Islamdebatte.de – neues Forschungs- und Dokumentationsprojekt

23. Dezember 2010 0

Aus unserem Haus (Citizen Times, BuchTest, The German Review of Books) gibt es das neue Webmagazin Islamdebatte.de. Es handelt sich dabei um ein Forschungs- und Dokumentationsprojekt zu den Diskussionen und Debatten über Islam und Muslime in Deutschland.

Das Jahr 2010 war eindeutig das der Islamdebatten. Von Benz bis Broder, von Heisig bis Sarrazin, von Wulff bis Seehofer – wer auch immer sich zum Islam oder zur Integration der Muslime in Deutschland bzw. Europa äußerte, erntete heftigste Reaktionen. Immer öfter ging es auch darum, welche Kritik am Islam im speziellen und Religionen im allgemeinen zulässig ist.

Deutlich wurde dabei vor allem, dass bezüglich des Islams in Deutschland und in ganz Europa erheblicher Diskussions- und Klärungsbedarf besteht. Sowohl von politischer als auch von sozialwissenschaftlicher Seite ist das Thema nicht genügend aufbereitet worden. Die Stimmung in der Bevölkerung spiegelt dabei deutlich die zahlreichen ungeklärten Probleme. Der amerikanische Journalist Christopher Caldwell sagte dazu Ende 2009 anlässlich der Schweizer Volksabstimmung über ein Minarett-Bauverbot in einem Spiegel-Interview:

Für mich war das Faszinierendste die Kluft zwischen der deutlichen Ablehnung des Verbots in den Umfragen und der großen Zustimmung in der Abstimmung. Das bedeutet, dass es eine offizielle Islam-Diskussion gibt und eine verdeckte. Und das sollte den Europäern Sorgen machen.

[…]

Viele Menschen haben Angst zu sagen, wie sie wirklich denken. Manchmal offenbar sogar bei Umfragen, wie das Beispiel der Schweiz zeigt.

Das Ansinnen des Forschungs- und Dokumentationsprojektes Islamdebatte.de ist es nun einerseits, diese temporären Debatten zu dokumentieren, um auch später aufzeigen zu können, wie sie entstanden, sich entwickelten und auch wieder einschliefen. So kann man zum Beispiel an der Artikelübersicht zum Antisemitismus-Islamfeindschaft-Streit von Anfang 2010 gut nachvollziehen, wer sich wie positionierte, in welchen Medien überhaupt kritische Positionen zugelassen wurden und welche Reaktionen dies hervorrief.

Andererseits sollen immer wiederkehrende und dauerhafte Konfliktfelder beleuchtet werden, ob dies nun den Streit um das Kopftuch oder den koedukativen Unterricht betrifft, oder ob es die Unterschiede zwischen Islamkritik und Islamophobie und zwischen Islam und Islamismus sind. Unterschiedliche Artikel zu den verschiedenen Konfliktfeldern und Debatten erlauben es dabei, mehrere Perspektiven einzunehmen. Dafür sollen auch immer wieder gute Artikel aus anderen Magazinen und Büchern wiederveröffentlicht werden.

Da bestimmte Personen immer wieder in den Islamdebatten auftauchen, sollen diese gesondert dokumentiert werden. Gleiches gilt für Organisationen wie die islamischen Verbände, aber auch die Deutsche Islamkonferenz. Ausführliche Profile sollen hier eine gute wissenschaftliche Einschätzung ermöglichen. Eine kommentierte Literaturliste und eine chronologische Auflistung relevanter Studien zum Thema runden Islamdebatte.de schließlich ab.

Wie immer bei unseren Projekten freuen wir uns auf Ihren Beitrag und wünschen uns zahlreiche wissenschaftliche und essayistische Texte und Analysen. Schreiben Sie einfach an mail@islamdebatte.de.

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