abgeordnetenwatch.de: Was macht eigentlich 'mein' Abgeordneter?

21. Dezember 2010 1

Vielen Politikern ist abgeordnetenwatch.de ziemlich unangenehm. Zum einen bekommen sie dort von Bürgern kritische Fragen gestellt, zum anderen beobachtet die Organisation hinter der Plattform auch generell den parlamentarischen Politikbetrieb und veröffentlicht das eine oder andere undemokratische Detail. Für Citizen Times erläutert Gregor Hackmack, einer der Gründer der Plattform, Hintergründe und Ziele.

Was ist ihre Initiative und wie kam es zu der Gründung?

abgeordnetenwatch.de ist ein Dialog-Portal, das Bürger und Politiker zusammenbringen will. Bürger können Abgeordnete öffentlich befragen, und diese antworten ebenso öffentlich. Viele Menschen wissen gar nicht, welcher Abgeordnete sie in Berlin oder in Brüssel vertritt. Sie können sich somit auch kein Bild davon machen, ob der Wahlkreisabgeordnete tatsächlich ihre Interessen vertritt, ob er ein wirklicher “Volksvertreter” ist.

Auf abgeordnetenwatch.de geben Sie Ihre Postleitzahl ein und erhalten dann quasi ein Arbeitszeugnis Ihres Abgeordneten: Wie geht er mit öffentlichen Anfragen um? Antwortet er kompetent und freundlich? Umschifft er kritische Fragen und weicht aus? Reagiert er überhaupt auf die Fragen der Bürger? Kann er sich voll und ganz auf seine Abgeordnetentätigkeit konzentrieren, oder wird er von allzu vielen Nebentätigkeiten abgelenkt? Und nicht zuletzt: Wie hat mein Wahlkreisabgeordneter bei wichtigen Gesetzen abgestimmt? Mit den Jahren entsteht so ein wahrer Schatz. Wir nennen abgeordnetenwatch.de auch “ein digitales Wählergedächtnis”, in dem alles gespeichert ist, was für Ihre Wahlentscheidung wichtig sein kann.

abgeordnetenwatch.de ist 2004 im Zusammenhang mit der Hamburger Wahlrechtsreform entstanden. Weil wir Bürger dadurch mehr Einfluss bei der Auswahl der Kandidaten bekamen, stellte sich die Frage, wer die Kandidaten auf dem Wahlzettel eigentlich sind und wofür sie inhaltlich stehen. So ist die Idee einer Internetplattform entstanden. Inzwischen gibt es abgeordnetenwatch.de im “Dauerbetrieb” für den Bundestag, die deutschen EU-Abgeordneten sowie die Landtage in Bayern, Baden-Württemberg, NRW und Hamburg. Im Vorfeld von Bundestags-, Europa- und Landtagswahlen können Bürgerinnen und Bürger auf abgeordnetenwatch.de auch ihre Kandidaten befragen.

Wer steht dahinter?

abgeordnetenwatch.de ist ein Projekt des gemeinnützigen Parlamentwatch e.V., der sich in erster Linie durch Spenden finanziert. Aktuell unterstützen uns 942 Fördermitglieder und über 1.000 Einzelspender, die so unsere Unabhängigkeit sichern. Mehr unter Wir über uns.

Für abgeordnetenwatch.de sind aktuell drei Vollzeitmitarbeiter, zwei Teilzeitkräfte und etwa 15 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Moderation von Fragen und Antworten tätig.

An wen wenden Sie sich?

abgeordnetenwatch.de ist ein Projekt von Bürgern für Bürger. Wir möchten es allen Menschen ermöglichen, sich ohne große Hürde direkt in die Politik einzubringen, sei es durch einfache Fragen, Anregungen oder auch Kritik. Wenn Bürger und Abgeordnete auf gleicher Augenhöhe begegenen, ist dies ein erster Schritt, um die Barrieren zwischen beiden Seiten abzubauen.

Was sind Ihre Ziele?

Unsere Vision ist die selbstbestimmte Gesellschaft. Hierzu wollen wir durch mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung in der Politik beitragen.

Was bedeutet es für Sie, ein Bürger unserer Gesellschaft zu sein?

Bürger zu sein bedeutet für mich, gleichberechtigtes und aktives Mitglied der Gemeinschaft zu sein. Wichtig ist mir dabei die Perspektive über den nationalen Tellerrand hinaus.

Die Fragen beantwortete…

…Gregor Hackmack (Jahrgang 1977). Er gründete zusammen mit Boris Hekele abgeordnetenwatch.de. Das Portal entstand 2004 in Hamburg und wurde zweimal (2005 und 2007) für den Grimme Online Award nominiert.
Im Jahr 2008 wurde Gregor Hackmack von der internationalen Organisation Ashoka als Social Entrepreneur ausgezeichnet und in Jahr 2010 von der Schwab Stiftung in das Young Global Leader Netzwerk aufgenommen.

One Comment »

Leave A Response »