Buschkowsky – unverstandener Treiber der Integration?

17. Januar 2011 2

An den Fensterscheiben eines kleinen Raumes prasselt der Regen nieder. Regelmäßig brummt der Raum – die Wannseebahn führt direkt hinter diesem Gebäude im bürgerlichen Zehlendorf entlang. Die Bürgersteige sind hier nicht verschmutzt, nur der nasse Splitt liegt hier auf dem Weg. In einem Kellerraum sitzen dicht gedrängt überwiegend ältere Herren. Sie haben sich wie an einem Sonntag fein gemacht. Viele tragen Hemden, Jackett, haben sich frisch rasiert. Es riecht nach Aftershave. Vor ihnen läuft ein kleiner Mann auf und ab. Es ist Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Neukölln. Er spricht vor den Mitglieder einer Burschenschaft über die Probleme einer Welt, die nicht ihre ist; über seinen Bezirk Neukölln.

In Neukölln leben 300.000 Menschen, 40 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund. In Nord-Neukölln sind es 53 Prozent, bei den unter 18-jährigen sogar 80 Prozent. Im Jahr 1994 waren dort 47.000 Menschen auf Transferleistungen angewiesen. Im Jahr 2009 waren es schon 91.250 Personen, eine Steigerung von 93 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist im selben Zeitraum auf rund 18,6 Prozent gewachsen. Bei den Migranten liegt sie ungefähr doppelt so hoch. Rund 20 Minuten Autofahrt reichen für Buschkowsky, um vom Rathaus Neukölln nach Zehlendorf zu kommen. Es ist eine andere Welt in der er sich begibt. Fern liegen all die Probleme aus „seinem Neukölln“, wie er immer liebevoll sagt. Wenn er die Geschichten aus Neukölln erzählt, klingt es fast, als ob er über eine andere Welt sprechen würde.

Kritiker werfen Heinz Buschkowsky Untätigkeit vor. Er hält ihnen seine erfolgreichen Projekte entgegen: Im Jahr 2008 führte er an 17 Neuköllner Oberschulen einen Wachschutz ein. Zu oft war es zu Übergriffen durch schulfremde Personen gekommen. Als „paramilitärische Einheiten“ verspotteten seine Kritiker den Einsatz von Sicherheitskräften an den Bildungseinrichtungen. Buschkowsky war ganz erschrocken, googelte zuhause nach dem Begriff „paramilitärische Einheiten“ und war sich erst dann darüber bewusst, was er angerichtet hatte. Das Projekt habe ihn bei seinem „Lieblingssenat“ nicht sonderlich beliebt gemacht, meint er. Doch sein Erfolg gibt ihm recht: Seit der Einführung kam es zu keinen weiteren Zwischenfällen.

Mehr als 200 Intensivtäter leben in Neukölln, die Hälfte allerdings im Gefängnis. Auch die anderen würde er gerne hinter Gitter sehen. Die Täter würden ethnisiert. Bei Gesprächen mit den Opfern heißt es immer „der Araber hat mich abgezogen“. Das prägt die Umgebung des Opfers: Freunde, Geschwister, Eltern haben nur noch „den Araber“ im Kopf. Dass es sich um die Tat von Einzelnen handelt, das interessiere dann nicht mehr.

Buschkowsky kritisiert alle, die nicht an die Integration glauben. „Wir brauchen diese Menschen“, mahnt er das Publikum. Nur so wird Deutschland seinen Wohlstand auch über die kommenden Jahrzehnte halten können. Und dann fordert er die Kitapflicht ab dem dritten Lebensjahr. Nur so könne man dafür sorgen, dass die Kinder westliche Werte vermittelt bekommen. Er zweifelt daran, dass türkische Importbräute ihren Kindern westliche Werte vermitteln könnten. Im Zusammenhang mit der Einführung des Betreuungsgeldes sagte er einmal, dass in der migrantischen Unterschicht vielleicht die Großmutter zur Erziehung kommt, die allerdings kein Deutsch kann. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung gegen ihn.

Überhaupt hat er schon viel vorgeschlagen, aber „auf mich hört ja keiner“, schimpft er. Viele Sachen die für richtig erachtet, liegen in der Gesetzgebungskompetenz des Bundes. Als Neuköllner Bürgermeister kann er nichts gegen zu hohe Hartz-IV-Sätze, gegen den Missbrauch von Krankenkassenkarten oder gegen die fehlende Leistungsbereitschaft einiger seiner Einwohner unternehmen. Er wirkt wie ein getriebener Provinzbürgermeister, der die Probleme lösen will, es aber nicht kann.

Die Anwesenden vertröstet er, nicht alles in Neukölln sei schlimm. Es werde auch Kunst und Kultur in Neukölln gepflegt, wie das 1888 errichtete Britzer Schloss. Sie sollen also nicht immer nur an Mord und Totschlag denken, wenn sie in der Zeitung wieder etwas über Neukölln lesen – was allerdings schwer fällt, angesichts dessen, dass gleich am nächsten Abend ein türkischstämmiger Familienvater in Neukölln niedergestochen wurde.

Als ihm der Veranstalter ein kleines Präsent überreicht, erlaubt er sich wieder einen seiner Ausflüge in seine Heimat. „Hoffentlich ist das kein Tilidin.“ In Neukölln wäre eine solche Verpackung einiges wert, witzelt der bullige Mann. Tilidin ist eine rezeptpflichtige Arznei, die gerade bei Muslimen beliebt sei. Sie hat eine ähnlich berauschende Wirkung wie Alkohol, nur mit einem Unterschied: Wer unter dem Einfluss von dieser Arznei steht, hat noch die vollständige Kontrolle über seinen Körper. Einen Betrunkenen bändigt man mit einem oder zwei Polizisten, Tilidin-Nutzer brauchen schon fast einen ganzen Mannschaftswagen, um gefesselt zu werden.

Ordnung muss sein

…ist die Kolumne von Ehssan Khazaeli (Jahrgang 1988). Der Sohn eines persischen Arztes wuchs in den Berliner Stadtteilen Lankwitz und Rudow auf. Als Student der Rechtswissenschaften war er bereits in frühen Jahren mit den Problemen einer sich immer weiter verfestigenden und fortpflanzenden Unterschicht und damit mit Integrationsproblemen konfrontiert. Seit dem Jahr 2005 engagiert er sich kommunalpolitisch.

Als Gründungsmitglied der Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT tritt er für eine stark fordernde Integrationspolitik ein, wo die Förderung der Integration scheitert.

2 Comments »

  1. Henryk Kudraß 17. Januar 2011 at 16:58 - Reply

    Der Link verweist auf eine Partei die ganz offen hier in Deutschland agiert. Nehmen Sie sich die Zeit und lesen sie nur die ersten Zeilen.

    http://www.turkishpress.de/2011/01/05/fdpt-freiheitlich-demokratische-partei-tuerkland/id2896

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ihr Beitrag ist gut gemacht aber ob sich der Bürgermeister wirklich bewußt ist wie Migranten in Neuköln ticken und mit welchem Gedankengut sie sich umgeben. Was sie leitet und welcher Ideologie sie folgen. Ob wir nun die Migranten nun auf Dauer den Wohlstand in Deutschland sichern wage ich zu bezweifeln angesichts der Arbeitslosenzahlen und des Bildungsstandes. Vielmehr sollten deutsche Fachkräfte im Land gehalten werden indem man die Löhne und Gehälter anpaßt. In jedem Jahr wandern mehr deutsche Fachkräfte ab. Deutschland würde beim Verzicht auf soziale Transferleistungen für unproduktive Migranten und Zuwanderer genügend Mittel für die Ausbildung und Fortbildung Einheimischer Landsleute zur Verfügung haben. Wir brauchen nicht noch mehr unwilligen Ballast der unsere Sozialkassen belastet.
    Freundlichst
    Henryk Kudraß

  2. Flo 18. Januar 2011 at 14:09 - Reply

    Erst einmal vielen Dank für den interessanten Bericht über den Buschkowsky-Vortrag. Dennoch kann ich dem Bezirks-Bürgermeister nicht in allen Dingen zustimmen – obwohl er einer der Sozialdemokraten ist, der noch in der Realität lebt und nicht in einer beglückten Multi-Kulti-Welt.

    „Und dann fordert er die Kitapflicht ab dem dritten Lebensjahr. Nur so könne man dafür sorgen, dass die Kinder westliche Werte vermittelt bekommen. Er zweifelt daran, dass türkische Importbräute ihren Kindern westliche Werte vermitteln könnten“, sagte Buschkowsky. Dabei vergisst er jedoch die Tatsache, dass gerade die intensive Vermittlung unserer Werte seltsamerweise zum Gegenteil führt, wie es Hamed Abdel-Samad in seinem Buch „Der Untergang der islamischen Welt“ beschreibt. Pro-Westliche Muslime, die nach Europa oder in die USA wanderten, wandten sich häufig ab, und wurden zu extremen Muslimen. Kita-Pflicht ist daher eine erste gute Idee, um sie aus dem Schoß der Importbräute zu holen – ein strukturelles Konzept muss jedoch dahinter stehen. Ansonsten verursacht diese Maßnahme nur Kosten und führt dannn zum absoluten Gegenteil.

Leave A Response »