen des Kapitalstocks in Form von Geld und Produktionsmitteln),
  3. zum Monopolkapitalismus, in dem aus Unternehmen Monopole werden, die ihrerseits nun mangels Konkurrenz auch noch Extraprofite erzielen können, also die Ausbeutung massiv verschärfen, entwickelt sich der Kapitalismus schließlich durch zunehmende Verquickung mit dem Finanzkapital zum
  4. Finanzkapitalismus, in welchem sich die Monopole mit Banken zusammen tun und nun über die zusätzliche Finanzmacht die Ausbeutung noch weiter verschärfen können und mehr und mehr Einfluß auf den Staat nehmen können.
  5. Schließlich entstehen Kartelle aus finanzmonopolistischen Strukturen, die schließlich die staatliche Macht nur noch pro forma erscheinen lassen, in Wahrheit aber längst den Staat besitzen. Es entsteht der staatsmonopolistische Kapitalismus, unter Linken auch oft als StamoKap bezeichnet. Dieser gerät im Marxismus durch die Begrenzung des Nationalstaates seinerseits an Profitgrenzen und wird nun aggressiv und kriegstreiberisch nach außen.
  6. Es entstehen die „faulenden“ Endformen des Kapitalismus: Imperialismus als expansive und aggressive Form und schließlich
  7. Faschismus – als aggressivste Form des Imperialismus. Diese letzte Erweiterung stammt nicht von Marx – sondern ist eine Erweiterung des Marxismus, die letztlich auf Stalin zurückzuführen ist.

Hierbei gilt es zu beachten, das die Vokabeln Imperialismus und Faschismus im marxistischen System fest definierte Begriffe sind, die sich in ihrer Bedeutung nur am Rande mit den sonst landläufig verwendeten gleichnamigen Begriffen decken. Als eine typische reale Erscheinungsform des marxistisch verstandenen Faschismus gilt die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland.

Da wir nun in der Lage sind, marxistisch zu denken, können wir die Frage beantworten, was rechts ist. Und dies sogar kontextabhängig:

Was ist Rechts für deutsche Linke?

Man nehme die aggressivste, somit also faschistische Phase des Kapitalismus in Deutschland, also die nationalsozialistische Diktatur.

In dieser Diktatur suchen wir nun die Gruppe, welche am aggessivsten gegen die Marxisten vorging. Na klar doch: Wir können deutlich die damalige Regierungspartei NSDAP und deren Protagonisten identifizieren. Die haben zwar zahlenmäßig viel mehr Nichtmarxisten getötet, als Marxisten überhaupt vorhanden waren. Aus marxistischen Augen heraus gab es jedoch noch niemals vorher so rechts stehende (also so aggressiv gegen die marxistische Gruppierung gerichtete) Positionen. Das war somit wirklich EXTREM RECHTS!

Also nix wegen Menschenverachtung, nix wegen Angriffskrieg, nix wegen der abscheulichsten Diktatur, die Menschen Menschen aufzwingen konnten.

Weder die Judenvernichtung, die Vernichtung von Christen, die Vernichtung von Schwulen, die Vernichtung von Behinderten – all das ist aus dem marxistischen Verständnis heraus nicht wirklich zu erklären und wird daher als Nebeneffekt eingestuft.

Einzig und allein die Vernichtung und Bekämpfung von Marxisten macht die Nazi-Gruppierung zu Rechten – hier natürlich wegen der versuchten Auslöschung aller bolschewistischer Umtriebe als wahre Extremposition zu Rechtsextremen.

MERKE: Nicht jeder, der von RECHTEN bekämpft wird, ist LINKS. Aber jeder, der LINKE bekämpft, ist RECHTS!!!

Gegner der Linken sind in ihren Augen aber nicht nur die offen aggressiven, sondern auch und gerade diejenigen, die durch ihre Überzeugung oder aber auch nur durch ihr unbewusstes Tun der gesetzmäßigen Weiterentwicklung im Wege stehen. Betrachten wir nun beispielhaft den typischen Konservativen durch die marxistische Brille:

Lesen Sie weiter über die (linke) Klassifizierung der Konservativen, Liberalen und Sozialdemokraten…

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One Comment »

  1. mastersystem 10. Februar 2011 at 13:07 - Reply

    Gelungener Artikel!
    Hoffe auch darauf, wie im letzten Absatz geäußert, daß das „Neusprech“ an Verbreitung und Wirkung verliert.
    Diesen Prozeß muß man aber politisch begleiten – unsere eingefleischten Parteien kann man dabei aber vergessen. Meine Idee: Methoden der direkten Demokratie in eine politische Partei zu integrieren. Das ließe sich gesetzeskonform (zum GG und Parteiengesetz) machen. Eine kleine verbale Vorstellung gibt es unter http://www.mast3rsyst3m.wordpress.com. Leider ist eine entsprechende Internetplattform bisher nicht implementiert (und ich bin dazu nicht fähig :o( also schaut mal vorbei und kommentiert, was ihr von DIE IDEE u.a. haltet)

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