Proteste erfolgreich: Türkisch-antisemitischer Film startet nicht am Gedenktag für NS-Opfer

25. Januar 2011 3

Update: Der Film Tal der Wölfe Palästina wird am Donnerstag nicht in den deutschen Kinos starten, da die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden zunächst keine Jugendfreigabe erteilte. Sollte dies weiterhinhin Bestand haben, gilt der Film als indiziert und darf nicht beworben werden, was eine Aufführung im Kino praktisch unmöglich macht.

Hier trotzdem nochmals der Hintergrundbericht, da der Film in jedem Fall in der Türkei laufen wird und auch in Deutschland bald über Downloads bzw. DVD verfügbar sein dürfte:

Es ist eine Schande: Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, startet der türkische Actionfilm Tal der Wölfe Palästina in rund 100 deutschen Kinos – sogar noch einen Tag vor dem offiziellen Kinostart in der Türkei. Der Film nimmt Bezug auf die sogenannte Gaza-Hilfsflotte, die am 31. Mai vergangenen Jahres von israelischen Militärs aufgebracht wurde, wobei neun türkische Aktivisten ihr Leben verloren. In Tal der Wölfe Palästina will nun eine Art türkischer James Bond Rache an den Israelis nehmen. Die Filmemacher bedienen sich dabei antisemitischer Stereotype wie der „Errichtung von Gross-Israel“. Der Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus forderte einen Stopp des Films, da er antiamerikanische, antiisraelische und antisemitische Stereotyp-Bilder mit volksverhetzendem Charakter“ verbreitet.

Glaubt man der Sprecherin des deutschen Verleihers Pera Film, sollte der Streifen ursprünglich schon im November 2010 starten, die Bedeutung des 27. Januars sei jedoch bei der Terminverschiebung nicht bewusst gewesen. Eine äußerst unglaubwürdige Behauptung, wenn man bedenkt, dass der Film auch zu einem anderen Startdatum massive Kritik und Diskussionen in Deutschland auslösen würde. Immerhin protestierten mittlerweile Politiker zahlreicher Parteien gegen das Startdatum des islamisch-türkischen Propagandafilms.

Die Tal der Wölfe-Filme

Es lohnt sich bei aller Diskussion, einen Blick auf die Hintergründe zu werfen. Tal der Wölfe ist in der Türkei eine bekannte TV-Serie. Die Blockbuster-Auskopplung Tal der Wölfe Irak war bereits 2006 in die deutschen Kinos gekommen und hatte damals für heftige Debatten gesorgt. Szenen, in denen muslimischen Menschen Organe entnommen wurden und nach Tel Aviv, London und New York verfrachtet wurden, spielten unübersehbar antisemitisch auf ein Weltjudentum hin. Sie spielten gleichzeitig an den berühmt gewordenen islamistischen Propagandafilm Sahras blaue Augen aus dem Iran an, der auch im türkischen Sender TV5 (gehört zur Milli Görus) gezeigt wurde. Der Film schildert, wie ein israelischer General dem palästinensischen Mädchen Zara die Augen entnehmen lässt, um sie seinem blinden Sohn Theodor einzupflanzen. Daraufhin Zaras Bruder ein Selbstmordattentat auf den Juden.

Die Gaza-Flotte

Am 31. Mai 2010 hatte israelisches Militär das Schiff Mavi Marmara in der sogenannten Gaza-Solidaritätsflotte aufgebracht, als es versuchte die israelische Seeblockade zu durchbrechen. Als die israelischen Soldaten sich auf das Schiff abseilten, wurden sie mit verschiedensten Waffen angegriffen. Dabei kamen neun türkische Staatsangehörige ums Leben.

Über die Vorkommnisse brachen sofort die wildesten Verschwörungstheorien aus. Offensichtlich ist aber vor allem, dass es sich bei der Hilfsflotte um eine Aktion der türkischen Wohlfahrtsorganisation IHH handelte, die erwiesenermaßen bereits mehrfach islamistisch tätig war.

Erst am vergangenen Sonntag hatte eine israelische Untersuchungskommission den Militäreinsatz als Selbstverteidigung und gerechtfertigt bezeichnet, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu anlässlich dessen: „Unsere Soldaten haben sich selbst und ihr Land geschützt.“ Der Bericht wurde immerhin von zwei internationalen Beobachtern unterzeichnet, dem nordirischen Politiker und Friedensnobelpreisträger David Trimble sowie dem kanadischen Militärjuristen Kenneth Watkin. In Ankara führte der Bericht freilich zu heftigsten Protesten. Die türkische Regierung hatte vor rund einem Monat gefordert, dass Israel sich öffentlich entschuldigen und eine Entschädigung für Opfer zahlen müsse.

Der UN-Menschenrechtsrat warf Israel hingegen in seinem Bericht Ende September 2010 vor, es habe gegen internationales Recht verstoßen, sowohl mit dem gewaltsamen Aufbringen des Schiffes, als auch mit der Seeblockade an sich. Man muss aber beim UN-Menschenrechtsrat bedenken, dass seine Zusammensetzung von rund einem Drittel durch islamische Staaten geprägt ist. Und diese werden natürlich alles daran setzen, Israel öffentlich schaden zu können:

Auch nach der Reform des Rates gelangten menschenrechtsverletzende Staaten wie China, Tunesien, Saudi-Arabien, Kuba und Nigeria in den Besitz einer Stimme im Menschenrechtsrat, da sich jedes UN-Mitgliedsland ohne Auswahlkriterien für den Rat bewerben kann und die Mitglieder durch eine einfache Mehrheit der UN-Vollversammlung gewählt werden, in welcher Demokratien mit Gewaltentrennung in einer Minderheit sind. […]

Von Kritikern wird des Weiteren darauf hingewiesen, dass viele Entscheidungen des Rates politisch motiviert seien und nicht aus der Perspektive der Menschenrechte heraus getroffen würden. So würden die menschenrechtsverletzenden Staaten sich und ihre Verbündeten gegenseitig schützen. Besonders die stimmstarke Organisation Islamischer Staaten (OIC) schmettert regelmäßig Vorwürfe bezüglich Menschenrechtsverletzungen etwa in Usbekistan oder dem Iran ab. […]

Delegierte jener Staaten, die der Organisation der Islamischen Konferenz angehören, und die ein Drittel der Sitze im Rat innehaben, verhindern nach Ansicht der Kritiker regelmäßig Diskussionen über Menschenrechtsverletzungen in ihren Staaten. Sie berufen sich dabei darauf, dass das Rechtssystem der Scharia Bestandteil ihrer Religion ist und somit jeder Kritik enthoben sei. Zudem versuchen diese Staaten Religionskritik als Rassismus abzustempeln, welcher in westlichen Industriestaaten strafbar ist. 1

Zur eigenen Meinungsbildung zu dem Film noch ein ZDF-Beitrag, in dem Szenen gezeigt werden, die für sich sprechen:

Notes:

  1. Seite „UN-Menschenrechtsrat“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 26. Dezember 2010, 10:30 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=UN-Menschenrechtsrat&oldid=83073152, zuletzt abgerufen: 25. Januar 2011.

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